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Welt

"Ich habe mein Augenlicht verloren, aber nicht meine Visionen"

Der kenianische Athlet Henry Wanyoike verlor nach einem Schlaganfall sein Augenlicht. Trotzdem gewinnt er Medaillen und macht anderen Blinden mit seiner Geschichte Mut.

Als Henry Wanyoike in den 1980er Jahren mit dem Laufen begann, hat er sich noch nicht vorstellen können, eines Tages bei den Paralympischen Spielen anzutreten. Heute gilt der gelernte Schuster mit drei Weltrekorden als einer der besten sehbehinderten Marathonläufer der Welt.

Wanyoike wurde 1974 in den Kanjeru-Slums in Kikuyu geboren, einer ländlichen Gegend in Kenia. Im Mai 1995, zwei Jahre nachdem er seine Ausbildung an einer weiterführenden Schule beendet hatte, verlor Wanyoike überraschend sein Augenlicht. Ein leichter Schlaganfall hatte seine Sehnerven beschädigt.

Über Nacht blind

"Ich bin ganz normal ins Bett gegangen und als ich wieder aufwachte am nächsten Morgen war ich komplett im Dunkeln. Von dem Tag an bis heute, 17 Jahre später, habe ich die Welt nie wieder gesehen", erzählt Wanyoike.

Henry Wanyoike mit DW-Mikro (Foto: Alfred Kiti/DW)

Wanyoike zog es zurück zu den Laufschuhen

Nach einer Reihe von psychologischen Beratungen und Therapien an einem Missionskrankenhaus der Christoffel Blindenmission nahm Wanyoike schließlich an einem Rehabilitationsprogramm am Technischen Institut für Blinde in Machakos teil. Dort lernte er, wieder unabhängig zu sein und kehrte zur Leichtathletik zurück.

Er nahm an einem Olympic Day Run teil - ein Sportlauf zu Ehren des Gründungstages des Internationalen Olympischen Komitees. Dies ermöglichte ihm auch, sich für den nationalen Probelauf für die Paralympischen Spiele 2000 in Sydney zu qualifizieren, wo er dann eine Goldmedaille im 5.000-Meter-Lauf gewann.

Mit Medaillen überschüttet

Seitdem hat Wanyoike sowohl lokale als auch internationale Leichtathletik-Wettbewerbe und Marathons gewonnen - für behinderte als auch nichtbehinderte Sportler. Er wurde mit Medaillen und Auszeichnungen überschüttet.

Henry Wanyoike mit Joseph Kibunja (Foto: Alfred Kiti/DW)

Wanyoike beim Lauftraining

"Als ich mit dem Laufen begann, war es für viele Leute sehr schwierig zu verstehen, dass ein blinder Mann laufen kann. Nicht viele Menschen glaubten daran", sagt Wanyoike. "Manche behaupteten sogar, dass ich meine Blindheit nur vortäuschen würde, weil sie so etwas noch nie in Kenia gesehen hatten. Es war nicht leicht, ihnen zu erklären, dass auch behinderte Menschen viele Dinge tun können."

Zu zweit laufen

Joseph Kibunja, ein Freund aus Kindertagen, half Wanyoike dabei, seinen Traum von einem Spitzensportler zu erfüllen. Blinde Läufer haben einen sehenden Begleitläufer, mit dem sie gemeinsam die Strecke bewältigen.

"Ich kannte Wanyoike, seitdem ich zehn Jahre alt war. Als er aus Sydney zurückkam, wo er seine erste Goldmedaille gewann, fragte er mich, ob ich mich ihm anschließen wollte."

Wanyoike hat an verschiedenen Wohltätigkeitsveranstaltungen in Kenia teilgenommen. Er will damit besonders den Armen, Behinderten und Waisen helfen. Er unterstützt auch verschiedene Wohltätigkeitsprojekte im In- und Ausland und hat eine eigene Stiftung gegründet.

Ambitionen und Träume

Henry Wanyoike vor einem Plakat seiner Stiftung (Foto: Alfred Kiti/DW)

Mit seiner Stiftung will er anderen helfen

Obwohl Wanyoike sein Augenlicht verloren hat, sind seine Ambitionen und Träume lebendig geblieben. "Ich habe mein Augenlicht verloren, aber nicht meine Visionen. Ich danke Gott, dass ich alle meine Träume wahrmachen kann", sagt der Athlet.

Durch seine eigene Stiftung war es Wanyoike möglich, auch an viele Schulen zu reisen, um mit anderen Sehbehinderten zu sprechen. Er möchte andere Behinderte ermutigen, niemals aufzugeben. Zuhause, auf seinem Bauernhof, füttert Wanyoike seine Kühe und melkt sie auch selbst. Der Vater von vier Kindern möchte der Welt zeigen, dass eine Behinderung nicht bedeutet, man sei unfähig, bestimmte Dinge zu tun. "Auch behinderte Menschen sind in der Lage, ihre Talente zu nutzen", sagt Wanyoike.