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Bücher

"Ich bin noch da - und zwar heftig!"

Mit ihrem Anti-Atomkraftroman "Die Wolke" wurde Gudrun Pausewang international bekannt. Am 13. November wird die 81jährige von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Die Schriftstellerin Gudrun Pausewang (Foto: dpa)

Schon auf den Steintreppen hoch zu ihrem Haus im terrassenartig angelegten Garten im hessischen Fachwerkstädtchen Schlitz ist zu spüren: Gudrun Pausewang liebt es unangepasst, bescheiden und natürlich. Blumen und Sträucher dürfen hier wachsen wie sie wollen. Und aus den Früchten ihrer alten Obstbäume kocht sie für ihre Familie Marmelade.

Buchcover Gudrun Pausewang Die Wolke
"Ich bin noch da - und zwar heftig!" hatte Gudrun Pausewang mit siebzig Jahren gesagt. Daran hat sich nichts geändert, vor allem, was die politische Haltung der inzwischen über 80jährigen zu unserer Gesellschaft anbelangt.

Nichts wünscht sie sich mehr, als eine kommende neue Generation, die sich entschiedener als die Studentenbewegung Ende der sechziger Jahre politisch artikuliert und gegen Krieg, gegen Imperialismus, gegen Ausbeutung auf die Straße zieht.

Kultautorin der Anti-Atomkraft-Bewegung

Ihr Buch Die Wolke, 1987, ein Jahr nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl erschienen, machte Gudrun Pausewang zur Kultautorin der Anti-Atomkraft-Bewegung, das Buch verkaufte sich millionenfach, wurde in dreizehn Sprachen übersetzt. Die Geschichte der Wolke erzählt die Folgen eines fiktiven Störanfalls in einem Kernkraftwerk bei Frankfurt aus der Jugendperspektive, 2006 wurde Die Wolke verfilmt. Nach wie vor ist das Thema aktuell, auch wenn die Debatten um Atomkraftwerke deutlich leiser geworden sind.

Gudrun Pausewang mit Regisseur Gregor Schnitzler und dem Filmteam bei der Premiere ihres Films Die Wolke (2006)

Gudrun Pausewang mit dem Filmteam bei der Premiere ihres Films "Die Wolke" (2006)


Deutsche Lehrerin in Lateinamerika

Gudrun Pausewang, Jahrang 1928, wuchs im böhmischen Wichstadtl auf, ihren Vater hatte sie im Krieg verloren, mit ihrer Mutter und ihren fünf Geschwistern flüchtete sie 1945 nach Westdeutschland, nach Wiesbaden. Dort besuchte sie das Gymnasium, machte sie 1947 Abitur, anschließend wurde sie Lehrerin. Als eine der ersten Auslandslehrerinnen ging sie 1956 nach Chile, um an einer deutschen Schule zu unterrichten. Ihr Interesse an Südamerika wurde schon geweckt, als sie selbst noch zur Schule ging, und zwar von einer Geschichtslehrerin, die über die Hintergründevon Armut und Elend aufgeklärt hat. Gudrun Pausewang begann, Berge von Büchern über Südamerika zu verschlingen. "Ich träumte davon, später nach Südamerika zu kommen!"

Buchcover Gudrun Pausewang Das Tor zum Garten der Zambranos

Engagement für Lateinamerika

Regelmäßig wird Gudrun Pausewang zu Lesungen eingeladen. Kaum allerdings zu ihren Romanen, in denen sie ihre Erfahrungen aus Chile, Bolivien, Venezuela, Kolumbien einfließen ließ. Als Zeitzeugin der Hitlerjahre ist sie gefragt, Titel wie Rosinkawiese (1979), jenem Roman über ihre Heimat, ihre Flucht, oder Reise im August (1982), ein Buch über 26 Stunden im Güterzug nach Auschwitz - daraus liest Gudrun Pausewang, am liebsten in Schulen. Auf die Frage, welche natürliche Gabe sie gern besitzen würde, antwortete sie einmal: "Ich möchte fliegen können". Ihre Phantasie hat Flügel. Auch ihr Ehrgeiz. Mit über siebzig Jahren promovierte sie noch - vermutlich als einzige Frau in Deutschland.

Autorin: Kristine von Soden

Redaktion: Gabriela Schaaf