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Klimawandel

"Ich bitte RWE, Verantwortung zu übernehmen"

In Essen klagt ein Bauer aus Peru gegen RWE. Er fordert, dass der Konzern für Klimaschäden in seinem Heimatdorf aufkommt. RWE lehnt dies ab. "Da ist etwas nicht in Ordnung", sagt Saúl Luciano Lliuya im DW-Interview.

Saúl Luciano Lliuya ist Kleinbauer und Bergführer und wohnt in der Andenstadt Huaraz im Westen von Peru. Der Vater von drei Kindern klagt vor dem Landgericht Essen gegen RWE, weil das Leben von ihm und rund 50.000 Menschen von der Gletscherschmelze bedroht ist. Verantwortlich für die Gletscherschmelze ist auch nach Ansicht des Weltklimarates IPCC der Klimawandel, der auch im Zusammenhang mit dem massiven CO2-Ausstoß von Kohlekraftwerken steht.

Deutsche Welle: Herr Luciano Lliuya, warum ist das Schmelzen der Gletscher für Sie, für mehrere zehntausend Menschen in  Huarez so gefährlich?

Das Schmelzen der Gletscher wird vom Klimawandel verursacht, von der globalen Erderwärmung. Durch die Gletscherschmelze steigt das Niveau der Gletscherseen und es gibt auch neue Gletscherseen. Und diese steigenden Wassermengen sind ein Risiko für die Menschen unterhalb der Seen. 

Was können Sie gegen die Gefahren tun?

Die Gefahr ist da. Unsere Regierung versucht zu helfen, aber das reicht nicht. Also müssen wir nach weiteren Möglichkeiten suchen, um die Bergseen zu stabilisieren und uns zu schützen.

Peru Gebirgssee oberhalb der Stadt Huaraz EINSCHRÄNKUNG (privat)

Der Gebirgssee oberhalb der Stadt Huarez: Durch Gletscherschmelze und Gletscherrutsch droht eine Flutkatastrophe

Verantwortlich für den Klimawandel, für den Ausstoß von CO2, sind vor allem die Industrieländer und Unternehmen wie RWE. Übernehmen die Verursacher bereits eine Verantwortung?

Die Industrieländer beziehungsweise die Unternehmen haben die Atomsphäre sehr stark verschmutzt. Aber sie wollen nicht verantwortlich für die Verschmutzung sein. Und Länder wie Peru, die nicht verantwortlich für diese Verschmutzung sind, wir müssen mit den Konsequenzen leben und leiden darunter.

Macht Sie das wütend?

Es gibt das klare Gefühl von Empörung, dass etwas nicht in Ordnung ist. Es ist ein Gefühl von Traurigkeit über die Entwicklung der Anden. Nach und nach verlieren wir die ganze Natur und das macht auch wütend. 

RWE ist der größte Luftverschmutzer in Europa. Sie wollen, dass RWE Verantwortung übernimmt und fordern das jetzt vor Gericht ein. Wie war für Sie der erste Verhandlungstag?

Ich habe die Argumente in der Verhandlung sehr aufmerksam verfolgt. Ich hoffe, dass der Prozess erfolgreich sein wird. 

Deutschland Klage gegen RWE - peruanischer Bauer Saúl Luciano Lliuya - PROTEST (picture-alliance/dpa/R. Weihrauch)

"RWE soll für Klimaschäden bezahlen": Unterstützung vor dem Essener Gericht für Saúl Luciano Lliuya

Der Energiekonzern weist Ihre Ansprüche zurück, sieht sich nicht in der Verantwortung und will sich nicht an den Kosten für notwendige Schutzmaßnahmen beteiligen. Wie bewerten Sie dieses Verhalten?

Der Kampf um die Anerkennung dieser Ansprüche hat begonnen und er wird auch fortgesetzt werden. Die Effekte des Klimawandels gibt es an vielen Orten in der Welt, nicht nur in Peru. Und ich glaube in den nächsten Jahren wird es weitere Verfahren geben. 

Wie sollten die Unternehmen damit umgehen, wie sollten sie handeln? 

Wir leben alle in einer Welt und sie gehört uns allen. Den Unternehmern, den Leuten, die dort arbeiten, uns, die darunter leiden. Wir sind alle Menschen und die Erde ist unser Haus. Und weil wir alle intelligent sind, müssen wir geeignete Maßnahmen ergreifen, um die Erde nicht mehr zu verschmutzen. Und hier gibt es ja viele Möglichkeiten, Verfahren und Lösungen.      

Was erwarten Sie ganz konkret von RWE?

Ich bitte darum, dass RWE sich verantwortlich zeigt für seine Schäden, für seine Umweltschäden. Und zu diesen Schäden gehören die Folgen der Gletscherschmelze. Und ich denke, dass Unternehmen wie RWE langfristig ein Bewusstsein entwickeln müssen und diese zerstörerische Produktion stoppen. 

Deutschland Klage gegen RWE - peruanischer Bauer Saúl Luciano Lliuya (picture-alliance/dpa/R. Weihrauch)

Medienpulk vor dem Gerichtstermin: Die Aufmerksamkeit für das Anliegen ist groß

Haben Sie die Hoffnung, dass die Unternehmen sich für solche Veränderungen entscheiden?

Klar. Wir alle haben die Hoffnung, dass es Veränderungen gibt, dass die Erde sich nicht erwärmt und dass nicht das Schlimmste passiert.     

Und welche Hoffnungen verknüpfen Sie mit dem Prozess?

Ich hoffe, dass das Gericht uns recht gibt und positiv entscheidet. Und wenn es nicht positiv entscheidet, dann werden wir weiter machen, und es wird irgendwann einen anderen geben, der das Recht einfordert. Es geht um Gerechtigkeit und diese Forderung kommt von vielen. 

Das Interview führte Gero Rueter

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