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Hintergrund

"I love the deutsche Sprache"

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Die Unterhaltungskünstlerin Gayle Tufts hat aus Deutsch und Englisch eine eigene Kunstform gemacht: "Dinglish". Monika Dittrich sprach mit ihr über die romantische Seite des Deutschen und den Erfolg deutscher Popmusik.

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DW-WORLD.DE: Frau Tufts, Ihr Markenzeichen ist es, Deutsch und Englisch miteinander zu mischen. Nervt es Sie, dass hierzulande ständig über Anglizismen geschimpft wird?

Gayle Tufts: Überhaupt nicht. Denn in meinem Dinglish geht es ja um etwas ganz anderes, ich baue nicht nur hier und da einen Anglizismus ein. Ich will für meine Kunst einfach zwei Mal so viele Möglichkeiten nutzen, und deshalb mische ich die Sprachen. Da gibt es in einem Lied mal einen Reim oder eine Pointe auf Englisch, mal auf Deutsch. Ich will aber niemanden ausgrenzen, jeder muss es verstehen können. Es geht also um viel mehr als nur zu sagen: "Come in and find out", wie es einmal eine Parfümerie-Kette in Deutschland getan hat. Das haben die meisten Kunden übrigens übersetzt mit "reinkommen und wieder rausfinden".

Ist die deutsche Sprache denn in Gefahr?

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Aber nein, ganz und gar nicht. Diese Sprache ist so vital und lebendig, wieso sollte sie gefährdet sein? Natürlich leben wir in einer globalisierten Welt, und da ist die Lingua franca eben Englisch. Damit muss man leben, finde ich. Aber im Amerikanischen haben wir auch sehr viele deutsche Ausdrücke: Kindergarten, Doppelgänger, Schadenfreude. In der Schule habe ich sogar das Wort "Lumpenproletariat" gelernt. Viele jüdische Emigranten haben ihre deutschen Wörter mit nach Amerika gebracht, und das ist auch der Ursprung des Dinglish. Wir kennen zum Beispiel den Ausdruck "schwitzen". In New York hört man das dauernd: "Oh my god, I’m schwitzing." Oder "verklemmt": "Oh gosh, I’m so verklemmt!"

Sie sagen "I love the deutsche Sprache". Was lieben Sie daran?

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Die deutsche Sprache ist eine wunderschöne, eine große Bereicherung meines Lebens! Ich lebe seit 18 Jahren in Deutschland, seit 15 Jahren spreche ich Deutsch. Bevor ich nach Deutschland kam, kannte ich nur dieses Hollywood-Deutsch, wie man es zum Beispiel in James Bond-Filmen oder anderen Agentenfilmen hört. Da gibt es meistens den deutschen Bösewicht, und was der sagt, klingt immer so gemein. So "chchchchchhhh". Dieses Geräusch, dieses "ch", das haben wir im Englischen ja gar nicht. Als ich dann nach Deutschland kam, habe ich erkannt, dass die deutsche Sprache ganz anders ist. Viel schöner eben. Und so romantisch! Das habe ich gemerkt, als ich das erste Mal Schiller und Goethe gelesen habe.

Und wie steht es um die Bedeutung des Deutschen in der Welt?

Eine Zeit lang war Deutsch wirklich sehr unbedeutend, und nach dem Zweiten Weltkrieg war die deutsche Sprache ja auch ein bisschen verpönt. Aber ich habe den Eindruck, dass sich das durch die Popkultur jetzt wieder ändert. Es ist doch erstaunlich, wie erfolgreich eine Band wie Tokio Hotel auch international ist, mit deutschen Texten! Ich habe die einmal bei einem Auftritt in den USA gesehen, da haben sie auf Englisch gesungen. Und die Teenie-Mädchen im Publikum haben geschrien "Sing German!". So etwas hätte man doch vor 20 Jahren nicht gedacht, oder?

NICHT LÖSCHEN!! Weißzeile für Projekt Sprache von Welt? Streiten über Deutsch

Gayle Tufts (Foto: privat)

Gayle Tufts ist Sängerin, Moderatorin, Stand-Up Comedian und Entertainerin. Sie wurde 1960 in Brockton im US-Bundesstaat Massachusetts geboren und studierte Schauspiel und Theaterwissenschaften in New York. Seit 1991 lebt und arbeitet sie in Berlin. Neben ihren Bühnenauftritten schreibt sie Bücher und Zeitungskolumnen. In ihrer Arbeit vereint sie die deutsche und englische Sprache zu "Dinglish" und beschäftigt sich auf humorvolle Weise mit den kulturellen Unterschieden zwischen den USA und Deutschland.

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