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Deutschland

ifo-Index signalisiert Hoffnung auf Trendwende

Trotz der anhaltend gespannten Lage wächst in der deutschen Wirtschaft die Hoffnung auf eine Trendwende. Das signalisiert eine Befragung des ifo-Instituts von rund 7000 Unternehmen in Deutschland.

Zahnräder in Großaufnahme (Foto: AP)

Unternehmen erwarten, dass die Zahnräder der Wirtschaft sich bald wieder schneller drehen

Wirtschaftsforscher Hans-Werner Sinn (Foto: dpa)

Wirtschaftsforscher Hans-Werner Sinn: Aufhellung resultiert ausschließlich aus den Erwartungen

Er gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft - und er ist jetzt zum sechsten Mal in Folge gestiegen: der Geschäftsklimaindex des Münchener ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Er stieg im Juni auf 85,9 von 84,3 Punkten im Vormonat. Das Ergebnis untermauert nach Einschätzung von ifo-Präsident Hans-Werner Sinn, dass die Wirtschaft sich allmählich stabilisiert.

Das Konjunkturbarometer des ifo-Instituts entsteht monatlich aus der Befragung von rund 7000 Unternehmen aus Industrie, Baugewerbe sowie Einzel- und Großhandel. Die Unternehmer werden unter anderem nach ihren Geschäftserwartungen für die jeweils kommenden sechs Monate befragt und danach, wie sie ihre gegenwärtige Geschäftslage beurteilen.

Verbesserter Ausblick - trübe Lage

Laut der jüngsten Umfrage blicken die Unternehmen noch einmal optimistischer auf das kommende halbe Jahr als im Vormonat. Der Index für die Geschäftserwartungen kletterte von 86,0 Punkten auf 89,5 Punkte.

Wermutstropfen: Ihre derzeitige Lage beurteilten die Firmen nochmals etwas schlechter als im Vormonat. Der Lage-Index fiel von 82,5 Punkten auf 82,4 Punkte. Von April auf Mai hatte er aber noch deutlich stärker nachgegeben. In der Industrie stellen sich wegen der schlechten Geschäftslage weiterhin viele Firmen auf einen Stellenabbau ein.

Sinn sagte am Montag (22.06.2009) bei der Vorstellung der neuen Ergebnisse: "Die Aufhellung resultiert ausschließlich aus den Erwartungen der Unternehmen. Mit ihrer derzeitigen Geschäftslage sind die Unternehmen dagegen genauso unzufrieden wie im Mai." Verglichen mit dem Sommer 2008 bewegt sich das Geschäftsklima immer noch auf einem niedrigen Niveau. Im Juni 2008 hatte der Konjunkturtest einen Wert von 100,9 Punkten ergeben. Danach war er infolge der Wirtschaftskrise massiv eingebrochen. Der aktuelle Wert erreichte nun wieder das Niveau von November 2008.

ifo-Index, Grafik: DW

Volkswirt: Erwartungsblase

David Milleker, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Union Investment, warnte vor einer Überbewertung der ifo-Zahlen. "Der ifo-Index gibt oft Fehlsignale in Phasen, in denen die Erwartungs- und Lageeinschätzung stark voneinander abweichen", erklärte er im Gespräch mit Reuters. Derzeit habe sich die Lage leicht stabilisiert, während die Erwartungen deutlich in die Höhe schössen. Aussagekräftig sei eher die Lage. Und die Konjunktur sei demnach weiter mau. "Erwartungsblasen haben wir schon oft gesehen", sagt Milleker. "Hier schon ein Aufschwungsignal herauszulesen, wäre definitiv zu früh." Auch 2002 und 2004 habe man solche Erwartungsblasen gesehen, und die Lageeinschätzung habe sich trotzdem kaum bewegt. "Wir mussten lange auf den Aufschwung warten", sagt der Volkswirt. Ein gutes Zeichen für einen Aufschwung wäre es nach Millekers Worten, wenn die Lage den Erwartungen voraus läuft.

Ähnliche Angaben in unterschiedlichen Branchen

Die Industrie-Unternehmen sind laut ifo mit der momentanen Lage zwar "überwiegend unzufrieden", eine weitere Verschlechterung der Geschäfte in den kommenden sechs Monaten erwarten sie aber "nicht mehr ganz so häufig" wie im Vormonat. Die Firmen rechnen damit, dass sich der Rückgang im Exportgeschäft etwas abschwächen wird.

Im Groß- und Einzelhandel verbesserte sich das Geschäftsklima weiter. Grund dafür sind den Angaben zufolge die "deutlich weniger negativen Geschäftserwartungen". Die momentane Lage bewerteten die Unternehmen dagegen schlechter.

Im Bauhauptgewerbe ist die Stimmung nahezu stabil. Die derzeitige Geschäftslage schätzen die Firmen zwar schlechter ein, aber den weiteren Geschäftsverlauf bewerten sie laut ifo "weniger zurückhaltend" als im Vormonat.

Reaktion der Bundesregierung

Die Bundesregierung wertet die neuen ifo-Zahlen als erstes Anzeichen für ein Ende der Konjunktur-Talfahrt. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte am Montag in Berlin, die aktuellen Zahlen gäben einen Hinweis "auf eine gewisse Stabilisierung." Für Schlussfolgerungen sei es aber noch zu früh. Man müsse jetzt die auf den Weg gebrachten Konjunkturprogramme wirken lassen.

Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte, die ifo-Zahlen deckten sich mit den Erwartungen der Bundesregierung in ihrer Frühjahrsprognose.

DIHK warnt vor übertriebenem Optimismus

Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (Archivfoto: dpa)

Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht dagegen trotz der erneuten Aufhellung des ifo-Geschäftsklimas noch keine umfassende Konjunkturwende. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte am Montag zu Reuters: "Wir sehen in einigen Bereichen die Wende, aber wir sehen noch keine flächendeckende Wende." Die jüngste DIHK-Umfrage habe gezeigt, dass in einigen Bereichen der Wendepunkt erreicht sei - aber nicht überall.

Wansleben warnte angesichts der Rekorddefizite in den kommenden Jahren im Bundeshaushalt vor der Gefahr von Steuererhöhungen. "Ich glaube, es ist wichtig, dass wir konsequent auf Wachstum setzen und konsequent auf Ausgabensenkung." Die Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit hätten unabhängig von der Krise gezeigt, dass man mit Steuererhöhungen den Staatshaushalt nicht sanieren könne. (mas/je/dpa/ap/rtr)