1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Ich will Theater!

Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ist es sehr wichtig: Theater zu spielen. Theatralik oder Theater zu machen kommen nicht gut an. Authentizität ist das, was zählt – auch für Schauspieler, die ans Theater wollen.

Audio anhören 05:50

Ich will Theater! – die Folge als MP3

Meine rechte Gesichtshälfte ist auf den schwarzen Theaterboden gepresst. Speichel läuft mir langsam aus dem Mund. Meine Augen sind weit geöffnet, mein Atem stockt, mein Körper ist erstarrt. Ich bin tot. „Der Nächste bitte!“ Noch etwas wacklig auf den Beinen, erhebe ich mich. Nach meiner wundersamen „Auferstehung“ muss ich mich beeilen, die Requisiten von der Bühne aufzusammeln. Denn die nächsten Kandidaten sitzen schon wie die Hühner auf der Stange vor dem Theaterraum und warten – nicht auf die Theaterprobe, sondern nur aufs Vorsprechen, in der Hoffnung, an der Schauspielschule angenommen zu werden.

Die geborene Schauspielerin

Ich bin eigentlich eher so der lockere Typ. Nichts kann mich aus der Bahn werfen. Naja, nichts ist vielleicht zu hoch gegriffen, sagen wir fast nichts. Die Schauspielerei ist meine Leidenschaft, aber der Weg dahin ist leider steinig und schwer, viele Hürden müssen überwunden werden.

Da wären zunächst die Eltern. Es hat eine Weile gedauert, sie von meinen Zukunftsplänen zu begeistern. Von dem einen bekam ich zu hören: „Du willst zum Theater?! Schauspielerei ist eine brotlose Kunst!“, von der anderen:„Kind, was soll aus dir nur werden?“ Doch, wer sich etwas in den Kopf gesetzt hat, sein Ziel fest im Blick hat, bleibt hartnäckig. Und irgendwann waren auch meine Eltern davon überzeugt, dass ich Talent habe und eine geborene Schauspielerin bin.

Das weiß doch jedes Kind

Ein Glas ist umgekippt und der rote Inhalt verläuft sich auf dem weißen Teppichboden.

Der Fleck muss weg!

Gelegenheiten, das unter Beweis zu stellen, gab es genug. Ich erinnere mich beispielsweise noch gut daran, wie ich einmal als Kind ein Glas roten Johannisbeerensaft auf unser neues beigefarbenes Sofa verschüttete und befürchtete: „Das wird Theater geben!“ Um das bevorstehende Donnerwetter zu verhindern, versuchte ich die Tat zu vertuschen. Schnell wurde „Fleckentfernung“ gegoogelt und das Sofa mit dem empfohlenen Hausmittelchen in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Dachte ich zumindest.

Denn Eltern kann man selten täuschen. Diese wussten sofort, dass ich etwas ausgefressen hatte, sie merkten mir mein schlechtes Gewissen an der Nasenspitze an. Und dann kam der bemerkenswerte Satz: „Du bist zwar die geborene Schauspielerin, aber dieses Mal brauchst du uns kein Theater vorzuspielen! Was ist passiert?“ In diesem Moment ein Theater zu veranstalten, eine tränenreiche Vorstellung zu geben, hätte die Situation nur noch schlimmer gemacht.

Ein weiter Weg auf die Theaterbühne

Vier Menschen sitzen auf Stühlen nebeneinander und warten auf ein Vorstellungsgespräch.

Jeder gegen jeden!

Nun gilt es aber, die Jury dieser Schauspielschule in meinen Bann zu ziehen und die Aufnahmeprüfung zu bestehen. Der Konkurrenzkampf ist groß. Hunderte von Bewerbern kämpfen um etwa zwanzig Plätze. Ich hatte schon einiges hinter mir. Ein Vorsprechen folgte auf das nächste, ich erhielt nur Absagen. Ich sei zu unerfahren, ich könne mich nicht richtig in meine Rolle hineinversetzen. Begründungen über Begründungen, ich kann sie nicht mehr hören!

Ständig musste ich mich rechtfertigen. Wie oft habe ich diese Frage gehört: „Warum willst du eigentlich Schauspielerin werden?“ Anfangs habe ich versucht, es zu erklären: „Schon immer habe ich von ihnen geträumt, von den Brettern, die die Welt bedeuten.“ Oder: „Ich kann mir in meinem Leben einfach nichts anderes vorstellen.“

Der Glaube an die Unsterblichkeit des Theaters

Das hören die Juroren wohl ständig, damit kann man keinen Blumentopf bei ihnen gewinnen. Als Schauspieler muss man sich eben aus der Menge hervorheben, muss vielleicht auch mal aus der Reihe tanzen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Darum zitiere ich nun gelegentlich Max Reinhardt, der einst sagte:

„Ich glaube an die Unsterblichkeit des Theaters.
Es ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen,
die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt
und sich damit auf und davon gemacht haben,
um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen.“

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Mein Name wird aufgerufen, die Jury ist bereit, mir ein Feedback zu geben. Tief durchatmen, Brust raus, Kopf hoch und los geht's. Die Stunde der Wahrheit naht. Die Juroren sind sehr freundlich zu mir. Allein die Botschaft lautet: Tut uns Leid, aber ... Ich konnte – wieder mal – nicht überzeugen. Dieses Mal hieß es, ich sei zu theatralisch, zu aufgesetzt, müsse mehr mit meiner Rolle verschmelzen. Bedeutet das jetzt das Aus meines Traums von der Schauspielerei? Nein!!! Denn ich glaube an die Unsterblichkeit des Theaters und den seligen Schlupfwinkel. Auch wenn es mich mein letztes Hemd kostet!






Arbeitsauftrag
Welche Schauspielerin, welchen Schauspieler bewunderst du, welche/welchen magst du überhaupt nicht? Begründe deine Meinung schriftlich, indem du möglichst viele beschreibende Adjektive für die Schauspielerin beziehungsweise den Schauspieler verwendest.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads