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Kultur

"Ich mache schwarze klassische Musik"

Die "Hohepriesterin des Soul" ist tot. Nina Simone starb im Alter von 70 Jahren in ihrer Exilheimat Frankreich. Ihr "My Baby Just Cares For Me" dürfte jedem noch in den Ohren klingen.

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Sie war Diva, geniale Interpretin und politische Künstlerin zugleich

Die 1933 in North Carolina geborene Künstlerin hieß mit bürgerlichem Namen Eunice Waymon. Sie wuchs in einer armen Familie auf. Mit vier Jahren begann sie das Klavierspiel.

Später ging sie auf die berühmte Juilliard School of Music in New York mit dem Ziel, klassische Konzertpianistin zu werden. Als sie ihr Studium am renommierten Curtis Institute of Music in Philadelphia fortsetzen wollte, wurde sie abgewiesen - Simone zufolge aus rassistischen Gründen.

Um ihre Familie finanziell zu unterstützen, arbeitete sie
als Begleitmusikerin und trat als Sängerin in einer irischen Bar in Atlantic City auf. "Ich war gezwungen, ins Showbusiness zu gehen, um meinen Unterhalt zu verdienen. Ich war zum Singen gezwungen, um einen Job zu bekommen", sagte sie später. "Und ich bin immer noch wütend und verbittert deswegen."

Ihre ersten Lieder nahm Simone in den 1950er-Jahren auf, mit "I Loves You, Porgy" aus "Porgy and Bess" landete sie ihren ersten Hit und wurde von der Nachtclub-Sängerin zum Star. Mit 20 Jahren nannte sie sich in Nina Simone um - nach der von ihr verehrten französischen Schauspielerin Simone Signoret. Unter diesem Pseudonym wurde sie schließlich nicht nur als Sängerin, sondern auch als Pianistin, Arrangeurin und Komponistin bekannt.

Die Außenseiterin

Die Musikerin verließ die USA in den 1970er-Jahren, ermüdet von ständigen Streitereien mit Produzenten, Managern und Plattenfirmen. Sie lebte unter anderem in Barbados, Liberia, der Schweiz und Großbritannien, bevor sie sich vor acht Jahren in Caryy-le-Rouet bei Marseille niederließ.

Nina Simone am Klavier

Nina Simone bei einem Konzert in New York im Juni 2001

In ihrem vielseitigen Repertoire finden sich Elemente des Jazz, Gospel, Klassik, Folk, Blues, Afro und eigene Kompositionen. Ihre Version des Screamin'-Jay-Hawkins-Hits "I Put A Spell On You" ist ebenso zum Klassiker geworden wie "Don't Let Me Be Misunderstood".

"My Baby Just Cares For Me" erlebte dank einer Chanel-Werbung Ende der 1980er-Jahre ein Revival.

Diva mit bewegtem Privatleben

Zwei Ehen scheiterten, von einem ihrer Ehemänner, einem New Yorker Polizisten, wurde sie geschlagen. Ihr wurden zahlreiche Affären nachgesagt, und für ihre Launen und Extravaganzen war sie berüchtigt.

Es kam vor, dass Simone von der Bühne ging, weil das Publikum ihr nicht passte. 1995 wurde sie von einem Gericht in Aix-en-Provence zu acht Monaten Bewährung verurteilt, weil sie einen Jugendlichen mit einer Pistole verletzt hatte. Der Junge, der mit einem Kameraden auf dem Nachbargrundstück gespielt hatte, war Simone zu laut gewesen.

Simone war eine engagierte Vorkämpferin für die Rechte der
Schwarzen in den USA. In den 1960er-Jahren nahm sie in der
vordersten Reihe an zahlreichen Demonstrationen gegen Rassismus teil. Als Martin Luther King ermordet wurde, widmete Simone ihm das Lied "'Why, The King Of Love Is Dead".

Mehr noch als von den pazifistischen Thesen Kings war die Sängerin jedoch von radikalen Vertretern wie Malcolm X und dem Moslemführer Louis Farrakhan angezogen. 1998 trat Simone als Ehrengast beim 80. Geburtstag von Nelson Mandela auf.

"Für die meisten Weißen ist Jazz gleichbedeutend mit Schwarz, und Jazz bedeutet Schmutz, aber das ist nicht das, was ich mache", sagte sie in einem ihrer letzten Interviews. "Ich mache schwarze klassische Musik." (kas)

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