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Wissen & Umwelt

Ich sehe was, was du nicht siehst!

Einige Tieren tarnen sich, indem sie wie Blätter oder Steine in ihrer Umgebung aussehen. Dieses faszinierende Konzept der Natur ist älter als bisher gedacht, haben Forscher jetzt herausgefunden.

Es gibt Tiere, die sind so gut getarnt, dass man sie nur bei sehr genauem Hinsehen von einem Blatt, einem Ast oder einem Stück Baumrinde unterscheiden kann. Viele Insekten machen sich unsichtbar, indem sie sich in Gestalt oder Farbe einem Teil ihrer Umgebung anpassen. Diese Art der Tarnung wird Mimese genannt. Das sogenannte wandelnde Blatt - ein Vertreter der Stabschrecken - ist dafür bekannt.

Jetzt zeigte sich: Diese Art der Tarnung ist ein viel älteres Konzept als ursprünglich angenommen. Forscher gingen bisher davon aus, dass sich die Mimese bei Stab- und Gespenstschrecken - den sogenannten Phasmiden - mit dem Aufstieg der Blütenpflanzen entwickelte. Der begann vor ungefähr 90 Millionen Jahren.

Eine kleine Sensation

Mimese Lebende Steine

Suche das Insekt: Einige Tiere sehen wie Steine aus.

Ein Forscherteam um den Göttinger Evolutionsbiologen Sven Bradler wies anhand von Stabschreckenfossilien nach, dass zumindest diese Tierart mit dem lateinischen Namen Cretophasmomina melanogramma das Konzept der Mimese schon viel früher anwendete, nämlich vor 126 Millionen Jahren. In Fachkreisen ist das eine kleine Sensation. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift "Plos One".

Vor 126 Millionen Jahren, in der Kreidezeit, herrschten die Dinosaurier. Farne, Gingko und andere sogenannte Nacktsamer, zu denen auch die Nadelbäume zählen, dominierten die Pflanzenwelt. Blütenpflanzen waren allenfalls eine Randerscheinung.

Stabheuschrecken schon vor den Blüten

Mimese Taggecko

Auch bei Geckos ist Mimese ein beliebtes Konzept.

Die Annahme, dass Stabschrecken die Mimese erst mit der fortschreitenden Entwicklung der Blütenpflanzen anwendeten, muss nach diesen Forschungsergebnissen wenn nicht verworfen, so doch wenigstens relativiert werden. Die von Bradler untersuchten Fossilien imitierten nicht das Blatt einer Blütenpflanze, sondern eine mit dem Gingko verwandte Art.

"Phasmiden passen sich in ihrem Aussehen ihren Nahrungspflanzen an - und das sind heute vorwiegend Blütenpflanzen und waren damals vor allem Nacktsamer", erklärt der Biologe.

Erfolgreiches Konzept

Gerade Insekten entwickeln sich häufig gemeinsam mit der Pflanzenwelt, sie co-evolvieren. Dabei geht es nicht nur darum, sich vor Fressfeinden zu schützen, sondern auch Beutetiere in die Falle tappen zu lassen. So macht es zum Beispiel die Gottesanbeterin.

Um sich unsichtbar zu machen, kennt die Natur keine Grenzen. "Es gibt Raupen, die wie Vogelkot aussehen", sagt Bradler. Bei einem so erfolgreichen Konzept zur Tarnung wie der Mimese schließt der Biologe nicht aus, dass es sogar noch viel älter sein könnte als jetzt bewiesen.

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