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Deutschland verstehen

"Ich bin mit dem Käfer groß geworden"

Hexen im Harz und Kühe hinterm Deich? Niedersachsen ist weit mehr als das. Zum Beispiel ist es das Auto-Herz Deutschlands: Mehr als 50 Millionen Volkswagen sind hier schon vom Band gelaufen.

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"Schrauben ist für mich Ausgleich zur Arbeit", sagt Michael Petzold aus dem niedersächsischen Wolfsburg, wo die Weltzentrale des Volkswagen Konzerns angesiedelt ist. Der gelernte Werkzeugmacher arbeitet schon 25 Jahre im Werk. Sein Vater war schon hier und auch sein Opa hat bei VW sein Geld verdient. "Ich bin mit dem Käfer groß geworden", erzählt der 42-Jährige. "Meine Eltern hatten schon einen uralten Brezelkäfer, da ist man da so reingewachsen." Als Brezelkäfer bezeichnen Kenner den Käfer-Typ, dessen Rückfenster noch wie eine Brezel geteilt war.

Käfer für alle

Produktionsstrecke im Wolfsburger VW-Werk

Produktionsstrecke im Wolfsburger VW-Werk

Alle zwei Wochen trifft sich Petzold mit anderen Käfer-Enthusiasten, um zu schrauben, Ersatzteile zu tauschen oder Probefahrten zu machen. "Da kommen Busfahrer, Zahnärzte, Abteilungsleiter, Produktionsarbeiter, es ist völlig egal, was man tut. Wir haben Leute dabei, die arbeiten im Krankenhaus oder sind Studenten, man hat einfach die Gemeinsamkeit, dieses Auto zu fahren." Vor mehr als 20 Jahren haben sie den "1. Käferclub Wolfsburg" gegründet.

Mittlerweile gibt es mehr als 100 solcher Vereine überall in Deutschland. Zwischen dem 20. und 22. Juni veranstaltet der Club in Wolfsburg sogar ein Internationales Käfertreffen. 1938, vor genau 70 Jahren, hatte Ferdinand Porsche den ersten Volkswagen gebaut, den die Nationalsozialisten gleich als "Kraft durch Freude-Wagen" vereinnahmten.

Ein türkisfarbenes Cabrio

1983 hatte sich Michael Petzold selbst ein altes türkisfarbenes Käfer-Cabrio gekauft und komplett überholt: das neue Chassis aus dem Irak, die Innenausstattung mit Leder, der Motor aufgemotzt, breitere Reifen und neue Felgen. "Das Schöne ist, dass man alles selber machen kann, ich habe alle Teile da", freut sich der Familienvater.

Geburt im Käfer?

Michael Petzold mit seinem Cabrio

Michael Petzold mit seinem Cabrio

Verkaufen würden sie das gute Stück nicht mehr, sagt seine Frau Meybritt, da müsste es schon ganz hart kommen. Als sie schwanger war, hätten ihre Freunde sie gewarnt, bloß nicht Cabrio zu fahren: "Denk an die ganzen Huckel." Doch das habe sie nicht gestört. Heute ist ihre Tochter Rachel 15 Jahre alt und die Mutter denkt noch gerne an die alten Zeiten zurück. Volkswagen of America habe in den sechziger Jahren sogar Aktienpakete an diejenigen Familien verschenkt, die ihre Babies in einem Käfer zur Welt gebracht hätten, lacht Maybritt Petzold. "Die waren noch etwas verrückter."

Das Käfer-Cabrio der Petzolds, das mittlerweile 33 Jahre alt ist, gilt als historisch wertvoll. Eine Besonderheit, die Käferfahrer pflegen, ist, dass man sich untereinander grüßt, auch wenn man sich gar nicht kennt. "Das ist für uns ein tolles Gefühl", finden die Petzolds.

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