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Wirtschaft

IFA 2014: Der vernetzte Mensch

Smartphones, deren Displays um die Ecke gebogen sind, Fernseher in der Größe einer Kinoleinwand, Kühlschränke, die sich anrufen lassen - die IFA in Berlin zeigt die schöne neue Technik-Welt.

Berufstätige Eltern müssen ab sofort kein schlechtes Gewissen mehr haben. Ihr Smartphone meldet, wenn das Kind aus der Schule kommt und die Tür aufschließt. In der Küche wird gerade der Gemüseauflauf fertig, denn der Backofen lässt sich über eine App auch aus dem Büro steuern. Sollte der Nachwuchs statt in die Küche ins Wohnzimmer gehen, dann wird auch das via Smartphone gemeldet und selbstverständlich lässt sich auch der heimische Fernseher oder die Spiele-Konsole aus der Ferne ganz einfach ausschalten.

Was für viele noch wie Zukunftsmusik klingt, ist auf der Internationalen Funkausstellung nicht nur zu sehen, sondern, da ist sich Reinhard Zinkann vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie sicher, es wird unaufhaltsam auch im Durchschnittshaushalt Einzug halten. "Die Zukunft wird ein komplett vernetztes Haus haben, das heißt wirklich von der Alarmanlage über die Heizung bis zur Klimaanlage und den Rollläden." Schon in den letzten zehn Jahren habe sich die Technik rasant entwickelt. "Das Smartphone hat sich durchgesetzt, das Tablet und die Apps. Wenn wir das berücksichtigen, wenn wir sehen, was eine Google-Brille heute kann, dann ist völlig klar, dass sich die Welt in den kommenden fünf bis zehn Jahren mit zunehmender Geschwindigkeit verändern wird."

Hightech zum Anziehen

Es ist das Internet, das die Elektronik-Branche grundlegend umgekrempelt hat. Auf der IFA ist kaum noch ein Gerät zu sehen, dass nicht online gehen kann. Neuester Hoffnungsträger der Branche sind die Wearables, also Geräte, die der Nutzer immer bei sich und in der Regel direkt am Körper trägt.

IFA 2014 Acer LifeBands

Acer setzt mit seinen LifeBands auf schmale Fitness-Armbänder

Samsung zeigt sein jüngstes Modell einer Computeruhr, die alle Funktionen eines Smartphones hat und mit der man auch telefonieren kann. In der kommenden Woche wird Hauptkonkurrent Apple wahrscheinlich ein ähnliches Gerät vorstellen. Andere Hersteller setzen auf zwar dünne, aber dennoch mit Computertechnologie vollgestopfte Armbänder, die Schritte zählen, den Puls messen und den Schlaf überwachen.

Carsten Müller vom Computerhersteller Acer ist sich sicher, dass Wearables eine große Zukunft haben, ob als Fitnessarmband in schlanker Form für das Handgelenk, oder als Halsband oder neu designter Schmuck. "Aber auch eine Smartwatch hat ihre Berechtigung, wenn ich ein großes Touch-Display brauche, um eine Vielzahl von Informationen darzustellen." Für seine Firma sei es wichtig, Produkte auf den Markt zu bringen, die dem Nutzer helfen würden, Dinge einfacher zu erledigen und komfortabler mit Technologie umzugehen, sagt Müller.

Die vernetzte Gesellschaft

Das haben sich alle Unternehmen auf die Fahnen geschrieben, denn sie wollen aus dem Internet der Dinge mehr machen als eine Spielerei für Technikverliebte. Allerdings soll auch der Faktor Spaß nicht zu kurz kommen. Ein Headset, das aussieht wie eine überdimensionale Taucherbrille und seinen Benutzer in eine virtuelle Welt entführt, Fernseher, die so groß wie Kinoleinwände sind und deren Bild schärfer als die Realität zu sein scheint, alles das soll unterhalten und vor allem auch begeistern.

IFA 2014 Panasonic interaktiver Spiegel

Noch in der Entwicklung: Panasonic zeigt, wie ein interaktiver Spiegel beim Schminken helfen kann

Sunny Lee, der Europa-Chef von Samsung bezeichnet es als ein Unternehmensziel, Emotionen zu wecken. "Das wollen wir erreichen, indem wir ein tiefes Verständnis für das Lebensgefühl und die Vorlieben der Menschen entwickeln." Alle wollten sich "mit aufregenden Produkten" umgeben. "Wenn wir sagen, dass Samsung jetzt das Tor für marktreife Zukunftstechnologien öffnet, dann sprechen wir nicht nur über Produkte, sondern wir reden über die Gesellschaft."

Voraussetzung: schnelles Internet

Und die wandelt sich in einer fast atemberaubenden Geschwindigkeit. Die Menschen werden immer mobiler, wollen unabhängig und flexibel sein und dabei stets über das Internet und seine Möglichkeiten verfügen. Dafür braucht man vor allem schnelle Datenleitungen. Auch die werden auf der Funkausstellung angekündigt. Vodafone beispielsweise will die bisherige Höchstgeschwindigkeit seiner Internet-Verbindungen verdoppeln. Über das zugekaufte Unternehmen Kabel Deutschland werden ab November Anschlüsse mit 200 Megabit pro Sekunde angeboten.

Das kommt dem Trend entgegen, dass Filme und Musik immer seltener über Datenträger oder Downloads, sondern zunehmend direkt aus dem Netz abgespielt werden. Musik-Onlinedienste wie Spotify, Google Music, Beatz, Deezer oder Wimp weiten dafür ihre Zusammenarbeit mit Geräteherstellern aus.

IFA 2014 4K TV

4K und UHD versprechen gestochen scharfe Fernseh-Bilder

Spotify gab auf der IFA nach der Partnerschaft mit Samsung die Zusammenarbeit mit Bose und Panasonic bekannt. "Heute steuert man seine Musik mit dem Zeigefinger über das Display seines Smartphones. So kann man für jeden Moment die richtige Musik auswählen, egal ob man kocht, oder isst, oder lernt oder sich nur unterhalten will", erklärt Spotify-Manager Jorge Espinel. "Und diese Musikauswahl folgt ihnen heute durch ihr ganzes Zuhause."

Fernbedienung fürs Leben

Das funktioniert, indem sich alle Geräte direkt mit dem Musikdienst verbinden, egal ob es das Smartphone ist oder der dafür entwickelte Lautsprecher zuhause. Über eine App wird der nahtlose Wechsel der Musik von einem Gerät zum anderen gesteuert. Ähnlich entwickelt sich der Abruf von Filmen. Auch hier werden Inhalte aus dem Netz abgespielt und das Smartphone dient als Steuerzentrale für Fernseher und Tablets.

So wird das Handy immer mehr zu einer Fernbedienung für alle Bereiche des Lebens. Das heißt aber auch, dass das Smartphone schon heute mehr über seinen Besitzer und dessen Vorlieben weiß, als dem vielleicht lieb ist. Das Thema Datenschutz ist daher auch auf der IFA ein Thema. Noch geht es in der großen bunten Medienwelt allerdings ein bisschen unter.

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