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Amerika

"Ich habe gedacht, wir schaffen das nicht"

In der Außenmauer des Pentagon erinnert ein Gedenkstein an das Attentat vom 11. September 2001, das Gebäude ist komplett wieder hergestellt. Doch bei den Betroffenen verheilen die tiefen Wunden von damals nur mühsam.

Bänke am Pentagon (Foto: DW)

184 Bänke, eine für jedes der Opfer des Anschlags vom 11. September

Als Elaine Donovan an jenem Morgen versuchte, ihren Mann William telefonisch zu erreichen, war die Leitung tot. "Ich hatte sofort ein ganz schlechtes Gefühl", erzählt die brünette Frau, "Das ist gar nicht gut, dachte ich." Seit einem Jahr arbeitete der damals 37-jährige Marine-Pilot an einem Schreibtisch im Pentagon. Sein Büro lag dort, wo die Boeing 757 in das Gebäude krachte und in Flammen aufging. Eine Woche verging, ehe Elaine Donovan Gewissheit hatte: Bill hatte den Anschlag nicht überlebt. Die Zeit der Ungewissheit war zermürbend, erinnert sie sich: "Solange man es nicht genau weiß, hofft man immer noch."

Am 11. September griffen die Terroristen nicht nur das World Trade Center in New York an. Ein weiteres Ziel war das Pentagon in Arlington, Virginia – jener achteckige Bau, der das US-Verteidigungsministerium beherbergt, direkt an der Stadtgrenze der Hauptstadt Washington. Um 9. 37 Uhr krachte der Flug American Airlines 77 in die Westseite des Gebäudes. Keiner der Menschen an Bord überlebte, und auch im Gebäude selbst gab es viele Opfer. Insgesamt starben 184 Menschen. Commander William Donovan war einer von ihnen.

Planen des Denkmals gibt Hinterbliebenen Kraft

Elaine Donovan (Foto: DW)

Elaine Donovan muss nach dem Tod ihres Mannes ihre drei Kinder allein aufziehen

Der 11. September 2001 hat das Leben von Elaine Donovan grundlegend verändert. Sie sieht müde aus, abgekämpft. Ein Jahr lang hatte sie nicht die Kraft, den Ort aufzusuchen, an dem der Vater ihrer drei Kinder ums Leben gekommen war. Sie habe keinen Sinn darin gesehen, sagt sie. Etwas anderes aber hat sie gestärkt: Bereits zwei Monate nach dem Attentat traf sie sich mit anderen Hinterbliebenen. Sie hatten ein gemeinsames Ziel: ein Denkmal sollte errichtet werden. Trotzdem war es hart: "Bei diesen ersten Treffen sind wir weinend reingegangen und weinend wieder rausgegangen."

Und doch gab das Projekt ihr etwas, worauf sie sich konzentrieren konnte. Sie ist stolz auf das Denkmal, das auf der Seite steht, wo das Flugzeug in das Pentagon einschlug. Es besteht aus 184 sich aus dem Boden emporschwingenden Bänken, unter denen Wasser fließt. Eine Bank für jedes Opfer, angeordnet nach dem Jahr der Geburt, der Name an der einen oder anderen Seite der Sitzfläche eingraviert. Jedes Detail hat eine Bedeutung, erklärt Elaine Donovan: "Wenn man den Namen lesen kann und das Pentagon sieht, dann ist die Person im Pentagon ums Leben gekommen, wenn man den Namen sieht und gleichzeitig den Himmel, dann waren sie im Flugzeug."

Die Erinnerung bleibt lebendig

Eingeweiht wurde das Denkmal am 11. September 2008. Obwohl sie mit an seiner Verwirklichung gearbeitet hat, kommt Elaine Donovan nur selten hierher. Sie denke auch so jeden Tag an den Tod ihres Mannes, hatte ihren Kindern, die damals acht, zehn und elf Jahre alt waren, sogar viele Jahre verboten, Nachrichten zu sehen. Zu schmerzhaft seien die Fotos der Anschläge, sagt die Witwe, selbst jetzt fällt es ihr schwer, darüber zu sprechen. Doch es geht ihr gut, ergänzt sie: "Ich habe mich nicht unterkriegen lassen, und meine Kinder auch nicht." Das habe sie nicht unbedingt erwartet: "Es gab Zeiten, da habe ich gedacht, wir schaffen es nicht." Und leise ergänzt sie: "Aber wir kommen klar."

Lieutenant Michael Regan hat die Opfer des Anschlags auf das Pentagon gefunden. Er war am 11. September 2001 Mitglied der Sondereinsatztruppe des Bundesstaates Virginia. Er und seine Kollegen bilden ein Such- und Rettungsteam, das schon in der Türkei und Taiwan, auf den Philippinen und Haiti und erst vor kurzem bei dem Erdbeben in Japan im Einsatz war. Ihre Aufgabe: Überlebende finden und bergen. Drei Stunden nachdem die Boeing in das Pentagon gerast war, erreichten sie mit ihrem schweren Gerät den Ort der Katastrophe und drangen in das brennende Gebäude ein.

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