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Fokus Osteuropa

ICTY ermittelt in Skopje

Das UN-Kriegsverbrechertribunal hat Ermittler nach Mazedonien entsandt. Sie sollten Zeugenvernehmungen vor Ort durchführen, um die Befehlsverantwortung für die Ermordung von albanischen Zivilisten 2001 festzustellen.

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Im Visier der Anklage: ehemaliger Innenminister Ljube Boskovski

ICTY-Chefanklägerin Carla del Ponte ermittelt gegen den ehemaligen Innenminister, Ljube Boskovski, wegen der Ermordung von rund zehn albanischen Zivilisten im Dorf Ljuboten im August 2001. Am 6. Februar wurde in Skopje bereits Zlatko Keckovski vernommen, ehemaliger Angehöriger der Sonder-Polizeieinheit und später Sicherheitschef des ehemaligen Präsidenten Trajkovski. Das ICTY hofft, durch eine Vernehmung von Keckovski herauszufinden, ob Trajkovski und nicht Boskovski den Befehl für den Angriff der mazedonischen Streitkräfte und Polizei auf Ljuboten befahl, nachdem dort bei einer Aktion der ehemaligen albanischen Befreiungsarmee UCK acht mazedonische Soldaten getötet wurden.

Premier Buckovski befürchtet zweierlei Maß

Die mazedonische Staatsspitze reagierte vor drei Wochen unzufrieden auf Informationen, nach denen Carla del Ponte lediglich im Fall Ljuboten und nicht auch gegen mutmaßliche Kriegsverbrechen von ehemaligen UCK-Angehörigen ermittle. „Ich möchte nicht in Erwägung ziehen, dass die Vorfälle während des bewaffneten Konflikts 2001 und mutmaßliche Kriegsverbrechen nur auf dem Rücken von Einzelnen ausgetragen werden, die zu dieser Zeit Angehörige regulärer Polizei- und Streitkräfte waren,“ sagte Premier Vlado Buckovski. Ungeachtet dieser Aussage versicherte Buckovski, dass Mazedonien mit dem ICTY vollkommen kooperieren würde.

Ehemaliger Innenminister noch unter der Lupe?

Unterdessen mussten die ICTY-Ermittler aus Überlastung zusätzliche Zeugenvernehmungen im Fall „Ljuboten“ abbrechen. Nun ist unklar, ob das ICTY über neue Beweise gegen Ljube Boskovski verfügt oder gar von einem Verfahren gegen ihn absieht. Boskovski befindet sich derzeit ohnehin in Kroatien in Haft, allerdings weil er in einen weiteren Fall verwickelt ist. In dem so genannten Fall „Rastanski Lozja“ wird die mazedonische Polizei beschuldigt sieben Wirtschaftsmigranten - sechs aus Pakistan und einen aus Indien – getötet zu haben, weil sie angeblich Terroristen gewesen seien, die Angriffe auf westeuropäische Länder organisieren wollten.

Aleksandar Comovski, Skopje

DW-RADIO/Mazedonisch, 8.2.2005, Fokus Ost-Südost