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Kultur

Id ul-Adha - das islamische Opferfest

Am 27. November begann früh morgens das wichtigste muslimische Fest. Beim so genannten Opferfest dreht sich dieser Tage alles um das Schaf. Was viele nicht wissen, es hat seinen Ursprung im Alten Testament.

Tausende moslemische Pilger gehen um die Kaaba (Foto: AP Photo/Khalil Hamra)

Der "salat" ertönt aus den Moscheen über Plätze und Straßen. Ein alltägliches Ritual, das gleichzeitig das Startsignal zum "großen Fest", arabisch "Id ul-Adha", ist. Für gläubige Muslime in Bedeutung und Aufwand dem christlichen Weihnachtsfest in nichts nachstehend, beginnt es am zehnten Tag des letzen Monats im islamischen Mondjahr. Und weil dieses elf Tage weniger zählt als das westliche Sonnenjahr, wandert das Opferfest gewissermaßen durch unseren Kalender. In diesem Jahr beginnt es am 27. November.

Ursprung im Alten Testament

Ein Schlachter hält einen Widder an den Hörnern (Foto: AP Photo/Murad Sezer)

Die Wurzeln des Opferfestes finden sich in einer Erzählung aus der hebräischen Bibel. Die Geschichte von Abraham und seinem Sohn Isaak verweist an die Anfänge oraler Erzähltradition. Abraham, Stammvater der Israeliten und Ismaeliten, hört eine göttliche Stimme, die ihm aufträgt, mit seinem Sohn Isaak auf einen Berg zu steigen und ihn dort als Brandopfer darzubringen. Die Szene spitzt sich zu, Abraham vor einem steinernen Altar, das Messer in der Hand: "Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu und sprach: Abraham, Abraham! Und er sagte: Hier bin ich! Und er sprach: Strecke deine Hand nicht aus nach dem Jungen, und tu ihm nichts! Denn nun habe ich erkannt, dass du Gott fürchtest, da du deinen Sohn mir nicht vorenthalten hast. Und Abraham erhob seine Augen und sah; und siehe, da war ein Widder hinten im Gestrüpp an seinen Hörnern festgehalten." Moses 22, 11

Das Ende des Menschenopfers

Muslimischer Gottesdienst während des Opferfestes (Foto: AP Photo/Hatem Moussa)

Diesen Widder opfert Abraham nun anstelle seines Sohnes, kulturgeschichtlich das Ende einer archaischen Tradition. Denn das Opfern eines Menschen mit dem Ziel, die Götter gnädig zu stimmen, oft auch stellvertretend Vergebung für begangenes Unrecht zu erwirken, diesen Brauch kannten in grauer Vorzeit verschiedene Kulturen. Im entstehenden Islam des 7. Jahrhunderts findet die Geschichte von Abraham Eingang in den Koran. Dort wird aus Abraham der Prophet Ibrahim und sein Sohn, dessen Name hier ungenannt bleibt, wird mit Abrahams Erstgeborenem Ismael gleichgesetzt. Ismael, der Vater der Ismaeliten, mit heutigen Worten: der Vater der arabischen Welt.

Symbolische Selbstopferung

Im Koran, in Sure 22, heißt es: "Ihr Fleisch erreicht Allah nicht, noch tut es ihr Blut, sondern eure Ehrfurcht ist es, die ihn erreicht. Also hat er sie euch dienstbar gemacht, dass ihr Allah dafür preiset, dass er euch geleitet hat."

Wichtig ist also die Ergebenheit Allah gegenüber. In der Bereitschaft Ibrahims, seinen Sohn zu opfern, sehen gläubige Muslime die unbedingte Hingabe an Allah, den Barmherzigen. Und indem sie am Opferfest ein männliches Schaf, eine Ziege, eine Kuh oder auch ein Kamel schlachten, danken sie für die Errettung ihres Stammvaters Ismael und stellen symbolisch ihr Leben Gott zur Verfügung.

Vier Tage Ausnahmezustand

Kaaba in Mekka von Pilgerern umringt (Foto: AP)

Kaaba in Mekka

Wenn das Opferfest in arabischen Ländern gefeiert wird, herrscht vier Tage lang Ausnahmezustand. Für jeden Muslim, der es sich leisten kann, ist das Schlachten eines Tieres verbindlich. Das geschieht in besonderer Art und Weise – es wird geschächtet. Mit einem raschen Schnitt wird dem Tier die Halsschlagader durchgetrennt, eine Betäubung setzt ein, das Fleisch kann vollständig ausbluten. Ein Drittel davon verzehrt der Vater mit seiner Familie bei einem festlichen Essen, zwei Drittel werden verschenkt, meist an ärmere Leute in der Umgebung. Viele Gläubige gedenken auf dem Friedhof ihrer Toten, sie tragen festliche Kleidung, Verwandte und Freude besuchen einander und machen sich Geschenke. Und wer auf Pilgerfahrt ist, wird das Opferfest besonders eindrücklich erleben. Im Tal von Mina bei Mekka werden Tausende Tiere geschlachtet - ganz in der Nähe der Kaaba, dem islamischen Heiligtum in Mekka, das der Tradition zufolge der Prophet Ibrahim mit seinem Sohn Ismael errichtet haben soll.

Übrigens: in Deutschland ist das Schächten ein Politikum. Trotz eines Verbots im Tierschutzgesetz hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig vor drei Jahren in einem Grundsatzurteil unter strengen Auflagen das Schächten von Tieren erlaubt.

Autor: Matthias Lemme

Redaktion: Conny Paul

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