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Kultur

"Ich bin kein Romantiker" - der Pianist Wilhelm Kempff

Der Nachlass eines der berühmtesten deutschen Pianisten ist in der Berliner Akademie der Künste zu sehen. Mit der Sonderausstellung wird das Kempff-Archiv eröffnet.

Der deutsche Pianist und Komponist Wilhelm Kempff, aufgenommen im Oktober 1980. Foto dpa

Der deutsche Pianist und Komponist Wilhelm Kempff, aufgenommen im Oktober 1980.

Wilhelm Kempff wurde 1859 in Jüterbog in der Nähe von Berlin geboren. Er kam bereits als Kind nach Potsdam, wo er aufwuchs und mehr als vier Jahrzehnte lebte. An der Berliner Musikhochschule studierte er Komposition und Klavier und begann schon sehr früh zu konzertieren und Schallplatten einzuspielen. Schon 1924 wurde er Direktor der Musikhochschule Stuttgart und wurde 1932 in die damalige Preußische Akademie der Künste gewählt.

Ein "deutscher" Musiker

Ludwig van Beethoven-Partitur Foto AP, Franka Bruns

Ludwig van Beethoven-Partitur

Kempff war ein durch und durch "deutscher" Musiker. Wie kaum ein anderer Pianist beschränkte er sich im internationalen Musikleben auf das „deutsche“ Repertoire der klassisch-romantischen Klaviermusik und machte es auf den Podien der internationalen Musikwelt populär. Kempffs öffentliche Stellung in Deutschland im Dritten Reich war nicht unproblematisch. Er schwankte zwischen innerer Emigration und passivem Mitläufertum.

Weltweite Bewunderung

Klaviertasten ,Foto BilderBox Erwin Wodicka

Klaviertasten

Sein internationaler Erfolg blieb auch nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches 1945 ungebrochen. Besonders in Japan und Frankreich feierte er Triumphe. Seine Beethoven-Interpretationen setzten Maßstäbe. Ab 1957 pilgerten junge Pianisten aus aller Welt in das italienische Positano: Hier, in seiner Wahlheimat, gab der Star-Pianist kostenlose Beethoven-Interpretationskurse für ausgewählte Meisterschüler.

Umfangreicher Nachlass

In den Abendstunden brennen die Lichter im Neubau der Berliner Akademie der Künste Foto Steffen Kugler,dpa

In den Abendstunden brennen die Lichter im Neubau der Berliner Akademie der Künste

Im Musikarchiv der Akademie der Künste haben seit Jahren rund 85 Mitarbeiter den Nachlass von Wilhelm Kempff zusammen getragen und chronologisch geordnet: Exponate, die fast hundert Jahre deutscher Geschichte dokumentieren. Auf ausführlich kommentierten Schautafeln mit exquisitem Fotomaterial und in Vitrinen präsentieren sich Notenautographe von Kempffs Kompositionen: Bühnenwerke, Orchester- und Kammermusik, Lieder und Klaviermusik. Und wer sich mehr für die Persönlichkeit des Pianisten interessiert, kommt auch auf seine Kosten. Briefe, biografische Unterlagen, Rezensionen, die Kempff gesammelt hat und originale Programmhefte dokumentieren das Leben hinter dem Konzertvorhang.

Multimediale Präsentation

Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte Foto dpa

Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte

Hinter dem historischen Gemäuer des Kutschstalls am Neuen Markt in Potsdam geht es alles andere als museal zu. Hier laden Hörstationen und Videoinstallationen dazu ein, Kempffs Klavierspiel zu lauschen und seine Persönlichkeit filmisch zu erleben. Ein großer, schöner und aufschlussreicher Katalog dokumentiert das alles. Mit dieser Ausstellung hat die Berliner Akademie der Künste gleichzeitig die Eröffnung des Kempff-Archivs bekannt gegeben.

Audio und Video zum Thema