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Welt

Identität durch Sprache

Luxemburg hat 470.000 Einwohner, einen hohen Ausländeranteil und viele Pendler aus den Nachbarländern. Für die Luxemburger selbst ist ihre Sprache daher ein wichtiges Zeichen ihrer Identität und Eigenständigkeit.

Blick auf die Stadt Luxemburg (Foto: AP)

Luxemburg: ein kleines Land mit drei Amtsprachen

Seit 1984 ist Letzeburgisch die Nationalsprache in Luxemburg. Im zweitkleinsten EU-Land - nur Malta ist kleiner - leben rund 250.000 Letzeburgisch-Muttersprachler. Neben Letzeburgisch gibt es zwei weitere Amtssprachen Französisch und Deutsch. Das Letzeburgische ist eine westgermanische Sprache und gehört zur Dialektgruppe des Moselfränkischen. Wer also Trierer Platt aus der Nachbarregion rund um die Stadt Trier spricht, der kann auch einer Konversation unter Luxemburgern mühelos folgen.

Letzeburgisch - Sprache oder nur Dialekt?

Das schriftliche Luxemburgisch ist aber immer noch für viele ein Problem. Deshalb gibt es auch viele Abendkurse in luxemburgischer Orthographie, wo sich wissbegierige Erwachsene nach der Arbeit mit Diktaten und der richtigen Rechtschreibung auseinandersetzen.

Burg Vianden im Großherzogtum Luxemburg (Foto: Vincent de Groot)

Luxemburg ist das letzte Großherzogtum der Welt.

Erst im November 1976 wurde eine verbindliche und einheitliche Rechtschreibung per Erlass eingeführt und 1999 noch einmal modifiziert. Das Luxemburgische ist immer wieder Kritik von außen ausgesetzt. Viele meinen es sei nur ein Dialekt und keine eigene Sprache. Zwei von drei Voraussetzungen, um eine eigene Sprache zu sein, sind aber erfüllt: Nämlich die Anerkennung durch eine offizielle Instanz und die literarische Produktion. Mit Punkt drei, den Referenzwerken wie Wörterbüchern oder Grammatiken hapert es aber noch ein bisschen.

"Hier weiß der Luxemburger selbst oft nicht so richtig, was denn jetzt eigentlich seine luxemburgische Sprache ist?", erklärt Orthographielehrer Jerome Lulling. "Erst wenn wir die luxemburgische Sprache durch solche Referenzwerke genau definieren können, ist es auch möglich Luxemburgisch als eine Fremdsprache zu unterrichten und dann auch als eine Integrationssprache."

Printmedien publizieren kaum auf Letzeburgisch

Luxemburgische Flagge

Luxemburgs Flagge sieht der niederländischen ähnlich

Für Kursteilnehmerin Lydie, die später gern Luxemburgisch als Fremdsprache unterrichten würde, ist Letzeburgisch vor allem eins: "Identität. Wir sind halt nur ein paar, aber wir haben trotzdem unsere eigene Sprache." In den Printmedien wird allerdings hauptsächlich auf Hochdeutsch publiziert, weniger auf Französisch und nur drei Prozent auf Letzeburgisch.

Jerome Lulling, der auch an der Universität Trier Luxemburgisch unterrichtet, bemängelt das: "Das Luxemburgische wird mehr für Heiratsanzeigen und Todesanzeigen benutzt und das finde ich schade, weil man sehr gut die Aktualität des Tagesgeschehens - sowohl national wie international - auch auf Luxemburgisch verfassen kann." Er selbst hört nämlich täglich Radio auf Letzeburgisch.

Autorin: Susanne Henn
Redaktion: Pouyeh Ansari

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