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Sprachbar

Ich verstehe nur Bahnhof!

Mit Zügen hat’s nicht zu tun, das „Nur-Bahnhof-Verstehen“ – aber unter anderem mit dem Sprachenlernen. Manchmal leiden auch diejenigen, die mit zwei Sprachen aufwachsen. Für alle gibt es aber immer einen Notausgang …

Audio anhören 04:37

Ich verstehe nur Bahnhof! – die Folge als MP3

Missverständnisse kommen immer wieder vor, auch in der Sprache. Muttersprachler kennen das auch. Zum Beispiel: Man redet mit einem Spezialisten, und weiß nicht, was er einem sagen will. Da sagt der Deutsche: „Einen Moment, bitte! Ich verstehe nur Bahnhof!“ Wer „nur Bahnhof versteht“, der versteht gar nichts. Selbst wenn ihm etwas erklärt wird, kann es vorkommen, dass er weiterhin „nur Bahnhof versteht“. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist die Bedeutung des Gesagten einfach verlorengegangen.

Erklärungsversuche

Menschenmassen an Bahnhof

Mancher, der sich unterhält, versteht nur Bahnhof

Eigentlich weiß keiner, woher der Spruch kommt, aber es gibt viele Geschichten dazu. Die bekannteste handelt von Soldaten im Ersten Weltkrieg. Für sie war ein Bahnhof beziehungsweise ein Zug ein Zeichen für den ersehnten Heimaturlaub. So besessen waren die Soldaten von der Idee nach Hause zu kommen, dass sie die Befehle der Vorgesetzten überhaupt nicht hörten!

Eine andere Geschichte sieht den Bahnhof als Symbol: Wer in ein fremdes Land reist und am Bahnhof steht, weiß nicht genau, wie er weiterkommt. Besonders schwierig ist das, wenn die Hinweise auch noch in einer fremden Schrift verfasst sind. Und noch eine Erklärung gibt es, die plausibel klingt: Bahnhöfe sind besonders wegen der ankommenden, abfahrenden und durchfahrenden Züge und den vielen wartenden Menschen laut. Wer sich auf dem Bahnsteig zu unterhalten versucht, muss sich oft wiederholen. Der Gesprächspartner versteht dann wirklich nur „Bahnhof“. Ob ein Wort fehlt, oder doch der ganze Satz, nur eins ist angekommen, nämlich der Zug.

Wer den Zug verpasst …

Diejenigen, die „nur Bahnhof verstehen“, denken oft das Schlimmste – getreu dem Spruch: „Wer den Zug verpasst, der bleibt am Bahnsteig sitzen.“ So schlimm ist es bei weitem aber nicht. Deutsche freuen sich, wenn andere versuchen, Deutsch zu lernen. Und Hand aufs Herz: Wir wissen ja selber, dass die deutsche Sprache kompliziert ist.

Umso anerkennenswerter ist es, wenn sich ein Nicht-Muttersprachler durch die oft unlogischen Artikel kämpft, den Genitiv dort richtig anwendet, wo Muttersprachler inzwischen längst den Dativ für richtig halten, und, und, und … Nun ja. Deswegen haben wir viele Jahre im Deutschunterricht gesessen und die Grammatik gepaukt.

Oh je, wörtliche Übersetzungen

Symbolbild: ein Labyrinth aus Hecken

Wie ein Labyrinth: die Suche nach dem passenden Wort

Eine Extraklasse im „Nur-Bahnhof-verstehen“ sind „Doppelmuttersprachler“, Menschen die zweisprachig aufwachsen. Das Gehirn speichert die verschiedenen Sprachen an verschiedenen Orten. Da kann es auch mal zu einem Ausrutscher kommen wie bei: „I only understand train station“, wenn man was nicht versteht.

Besonders bei jüngeren Kindern, die zweisprachig sind, erlebt man manche lustigen Verwechslungen oder direkten Übersetzungen, die keinen Sinn ergeben. Da fragt beispielsweise ein kleiner Junge seinen Vater: „Papa, can you me up pick?“, weil er „Papa, kannst du mich hochheben?“ falsch übersetzt hat.

Doppelmuttersprachler im Vorteil?

Symbolbild: Ein Vater hebt seine Tochter hoch

„Papa, can you me up pick?“

Es stimmt das „Doppelmuttersprachler“ einen großen Vorteil haben. Es hat aber auch Nachteile, in zwei Sprachen groß zu werden. Obwohl man die Sprachen eigentlich fließend spricht, passiert es, dass man wirklich nicht versteht, was der andere einem sagen will.

Denn in der „falschen“ Sprache zu denken, passiert mal. Und man kann nichts dafür. Sprachlich „umzudenken“ ist nicht immer einfach, da das Gehirn seine eigenen Wege geht und sich schwer kontrollieren lässt. Aber keiner sollte verzagen. Einen „Notausgang“ gibt’s immer: den Körpereinsatz. Fällt einem beispielsweise das Wort „Weitsprung“ nicht ein, springt man eben!

Fraget, so werdet ihr erfahren

Wer „nur Bahnhof“ versteht, geniert sich. Das ist natürlich. Es ist nicht schön, etwas nicht zu wissen. Aber schlimm ist es nicht! Denn man kann immer einfach nachfragen. Und im Zeitalter des Internet gibt’s natürlich eine weitere Möglichkeit: schnell das Mobiltelefon zur Hand nehmen und recherchieren. Hoffen wir mal, dass Siri und Co. mehr als „nur Bahnhof“ verstehen!






Arbeitsauftrag
Erinnerst du dich an eine Situation, in der du „nur Bahnhof verstanden“ hast? Beschreibe in einem kurzen Text die Situation und wie du dich gefühlt hast. Welche Konsequenz hast du daraus gezogen? Welchen Tipp gibst du anderen?

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