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Buchpreis

"Ich habe es noch gar nicht richtig begriffen - und das ist gut so"

Mit gelb - schwarzer Winzermütze als Hommage an seine Heimatstadt Dresden nahm Uwe Tellkamp den Buchpreis für den DDR - Roman "Der Turm" entgegen. Gabriela Schaaf im Interview mit dem noch ungläubigen Autor.

Uwe Tellkamp (Foto: dpa)

Gewinner des Deutschen Buchpreises 2008

DW: Erinnern Sie sich an den Moment als Ihnen der Preis verliehen worden ist? Was ging da in Ihnen vor?

Uwe Tellkamp: Nein, ehrlich gesagt ging in jenem Moment gar nichts in mir vor, das fängt jetzt erst an in mir vorzugehen, was da passiert ist.

Und was geht da gerade vor?

Die Überwältigung, durch Ansprüche, durch Freude, vor Allem durch Freude von meiner Familie, ich hab das noch gar nicht richtig begriffen und das ist vielleicht gut so.

D resden ist ja auch der Schauplatz Ihres Romas, Dresden in den letzten sieben Jahren bis zum Exitus, und das Milieu, diese Familien dessen Geschichten Sie erzählen, ist eins was in der DDR schon als ausgestorben galt, das Bildungsbürgertum. Was hat Sie gereizt, ausgerechnet dieses Milieu zu beschreiben?

Zum einen die Herkunft, das ist die Schicht aus der ich selber komme, die ich auch ganz gut kenne, oder zu kennen glaube, vom Aufwachsen her, von Innen her. Zum zweiten, ausgestorben war sie nicht in der DDR, das wusste man schon das es die gibt, die gabs übrigens nicht nur in Dresden, die gab's auch in Leipzig und Berlin, dort ein bisschen "bohémehafter" aber es existierte schon.

Die Zeit in denen Ihr Buch spielt, Mitte der 1980er Jahre bis Ende der 1980er Jahre, Sie waren da selbst noch ein Jugendlicher. Das heißt Sie mussten auch ein bisschen recherchieren, wie haben Sie das gemacht? .

Ich habe in der Tat ein bisschen recherchieren müssen, wobei das recherchieren ein Anspruch an mich selber war, einfach alles nachzuprüfen, ich konnte mich an sehr vieles erinnern, viele fragen mich wie konnten Sie das wissen, Sie waren damals 21 Jahre, als das zusammenbrach, aber vieles ist beim Shreiben wiedergekommen, interessanterweise, aber ich habe aus schierer Angst vor den Dresdnern, die keinen Fehler verzeihen nochmals nachrecherchiert. Ich habe aber auch vieles nach der DDR, als ich in Leipzig angefangen habe zu studieren, mitbekommen, zum Beispiel im Literaturzirkel, da war ich beim einem jungen Mann der aus dieser Welt stammte und der mir viel erzählt hat und mich auch damals eingeführt hat in diese Welt.

Kommen wir jetzt zum autobiographischen Teil des Romans, Ihre Hauptfigur Christian ist zum Ende des Romans zur Zeit der Wende in der NVA, Sie waren auch Panzerkommandant zu der Zeit und sollten jetzt auf die Demonstranten losgehen, von denen Sie wussten, das darunter auch Ihr Bruder war. Was ist in Ihnen vorgegangen, Sie haben den Befehl verweigert?

Ich habe dann vermutet das mein Bruder dabei ist weil ich ihn kenne, aber wir hatten keine Informationen von Aussen. Und ich habe dort gesessen und mich gefragt was passieren wird wenn wir jetzt ausrücken müssen, denn die Anzeichen sprachen dafür. Und ich hab mir dann gesagt: das mache ich nicht – und dafür bin ich dann kurz ins Gefängnis gegangen, wobei dieser Aufenthalt nicht so tragisch gewesen ist, im Nachhinein ist es mir relativ gut ergangen ich hatte Ruhe, ich war der Entscheidung enthoben und außerdem konnte ich lesen.

Woran arbeiten Sie jetzt nach diesen tausend Seiten?

Das nächste Buch ist schon fertig, ein leichtes, lichtes. Eine luftige Sammlung von Portraits über eine fiktive Stadt .Und woran ich jetzt arbeite ist hoffentlich ein genauso leichtes und lichtes Buch, ein bittersüßes Buch, das heißt der Zitronenrabe und beobachtet mich und meine Familie und meinen 20 Monate alten Jungen, ich versuche es ohne Kitsch hinzukriegen. Aber das ist das vielleicht letzte universelle Thema was es gibt, wenn zwei Menschen Vater und Mutter werden, was man von Pakistan über Paraguay bis zur BRD versteht, so viele universelle Themen gibt es ja leider nicht mehr.

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