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Ostmitteleuropa

"Ich bin kein Prager"

– Die Bewohner der tschechischen Hauptstadt sind bei der restlichen Bevölkerung des Landes nicht gerade beliebt

Prag, 15.4.2002, RADIO PRAG, deutsch

Dass die Prager unter den übrigen Tschechen nicht gerade beliebt sind, ist eine alte Wahrheit, an der sich auch heutzutage nichts zu ändern scheint. Eine Reihe von Gründen haben die Tschechen, um die Prager als Dorn im Auge zu betrachten. Als der meistgenannte Grund der wenig freundlichen Beziehungen wird die Arroganz der Prager zu den weiteren böhmischen, mährischen und schlesischen Städten und Gemeinden genannt.

Ein weiteres Motiv hierfür sind das höhere Lebensniveau und Gehalt sowie die besseren Berufschancen in der Hauptstadt. Wenn es allerdings ums Geld geht, vergessen die Tschechen in den anderen Regionen, dass auch wenn das Durchschnittsgehalt in Prag im Vergleich zu republikweiten Angaben um 30 Prozent höher ist, der durchschnittliche Preis einer Wohnung in Prag um das Dreifache höher ist als in anderen Städten der Tschechischen Republik - wenn nicht mehr, um nur ein Beispiel für die höheren Lebenshaltungskosten in Prag zu nennen.

Ein Grund für die Unterschiede ist die hohe Konzentration von Banken und ausländischen Firmen in Prag. Durch viele Arbeitsmöglichkeiten ist auch die sehr niedrige Arbeitslosenrate bedingt, die im vergangenen Monat in Prag bei 3,5 Prozent lag. In Brno/Brünn waren es schon neun Prozent und in der nordmährischen Stadt Ostrava/Ostrau ganze 15 Prozent.

Am schwersten liegen die Prager den Bewohnern der zweitgrößten tschechischen Stadt Brno/Brünn im Magen. Hier geht es sogar soweit, dass Brünner, die einen Wagen mit Prager Kennzeichen fahren, sich irgendwo auf ihrem Auto ein Schildchen mit der Aufschrift "Ich bin kein Prager" anbringen, um möglichen Unannehmlichkeiten vorzubeugen. Ein klassisches Beispiel von Rivalität, das ja auch aus anderen Städten, beispielsweise Madrid und Barcelona, bekannt ist.

Bei Prag handelt es sich um ein altbekanntes Problem, das den Schätzungen der Analytiker nach auch weiterhin bestehen wird, weil sich die Unterschiede zwischen der Hauptstadt und dem restlichen Tschechien eher vergrößern sollen, so die wirtschaftlichen Analysen. So werden die Prager nach wie vor überwiegend in den Urlaub fliegen, während die anderen Tschechen zu ihrem um mindestens ein Stern ärmeren Hotel mit dem Bus fahren werden. (ykk)

  • Datum 16.04.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/25uq
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