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Musik

I Muvrini: Polyphone Träume aus Korsika

Sie singen von Menschlichkeit, vom Respekt für die Natur und von der Freiheit. Seit 35 Jahren kultivieren I Muvrini den mehrstimmigen Gesang ihrer Vorväter und peppen ihn mit Popelementen zeitgenössisch auf.

In dem kleine Dorf Tagliu Isulaccia hoch oben in den Bergen Korsikas hat die Karriere von Jean-François und Alain Bernadini begonnen. Schon der Großvater hatte die komplexe Technik der korsischen Vokalkunst an seinen Sohn Ghjuliu weitergegeben, und der brachte sie seinen Söhnen bei.

Als Teenager waren die Brüder alles andere als begeistert davon, mit dem Vater auftreten zu müssen, erinnert sich Jean-François Bernadini: "Als wir damals anfingen, Polyphonien zu singen, kamen vielleicht 30 Leute zu einem Abend. Ich wagte es nicht, meinen Schulkameraden davon zu erzählen, weil ich mich schämte. Die Korsen hörten damals die Musik der Touristen, unsere Lieder waren dagegen als Gesang von Bauerntölpeln verpönt."

Polyphonie mit Crossover-Konzept

IDie Brüder Bernadini (Copyright: @ Edel content)

Herz und Seele von I Muvrini: Jean-François und Alain Bernadini

Jahrzehnte später sind die anfänglichen Berührungsängste Geschichte. I Muvrini sind längst eine der bekanntesten Bands Frankreichs, und auch im Ausland füllen die Korsen, die sich nach dem wilden Mufflon ihrer Heimat benannt haben, mühelos große Hallen.

Der klassische Polyphoniegesang, bei dem die Männer im Kreis stehen und zum besseren Hörverständnis eine Hand ans Ohr halten, ist immer noch die Seele ihrer Musik. Doch seit Mitte der 1980er Jahre steht nicht mehr die Pflege der Tradition im Vordergrund; stattdessen haben sich I Muvrini einem Crossover-Konzept verschrieben, das die überlieferten Gesänge mit Popmusik und Weltmusikklängen durcheinanderwirbelt. Dazu gehört auch der Einsatz elektronischer Instrumente wie Keyboard oder Synthesizer. Puristen nehmen I Muvrini diesen lockeren Umgang mit der Tradition allerdings übel.

Sie selbst sehen das ganz anderes: "Wir haben überhaupt nicht den Anspruch, rein traditionelle korsische Musik zu machen. Da liegen sicher unsere Wurzeln, aber über die vielen Jahre hinweg haben wir uns von anderen Musikstilen inspirieren lassen", betont Jean-François Bernadini. "Wirklich, wir sind da ganz offen."

Singen für eine bessere Welt

Die Brüder Bernadini mit einem Pferd (Copyright: @ Edel content)

Die Bernadinis lieben die Natur

Offen sind sie auch in ihren Botschaften, denn wer mit den Brüdern spricht, erfährt schnell, dass es ihnen längst nicht mehr nur um die patriotisch-freiheitsliebende Gesinnung der Korsen geht, auf die sie so stolz sind: In ihrer Heimat werden I Muvrini wegen ihres Engagements als Helden gefeiert.

Doch sie träumen nicht nur von einem freien Korsika, sondern von einer besseren Welt und betten diesen Wunsch in harmonische Klänge ein: "Das Lied "Hazia" zum Beispiel ist der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi aus Myanmar gewidmet, "Dammi" ist ein Appell an die Integrität jedes einzelnen, und "Fora" spricht sich gegen Fremdenfeindlichkeit aus.

Dieser Kampf für ein besseres Miteinander ist tief verwurzelt in der Geschichte der Insel, die von Repressionen und Fremdherrschaften geprägt ist. Das hinterlässt Spuren, und so verstehen sich I Muvrini unverdrossen als Stimme Korsikas für eine Welt ohne Hass..

Pathos und Gänsehaut

Imaginà (CD-Cover) (Copyright: @ Edel content)

Das neue Album "Imaginà"

Ohne Frage, die Gebrüder Bernadini beherrschen ihr Handwerk. Doch am stärksten sind sie dann, wenn nicht die Popmelodien, sondern die Polyphonie im Vordergrund steht. Denn manchmal klingt ihre Musik einfach zu weichgespült und zu süßlich. Dann erschlägt das Pathos den Hörer förmlich, und der Hall entführt in esoterische New Age-Welten. Aber wie gesagt, nur manchmal, denn wenn sich I Muvrini auf ihre Wurzeln besinnen, läuft einem eine Gänsehaut über den Rücken und man taucht ein in jene fremde Welt in den Bergen Korsikas, wo die Hirten schon vor Jahrhunderten die gleichen Gesänge anstimmten.