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Fokus Osteuropa

Ibrahim Rugova: Gewaltfreier Verfechter der Unabhängigkeit

Seine Vorbilder waren Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Mutter Teresa. Seine Strategie war eine gewaltlose Lösung der Kosovo-Frage. Ibrahim Rugova im Porträt.

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Rugova im Wahlkampf 2004

Ibrahim Rugova, der erste Präsident des freien und demokratischen Kosovo, kam am 2. Dezember 1944 in Cerce im westlichen Kosovo zur Welt. Einige Wochen später, am 10. Januar 1945, wurden sein Vater und sein Großvater von serbischen Kommunisten entführt und exekutiert, als Nationalisten und angebliche Nazi-Kollaborateure. Das Land der Familie Rugova wurde konfisziert. Ibrahim Rugova studierte albanische Literatur in Prishtina, wo er dann als Literaturkritiker tätig war. 1988 wurde er Präsident des Schriftstellerverbandes im Kosovo.

Der Mann mit dem Seidenschal

Als Reaktion auf die Aufhebung der Kosovo-Autonomie durch Slobodan Milosevic wird im Dezember 1989 die Demokratische Liga des Kosovo (LDK) gegründet. Rugova, der Mann mit dem Seidenschal, wurde Vorsitzender der ersten politischen Partei der Kosovo-Albaner. Nach dem Zerfall Jugoslawiens 1991 setzte sich Rugova an die Spitze der Bewegung für die Unabhängigkeit Kosovos. Zweimal wird er zum Präsidenten gewählt: 1992 und 1998. Unablässig fordert er die Unabhängigkeit für sein Land: „Ich bestehe auf einer direkten Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo seitens der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten und der NATO. Wir wollen ein demokratisches, friedliches Kosovo und die Integration in die EU und die transatlantischen Strukturen."

Im März 1999, nach den Massakern der serbischen Armee und der Polizei an der albanischen Bevölkerung, entschließt sich die NATO zu einem Angriff auf Serbien. Ibrahim Rugova wird von der serbischen Polizei interniert. Anfang Mai 1999 darf er nach Italien ausreisen. Er kehrt im Juli zurück - der Krieg ist zu Ende und im Kosovo sind die ersten KFOR-Friedenstruppen stationiert. Da alle wichtigen Positionen im Staat den Serben vorbehalten waren, bauten die Albaner unter Rugovas Führung ein Parallelsystem in Verwaltung und Bildung auf. Dies war wohl die größte Herausforderung für das Regime Slobodan Milosevics.

Kritik aus den eigenen Reihen

Von seinen Gegnern wurde Rugova oft als umstrittener Anführer der Kosovo-Albaner bezeichnet. Seine engsten Mitarbeiter warfen ihm vor, politische Diskussionen seien mit ihm nie möglich gewesen. Es waren nicht die ersten Klagen seiner engsten politischen Freunde über den Präsidenten. Rugova sei ein defensiver Mensch gewesen, er habe starr an seinen Grundsätzen festgehalten. Zu jeder politischen Initiative habe er überredet werden müssen. Viele seiner engsten Mitarbeiter waren unzufrieden mit Rugovas politischem Verhalten. Sie verließen die LDK und gründeten neue Parteien.

Bei den ersten demokratischen Parlamentswahlen im Kosovo 2002 errang Rugovas LDK die Mehrheit der Stimmen. Im März 2002 wurde Rugova zum provisorischen Präsidenten gewählt. Auch bei den Wahlen 2004 wurde die Demokratische Liga die stärkste Partei. Mit Hilfe des Koalitionspartners - der Allianz für die Zukunft - wurde Rugova 2005 in seinem Amt als Präsident Kosovos bestätigt.

Im September vergangenen Jahres hatte Rugova seine Krebserkrankung öffentlich gemacht. Trotz der Erkrankung hielt er am Präsidentenamt fest. Er wolle weiter für die Unabhängigkeit kämpfen, erklärte er damals in einer Fernsehansprache.

Fadil Gashi DW-RADIO/Albanisch, 21.1.2006, Fokus Ost-Südost