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Digitales Leben

Ick bin ein .berliner

Deutschland hat neue Top-Level-Domains. Die weltweit erste Stadt mit einer eigenen Domain ist Berlin. Dafür hat die Firma Dotberlin gesorgt. Gründer Dirk Krischenowski erklärt, wie man zu einem .berliner werden kann.

Im Jahr 2014 wird sich die Struktur des Internet grundlegend verändern. Bisher gibt es vor allem länderspezifische Endungen wie .de für Deutschland und wenige allgemeine wie .com, .info oder .org. Das soll anders werden, hat die

internationale Internet-Organisationen ICANN

(Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) beschlossen. Bisher verwaltete die Registrierungsstelle Denic die .de-Adressen für deutsche Webseiten. Die Firma

Dotberlin

hat sich für Berlin erfolgreich um eine eigene Endung beworben. Sie lautet: .berlin. Und damit ist eine Art neues digitales Land entstanden, das die Firma Dotberlin ans Netz-Publikum vergibt.

Ab diesem Dienstag kann jeder, der in Berlin wohnt oder dort eine Firma hat, eine eigene Webadresse unter .berlin registrieren. Das geschieht allerdings nur indirekt: Bei Registraren wie United Domains oder 1&1 gibt der Kunde die gewünschte Adresse wie etwa "www.cafe-schmitz.berlin" an, die Registrare erwerben die Domain bei Dotberlin, geben sie an ihre Kunden weiter und kassieren dafür bis zu 49 Euro im Jahr.

Diese Registrare haben seit zwei Jahren Vorbestellungen für die Endung .berlin gesammelt. Um Punkt 11 Uhr am Dienstag sind diese Vorbestellungen bei Dotberlin ins System "geschossen" worden, wie Dirk Krischenowski erklärt. Im Gespräch mit der Deutschen Welle verrät der Dotberlin-Gründer, was passiert, wenn eine so begehrte Domain freigeschaltet wird.

Dirk Krischenowski - dotberlin

Dirk Krischenowski von Dotberlin freut sich über die hohe Nachfrage

DW: Wenn alle Registrare mehr oder weniger gleichzeitig ihre Bewerbungen losschicken, wie entscheidet das System dann, wer den Zuschlag bekommt?

Dirk Krischenowski: Da geht es um Bruchteile von Sekunden. Das geschieht völlig automatisiert und ohne unser Zutun. Die Registrare können entscheiden, in welcher Reihenfolge sie die einzelnen Bestellungen zu uns schicken. Und natürlich spielt auch letztlich Glück eine Rolle.

Wieso gibt es überhaupt neue Internet-Endungen für Städte?

Wir haben seit 2004 Werbung bei der globalen Internet-Organisation ICANN dafür gemacht, dass es neue Endungen geben soll. Es gibt über 200 Länder, die alle eigene Endungen haben, auch Zwergenstaaten mit nur wenigen Hundertausenden Einwohnern. Deswegen sind wir der Meinung, dass auch große Millionen-Metropolen durchaus eine eigene Endung haben könnten. Nach langer Vorbereitungszeit gingen dann 2012 knapp 2.000 Bewerbungen für neue Endungen ein, nicht nur für Städte und Regionen, sondern auch für Marken und für allgemeine Begriffe wie .hotel oder .photography.

Die Organisation ICANN hat die Bewerbungen um eine Internet-Endung nicht alle gleichzeitig bearbeitet. Wie wurde die Reihenfolge bestimmt?

das Logo von Dotberlin

Das Logo von Dotberlin

Die ICANN hat sich für ein Losverfahren entschieden. .berlin stand anfangs hinter anderen Städten wie Paris oder Köln. Wir sind in der Liste dann faktisch aber immer weiter nach oben gerutscht, durch Glück und eine gut begründete Bewerbung, die alle Prüfungen der ICANN anstandslos durchlaufen hat. Dadurch ist Berlin zur weltweit ersten Stadt geworden, die eine eigene Domainendung für das Publikum freigeben kann.

Gibt es Beschränkungen, wer eine Domain mit Berlin-Endung am Ende besitzen darf?

Faktisch nicht. Man muss als Bürger seinen Wohnort oder als Firma seinen Sitz in Berlin haben. Dann geht man zu einem der aktuell 50 Registrare, die einen Vertrag mit uns haben. Die kaufen im Auftrag ihrer Privat- oder Firmenkunden die Domains bei uns und geben sie dann weiter.

Wieso braucht Berlin Ihrer Meinung nach eigentlich eine eigene Internet-Endung?

Das hat unterschiedliche positive Effekte. Man kann zeigen, dass man in Berlin wohnt oder in Berlin ein Geschäft betreibt. Vieles, was im Internet passiert, hat lokalen Charakter. Und die neuen Endungen sind allgemein eine Antwort auf den größten Engpass im Internet: die verfügbaren Domainnamen. Bei der deutschen Endung .de gibt es 16 Millionen registrierte Webseiten, unter .com mehr als 110 Millionen. Die meisten schönen, knappen oder beschreibenden Namen sind schon vergeben. Deswegen haben Startups oft so seltsame Namen. Wir schaffen neue Möglichkeiten, sich im Netz zu präsentieren.

Bildergalerie Berlin bei Nacht

Wer sich seiner Stadt verbunden fühlt, kann das nun auch mit seiner Internetadresse zeigen

Sind die neuen Endungen nicht vor allem ein großes Geschäft für die Domainbranche?

Natürlich verdienen verschiedene Parteien Geld damit, Webdesigner, Programmierer, Domainhändler oder Leute, die Suchmaschinen-Optimierung machen. Die Domainbranche lässt sich mit der Immobilienwirtschaft vergleichen. Die ICANN hat gesagt: wir schaffen neues digitales Land. Auf dem neuen virtuellen Grundstück für Berlin bauen wir jetzt ein Hochhaus und laden Leute ein, dort einzuziehen. Im Hochhaus der deutschen .de-Endung gibt es schon 16 Mio. Appartments, bei uns ist noch fast alles frei.

2014 werden weitere deutsche Städte und Bundesländer eigene Domains haben. Dazu zählen Köln, Hamburg, Bayern, das Saarland und auch das Ruhrgebiet.

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