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Nahost

IAEA-Chef El Baradei zieht Bilanz

IAEA-Chef Mohamed el Baradei ist anlässlich eines Vortrags in Berlin vor die Presse getreten, um eine Bilanz seiner zwölfjährigen Amtszeit zu ziehen. Es wurde ein eindringlicher Appell an die Führung in Teheran.

El Baradei (Foto:AP)

Seit zwölf Jahren im Amt - IAEA-Chef El Baradei

Als der Ägypter Mohamed el Baradei 1997 an die Spitze der Internationalen Atomenergie-Behörde in Wien trat, war der Kalte Krieg erst ein knappes Jahrzehnt vorbei. Doch die Hoffnungen auf massive, auch nukleare Abrüstung zerstoben schnell. Noch immer gebe es neun Atomwaffenstaaten mit 26.000 Gefechtsköpfen, bedauerte El Baradei. Noch immer gebe es den so genannten nuklearen Schirm, unter dem privilegierte Staaten säßen. "Egal, was gesagt wird: Wenn du Atomwaffen hast, wirst du anders behandelt", sagte El Baradei. In den letzten Jahren habe das Streben nach Atomwaffen sogar zugenommen.

Im Zeichen des Wandels

Atomwaffengegner (Foto:AP)

Sorgenkind El Baradeis - der Iran und seine Atompolitik

Überschwänglich nennt El Baradei deshalb die Abrüstungs-Initiative von US-Präsident Obama "Wind of change" und bezeichnete sie als "einzige Chance zu überleben." Denn je mehr Staaten Atomwaffen besäßen, umso größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass diese auch eingesetzt werden würden. Im Umgang mit den Staaten, die neu nach Atomwaffen streben, ist nach El Baradeis Erfahrung vor allem kulturelles Verständnis vonnöten. Im Fall des Iran fällt das allerdings selbst dem IAEA-Chef immer schwerer. Es liege nun schon lange ein sehr attraktives Angebot vor, unter weitreichenden Garantien Nuklearbrennstoff zur Aufbereitung ins Ausland zu schicken. Dies sei die erste Gelegenheit seit Beginn des Iran-Konflikts, von der Konfrontation zur Kooperation zu kommen, betonte der Chef der Wiener Atombehörde. Der Iran riskiere dabei wenig, eröffne jedoch damit die Chance für Frieden, so El Baradei. Doch er warte bisher weiter auf eine schriftliche Antwort des Iran.

"Sanktionen schaden nur den Unschuldigen"

Iran Luftabwehr Manöver (Foto:IRna)

Sollte der Iran nicht kooperieren, drohen Sanktionen

Einmal ließ El Baradei die Hoffnung aufblitzen, dass ihn in der letzen Woche seiner Amtszeit doch noch ein positives Antwortschreiben des Iran erreicht. Doch er schob gleich nach, es gehe nicht um seine Person. Gleichwohl: die Zeit laufe davon. Von der Alternative, Sanktionen gegen den Iran, will er aber noch nicht reden. "Sanktionen machen ein Land noch feindseliger, stärken Regierungen und schaden Unschuldigen", sagte El Baradei. Doch obwohl er kein Befürworter von Sanktionen sei, könnten sie notwendig werden. Und sei dies eines Tages der Fall, so müssten es "kluge Sanktionen sein, die Regierungen treffen und nicht die Bevölkerung."

Das allerdings klang schon nicht mehr so hoffnungsvoll. Mohamed el Baradei dürfte, diesen Eindruck konnte man von seinem Auftritt in Berlin mitnehmen, mit sehr gemischten Gefühlen in den Ruhestand gehen.

Autor: Peter Stützle

Redaktion: Michaela Paul