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Kultur

"Ich habe geträumt"

Ailtons sechste Saison in der Bundesliga ist die glücklichste seiner Karriere. DW-WORLD sprach mit dem Deutschen Meister und voraussichtlichen Torschützenkönig über den Höhepunkt in seinem Leben als Fußballer.

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Ailton bejubelt die Meisterschaft

Der brasilianische Stürmer Ailton ist der Star der diesjährigen Meisterschaft, die nach den letzten beiden Spieltagen am 22. Mai zu Ende gehen wird. Der exzentrische Angreifer hat bis jetzt 27 Treffer bejubeln können - gut ein Drittel aller Tore, die der Meister Werder Bremen in der Saison erzielt hat.

DW-WORLD: Ailton, normalerweise wird die Deutsche Meisterschaft vom FC Bayern München dominiert. Was für ein Gefühl ist es ausgerechnet in München den deutschen Meistertitel zu holen?

Ailton: Das absolut größte. Ich bin zum ersten Mal Deutscher Meister, ein Titel, der unglaublich wichtig ist. Erst jetzt lerne ich den Geschmack einer Meisterschaft kennen und besonders auswärts in München gegen dieses große Team von Bayern ist es etwas ganz Außergewöhnliches. Es ist wirklich fantastisch und nur wer schon in den Genuss eines Titels gekommen ist, kennt dieses Gefühl.

Sie haben auf dem Feld geweint...

Das stimmt, es sind sehr viele Emotionen im Spiel. Das ist der erste wichtige Titel meiner Karriere und ich widme ihn meinem Bruder und meiner Mutter, die mich immer unterstützt und mir geholfen haben. In jenem Moment, auf dem Spielfeld nach dem Abpfiff, konnte ich alles rauslassen, sämtliche Gefühle und sie kamen in Form von Tränen, aber Glückstränen. Ich würde gerne immer auf diese Weise weinen können.

Sie werden die Saison als bester Torschütze Bremens aller Zeiten beenden, nachdem Sie Rudi Völler bereits vor zwei Spieltagen überholt haben und es dürfte auch schwierig sein, Ihnen die Krone des Torschützenkönigs der Liga noch streitig zu machen. Was bedeutet Ihnen dies alles?

Viel. Es ist ein weiterer Sieg für Ailton; 27 Tore sind eine hervorragende Ausbeute. Und einen Platz in der Geschichte Werder Bremens einzunehmen ist für mich eine riesige Genugtuung.

Werder Bremens brasilianischer Fussballspieler Ailton in Siegerpose

Hat dieser direkte Vergleich mit Rudi Völler für Sie einen besonderen Wert?

Mit großen Spielern verglichen zu werden ist immer von großem Wert.

Werder ist großer Favorit im Pokalfinale, auch weil Alemannia Aachen ein Zweitligist ist. Haben Sie es sich irgendwann träumen lassen, dass eine Saison so erfolgreich verlaufen kann, vielleicht sogar mit einem Double?

Ich habe geträumt, aber mit jedem weiteren Jahr wurde es schwieriger und unwahrscheinlicher. Gott hat meine Gebete erhört und uns Meister werden lassen, möglicherweise sogar Pokalsieger, mit allem Respekt vor Aachen.

Wie wurden Sie in der noch laufenden Saison zu solch einer Tormaschine?

Viel Bescheidenheit und Arbeit. Ein Stürmer muss immer das Ziel haben, Torschützenkönig zu werden und permanent dahinter her sein. Ich bin es immer gewesen, seitdem ich in Deutschland bin. Zweimal war ich schon kurz davor, und dieses Jahr liege ich vier Tore vor Makaay und diesen Vorsprung werde ich mir nicht mehr aus der Hand nehmen lassen.

Nach einer solchen Saison, wie fühlen Sie sich in Hinblick auf ihren Abschied von Werder Bremen, gerade an einem Höhepunkt des Klubs?

Ailton will nach Katar

Das passiert mit jedem Spieler irgendwann in seiner Laufbahn. Ich habe den Vertrag mit Schalke ziemlich früh abgeschlossen und dann nur noch nach vorne geblickt, aber ich verlasse Bremen mit viel Frohsinn, habe meine Marke als Meister und Torschützenkönig gesetzt. Es wird ein schöner Abschied sein und ich hoffe, dass der Verein so weitermacht.

Bereuen Sie es bei Schalke unterschrieben und Bremen, wo Sie sich so wohl fühlen, den Rücken zu kehren?

Nein, Bremen wird da bleiben, wo es ist und an freien Tagen kann ich meine Freunde besuchen. Es ist schwierig zu bereuen, was ich mache. Ich glaube fest an das Potenzial der Mannschaft von Schalke in der kommenden Saison und ich glaube, wir können dorthin kommen, wo Werder jetzt ist.

Sie sind kein Nationalspieler, werden aber für das brasilianische Nationalteam ins Gespräch gebracht. Ist es eine rein berufliche oder eher identifikatorische Frage, für ein Land zu spielen?

In der brasilianischen Nationalmannschaft zu spielen bedeutet viel mehr als nur für ein Team zu spielen. Hinter einem steht das ganze Land. Bekannt zu werden und ein Land für sich zu begeistern ist eine fantastische Angelegenheit. Das ist etwas völlig anderes, als ein Riesenspieler für eine Stadt zu sein.

Gab es irgendeinen Kontakt? Haben Sie noch Hoffnung?

Ich habe nur Hoffnung, Kontakt gab es bisher noch gar nicht. Ich hoffe, dass der Trainer Zeit hat, das ganze zu bedenken und über das, was mit Ailton in der Bundesliga passiert ist zu reflektieren.

Haben Sie ihrerseits schon versucht in Kontakt zu treten?

Ich bin nicht dieser Spielertyp. Man muss auf dem Feld auf sich aufmerksam machen. Ohne zu fordern, auf Kontakt zu drängen oder um einen Anruf zu betteln. Ich bleibe an meinem Platz und werde meine Tore machen. Ich glaube, dass heute nicht nur Brasilien sondern die Welt weiß, wer Ailton ist und was er in der Bundesliga macht. Das ist genau das richtige, um den Trainer auf sich aufmerksam zu machen.

Schließen wir das Interview mit einer Reihe von schnellen Fragen. Wer ist der beste Stürmer der Bundesliga?

Aílton

Gegen welchen Torwart ist es am schwierigsten zu treffen?

Eigentlich Oliver Kahn. Aber jetzt bin ich mir nicht mehr sicher…

Wer sind die besten Verteidiger?

In dieser Saison waren es meine Mannschaftskameraden Ismaël und Kristajic.

Und wie sehen Sie die deutschen Chancen bei der Europameisterschaft?

Ich schätze sie als sehr gering ein.

Überstehen sie die Gruppenphase?

Kann sein, aber sie kommen nicht weit. Ans Halbfinale glaube ich zum Beispiel nicht.

Was ist das Problem der deutschen Nationalmannschaft?

Es gibt viele. Die Mannschaft hatte im letzten Spiel keine Abwehr, kein Mittelfeld, keinen Angriff. Sie müssen sich in sämtlichen Belangen verbessern.

Oliver Kahn hat vor ein paar Monaten mal erklärt, dass er die brasilianischen Spieler beneide, weil sie sich um das Nationaltrikot tragen zu können zerreißen würden. Die deutschen Spieler seien indifferenter der Nationalmannschaft gegenüber, nähmen sie nicht ernst genug. Glauben Sie, das ist das Problem des deutschen Teams?

Ja, ich glaube er hat Recht.

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