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Idriss Déby - Ein Mann mit vielen Feinden

Peter Hille19. April 2006

1990 zog er mit seiner Rebellenarmee von Darfur aus gegen die Hauptstadt Ndjamena und sicherte sich die Macht im Tschad. 16 Jahre später wird Idriss Déby selbst von rebellierenden Gruppen bedroht.

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Pilot, General, Präsident: Idriss DébyBild: AP

"Wir haben das Problem geregelt. Die Rebellen sind vernichtet." Selbstbewusst gab sich der tschadische Präsident Idriss Déby am Donnerstag (13.4.2006) gegenüber dem französischen Radiosender RFI. Nur zwei Stunden zuvor waren Rebellen der "Vereinten Front für den Wechsel" (FUC) in die Hauptstadt des Tschad marschiert. Einige Aufständische gelangten auf leichten Geländewagen bis zur Nationalversammlung, die tschadische Armee konnte den Angriff der mehr als 500 Kämpfer jedoch zurückschlagen.

Der selbstbewusste Präsident hat seine Macht damit ein weiteres Mal sichern können. Seit 16 Jahren herrscht Idriss Déby im Tschad. Er wurde als Sohn eines Hirten in Fada im Nordosten des Landes geboren. Früh schloss er sich der Armee an, er wollte Pilot werden. Die Pilotenlizenz erwarb er 1976, im Luftfahrtinstitut Amaury-de-La-Grange in Frankreich. Dort gab man ihm auch den Spitznamen "Wüstencowboy".

Patriotischer Retter

Flüchtlinge aus dem Sudan in Tschad
Die Landschaft des Tschad ist von der Sahelzone geprägtBild: AP

Später machte Déby unter Präsident Hissène Habré im Tschad Karriere. Habré beförderte ihn bis in den Generalsrang, warf ihm dann jedoch Putschpläne vor – Déby musste 1989 mit zahlreichen Anhängern über die Grenze in die sudanesische Provinz Darfur fliehen.

Dort baute er eine Rebellenarmee auf, die "patriotische Rettungsbewegung" MPS. Vom Sudan aus führte Déby seine Armee in Richtung Ndjamena, der Hauptstadt des Tschad. Beim dritten Anlauf konnte er Habré stürzen, anschließend rief er sich zum Präsidenten aus. In zwei Wahlen hat er sich seine Macht seither bestätigen lassen.

Enttäuschte Blutsbrüder

Doch Déby hat viele Feinde. Schließlich bedeutet die Macht im Tschad auch die Kontrolle über die Ölvorkommen von Doba. Seit drei Jahren sind die Ölfelder im Süden des Tschads erschlossen; über eine Pipeline durch das benachbarte Kamerun bis zum Atlantikhafen Kribi an der Westküste Afrikas wird Öl in alle Welt exportiert. Im vergangenen Jahr für über drei Milliarden US-Dollar.

Viele Leute denken, es geht im Tschad einfach nur ums Öl", "sagt Matthias Basedau vom Institut für Afrikakunde in Hamburg. "Aber das ist eine kompliziertere Geschichte." So würde der Konflikt in der sudanesischen Provinz Darfur immer wieder auf den westlichen Nachbarn Tschad überschwappen. Präsident Déby werde dabei von Angehörigen seines eigenen Stammes, der Zaghawa, bedroht. "Sie werfen ihm vor, seine Blutsbrüder im Kampf gegen die Reitermilizen aus dem Sudan nicht ausreichend zu unterstützen."

Tschad Ölförderung Arbeiter Doba Ölfelder
Jeden Tag werden in Doba 250.000 Barrel Öl gefördertBild: AP

Gemäßigter Diktator

Umgekehrt rüste die Regierung in Khartum die tschadischen Rebellen der FUC im Grenzgebiet mit Waffen aus. Wer gegen wen kämpft und wer wen unterstützt, ist nicht immer ganz klar. Der Sturz Débys ist allerdings das Ziel der meisten bewaffneten Gruppierungen im Tschad.

"Der Hauptgrund dafür ist jedoch nicht das Öl oder die Einmischung des Sudan. Die Ursache liegt in der Natur des Regimes von Idriss Déby", sagt Matthias Basedau. Der Präsident sei zwar kein brutaler Diktator, aber eben auch kein Waisenkind.

Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1960 mussten die Menschen im Tschad immer wieder unter Gewaltausbrüchen, Putschversuchen und Bürgerkrieg leiden. Débys Vorgänger, Präsident Hissène Habré, ließ Tausende politische Gegner umbringen, alle Oppositionsparteien wurden verboten. "Unter Déby ist der Tschad vielleicht etwas demokratischer geworden: es gibt mehrere Parteien, Wahlen und eine freie Presse. Aber das ist eine Fassadendemokratie, Déby drangsaliert die Bevölkerung", so Basedau.

Öl für Waffen

Flüchtlinge in Sudan
Im Grenzgebiet zum Sudan wurden Flüchtlingslager eingerichtetBild: AP

Auch die bittere Armut im Tschad konnte Déby bisher nicht beseitigen. Die Lebenserwartung der Tschader liegt bei 47 Jahren, die Analphabetenrate bei 53 Prozent. Durch die Erschließung der Ölfelder sollte sich das ändern: Die Einnahmen Tschads aus den Ölexporten flossen in einen speziellen Fonds und sollten zu 90 Prozent für Bildung, Gesundheit und Armutsbekämpfung ausgegeben werden - das war eine Bedingung der Weltbank, die den Bau der Förderanlagen mitfinanziert hat. Doch Déby hat die Vereinbarung Ende 2005 aufgekündigt. Die Sicherheitslage in seinem Land erfordere höhere Investitionen in die Armee, dafür benötige er das Ölgeld, so die Erklärung Débys.

So steckt Idriss Déby in der Zwickmühle: Kurzfristig kann er seine Macht nur mit Waffengewalt sichern. Doch langfristig müsste er den Tschad demokratisieren, um nicht Opfer von Putschversuchen und Rebellenattacken auf die Hauptstadt zu werden. Denn geschwächt ist der Präsident nicht nur politisch: Er hat offenbar Leberkrebs und muss regelmäßig zur Behandlung nach Frankreich. Die Anführer der verschiedenen Rebellengruppen warten nur darauf, das Erbe des selbstbewussten Mannes anzutreten.