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Kultur

"Ich bin ein Aufzeichner"

Eigentlich hat Tomi Ungerer eine Abscheu vor Festen. "Das ist für mich eine Art Tyrannei", meint er. Doch zu seinem 70. Geburtstag macht der elsässische Zeichner, Karikaturist und Buchautor eine Ausnahme.

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Tomi Ungerer

"Mein Leben verlief in Sieben-Jahres-Stufen, also habe ich gesagt, jetzt wird gefeiert."

Geboren wurde Jean Thomas (Tomi) Ungerer in Straßburg als Sohn eines Uhrmachers. Als er 25 Jahre alt war, wurde ihm Europa zu eng, uns so schifft er sich mit "sechzig Dollar in der Tasche und einem Koffer voller Zeichnungen" nach New York ein. 15 Jahre lebte der Künstler in der amerikanischen Metropole, schrieb Kinderbücher, zeichnete sozialkritische Karikaturen - etwa gegen den Vietnamkrieg - und entwarf Werbeplakate. Dann zog er sich frisch verheiratet nach Kanada zurück. Seit 1976 lebt er mit seiner Frau und den drei inzwischen erwachsenen Kindern im Südwesten Irlands. In Straßburg hat er seinen zweiten Wohnsitz. "Meine Wurzeln sind im Elsass, meine Baumkrone ist in Irland", pflegt er dazu zu sagen.

Schnelle Striche

Tomi Ungerer

Tomi Ungerer: Das große Liederbuch (Diogenes)

Die Satire zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk Tomi Ungerers. Obwohl er schon Anfang der fünfziger Jahre eine Zeichnung im "Simplicissimus" veröffentlichen konnte, ist doch New York die Stätte seines eigentlichen Debüts. Hier entdeckt er den Cartoon und arbeitet für die großen Zeitschriften: Esquire, Holiday, Live und viele mehr. Mit wenigen schnellen und stilisierten Strichen Chinatusche wirft er angedeutete Konturen der Figuren aufs Papier, um sie dann sorgfältig mit farbiger Tusche auszufüllen. In Kanada und Irland bekommt sein Werk eine andere Dimension, wird dramatischer. Seine Lust am Provozieren wächst. Die Kritik, er sei pornografisch und sexistisch, weist er entschieden zurück. Seine erotischen Zeichnungen sieht er vielmehr als Rache an seiner puritanischen protestantischen Erziehung an. Inzwischen sind seine Bilder hoffähig geworden. Der Umfang seines Werkes ist enorm: In 40 Jahren künstlerischer Tätigkeit sind knapp 40000 Zeichnungen entstanden.

Tomi Ungerer ist noch heute produktiv. Sieben Trickfilme hat er kürzlich fertiggestellt. Mit ihnen will er als Botschafter des Europarats für Erziehung und Kinder schon den Dreijährigen den Respekt vor der Natur und vor Mitmenschen beibringen. In Karlsruhe wird im kommenden Jahr ein von ihm entworfener Kindergarten in Katzenform eröffnet. Angesichts dieser Rastlosigkeit scheint es daher verwunderlich, dass der Künstler den "Tod gar nicht erwarten kann", wie Ungerer gesteht.