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Nahost

IAEA inspiziert Atomanlage

Experten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA sind zur Inspektion einer erst seit kurzem bekannten zweiten Anlage zur Urananreicherung im Iran eingetroffen. Zuletzt hatte Teheran im Atomstreit auf Zeit gespielt.

Zwei iranische Atomtechniker mit Schutzanzügen und Atemmasken (Foto: AP)

Iranische Techniker in der Uran-Konversionsanlage in Isfahan

Ein Sprecher der iranischen Atomenergiebehörde bestätigte am Sonntag (25.10.2009) die Ankunft der vier Experten der Internationalen Atomenergiebehörde, nannte aber keine Einzelheiten. Die Inspektion der IAEA-Delegation soll drei Tage dauern. Die Fachleute wollen feststellen, ob die in einem Berg versteckte Anlage - wie von der iranischen Regierung angegeben - der zivilen Nutzung der Kernenergie dient.

Die zweite iranische Anlage zur Anreicherung von Uran liegt in der Nähe der Pilgerstadt Ghom, rund 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Teheran. Sie befindet sich noch im Bau und soll in etwa 18 Monaten betriebsbereit sein. Diplomaten vermuten, dass noch keine technischen Geräte in dem unterirdischen Werk aufgebaut sind.

Landkarte des Iran mit den Anlagen zum Atomprogramm (Grafik: IAEA, AP)

Irans Atomprogramm umfasst mittlerweile eine Reihe von Anlagen

Jahrelange Geheimhaltung wirft Fragen auf

Die Existenz der seit drei Jahren bestehenden Einrichtung hatte die iranische Regierung erst im September in einem Brief an die Internationale Atomenergiebehörde offenbart. Bislang war lediglich eine derartige Anlage in Natans bekannt.

Die Nachricht über die zweite Anlage hatte während des G20-Gipfels in Pittsburgh für Aufregung gesorgt und international wieder Fragen zum tatsächlichen Umfang sowie zu den Zielen des iranischen Atomprogramms aufgeworfen. Der Westen verdächtigt die Führung in Teheran, unter dem Deckmantel der Stromerzeugung aus Atomenergie an Kernwaffen zu arbeiten. Der Iran bestreitet das.

Iran verzögert Antwort auf Schlichtungsvorschlag

Der iranische Chefunterhändler Saeed Dschalili bei Atomgesprächen in Genf (Foto: AP)

Erst vor kurzem hat der Iran die Existenz der Atomanlage bei Ghom bestätigt

In der vergangenen Woche hatte die IAEA dem Iran sowie den USA, Russland und Frankreich einen Schlichtungsvorschlag unterbreitet, mit dem sichergestellt werden soll, dass die Regierung in Teheran keine Atomwaffen bauen kann, was sie nach eigenen Angaben gar nicht anstrebt.

Konkret sieht der Vorschlag vor, dass der Iran bis zum Jahresende einen Großteil an niedrig angereichertem Uran als Brennstäbe für zivile Zwecke in Russland weiterverarbeiten lässt. Doch der Iran spielte auf Zeit und ließ eine Frist zur Unterzeichnung der Vereinbarung am vergangenen Freitag verstreichen.

Man benötige mehr Zeit für die Prüfung des Vorschlags, hieß es. Eine Entscheidung kündigte Teheran für Mitte nächster Woche an. Der staatliche iranische Sender Press TV zitierte den iranischen IAEA-Botschafter Ali Asghar Soltanieh mit den Worten, das Land müsse die verschiedenen Dimensionen der Vereinbarung bewerten. Wenn er nächste Woche in Wien sei, werde er die Antwort seines Landes übergeben, sagte Soltanieh.

Neue Gespräche in Genf

IAEA-Direktor Mohammed ElBaradei mit Vilmos Cserveny (von links) bei Verhandlungen mit dem Iran (foto: AP)

Die IAEA ist um eine Beilegung des Atomkonflikts bemüht

Die US-Regierung forderte den Iran zu einer raschen Stellungnahme auf. Es dürfe keine weiteren Verzögerungen bei der Antwort Teherans geben, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums.

US-Präsident Barack Obama stimmte sich am Samstag im Streit um das iranische Atomprogramm mit der Führung Frankreichs und Russlands eng ab. In den Telefonaten mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und mit Kremlchef Dmitri Medwedew hätten alle Seiten ihre Unterstützung für den Kompromissvorschlag der IAEA bekräftigt, sagte ein Sprecher der US-Regierung. Obama habe die Dringlichkeit einer Lösung im Atomstreit mit dem Iran betont.

In der kommenden Woche sollen in Genf weitere Gespräche zum Thema mit den fünf ständigen UN-Sicherheitsmitgliedern plus Deutschland stattfinden.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, rtr, ap, afp)
Redaktion: Dirk Eckert

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