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Europa

"Ich fühle mich als Europäerin"

Seit Januar 2007 ist Bulgarien in der EU und entsendet eigene Abgeordnete ins EU-Parlament. Die 38-jährige Christdemokratin Rumiana Jeleva ist eine von ihnen. Wir haben sie einen Tag lang bei ihrer Arbeit begleitet.

EU Parlament in Brüssel, außen

Der neue Arbeitsplatz von Rumiana Jeleva: das EU-Parlament in Brüssel

Es ist kurz vor 9 Uhr morgens in Brüssel. Rumiana Jeleva läuft mit großen Schritten über die Flure des gläsernen EU-Parlamentsgebäudes. Sie ist auf dem Weg zur Sitzung ihrer Partei EVP-ED, der europäischen Christdemokraten.

"Hier finden die Sitzungen der Fraktion statt. Direkt hier, wo der Eingang ist, dort ist mein Platz", erzählt sie und zeigt darauf. "Hier steht auch mein Name. Das ist prima. Am Anfang war es hier schwierig alles zu finden, aber jetzt weiß ich genau, wo was ist."

18 bulgarische Parlamentarier

Vor sieben Monaten wurde Jeleva von ihren Landsleuten ins Europaparlament gewählt, kurz nachdem Bulgarien der EU beigetreten ist. Im Sommer zog sie mit ihren 17 Kollegen nach Brüssel. Die Abgeordneten der anderen Länder waren zu dem Zeitpunkt schon seit mehr als zwei Jahren im Amt. "Das Schwierige an der Delegation aus Bulgarien ist, dass wir als Abgeordnete aus Bulgarien mitten in der Legislaturperiode ins Europäische Parlament gekommen sind", erzählt sie. Sie mussten sich schnell an das Alltagsgeschäft und das Geschehen im Parlament anpassen, während ihre Kollegen sich schon längst zurechtgefunden hatten. Das sei eine große Herausforderung gewesen.

10.30 Uhr: Jeleva nimmt den Aufzug in die fünfte Etage. Im Bereich E liegt ihr Büro: Zimmer 254. Auf der Türschwelle spricht sie kurz mit ihren Assistenten. Dann setzt sie sich an ihren Schreibtisch und geht die anstehenden Termine durch. "Das hier ist der Kalender", sagt sie und fügt mit einem Blick darauf gleich hinzu: "Oh, oh, das sieht nicht so gut aus." In einer halben Stunde tagt der Ausschuss für Regionalentwicklung. Anschließend trifft sich die EU-Delegation, die für die Beziehungen zum Iran zuständig ist. Jeleva ist bei beiden Treffen dabei, und sie nimmt ihre Aufgabe in den Gremien sehr ernst.

Respekt erarbeiten

Als Neuling zwischen den anderen routinierten Abgeordneten muss sie sich erst noch behaupten. Sie meint aber, die anderen Mitglieder des EP hätten sie und ihre Kollegen sehr gut angenommen, mit Respekt und in freundschaftlicher Atmosphäre.

13 Uhr, in der Kantine: Jeleva nutzt ihre Mittagspause zu einem kurzen Gespräch mit anderen bulgarischen Parlamentariern. Gemeinsam, also fraktionsübergreifend, haben sie in den letzten Wochen schon eine kleine bulgarische Erfolgsgeschichte geschrieben: Sie haben in der EU durchsetzen können, dass die Euro-Geldscheine von nun an auch in kyrillischen Buchstaben gedruckt werden. "Die Europäische Zentralbank bestritt, dass wir das Recht darauf haben. Und das war, würde ich sagen, ein kurzer Kampf. Aber das war schon wichtig, dass uns dieses Recht anerkannt wird."

Um 14 Uhr ist Jeleva zurück im Büro. Für nächste Woche haben bulgarische Bürgermeister ihren Besuch im Parlament angekündigt. Mit ihren Assistenten muss sie dafür noch das Programm zusammenstellen. Außerdem warten 150 E-Mails in ihrem Posteingang. "Viel zu tun, das ist wirklich erschöpfend. Also das sage ich ohne Übertreibung, das ist wirklich erschöpfend."

"Ein schöner Platz zum Leben"

17 Uhr. Jeleva schaut auf ihre Uhr. In drei Stunden geht ihr Flieger nach Bulgarien. Das Wochenende verbringt sie dort bei ihrer Familie. Ein hektisches Leben zwischen zwei Welten. Doch für die Bulgarin ist das nichts Neues. Sie hat in Deutschland Soziologie studiert und gearbeitet. "Ein Mensch kann nicht entscheiden, wo er geboren wird. Aber er kann entscheiden, wo er leben, wo er arbeiten kann", sagt sie. "Und ich glaube wirklich, dass Europa ein schöner Platz zum Wohnen und zum Arbeiten geworden ist, und ich glaube an Europa. Und ich fühle mich wirklich immer als Europäerin. Als Bulgarin fühle ich mich als Europäerin."

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