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Musik

Hymnen für Europa

Für die einen ist er Sinnbild der Vielfalt europäischer Musikkulturen, für die anderen ein gigantisches Festival des schlechten Geschmacks. In seinem 55. Jahr hat der Eurovision Song Contest europaweit Kultstatus.

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Ziemlich klein fing es an, damals 1956. Die europäische Einigung war weit entfernt, das Fernsehen gerade erfunden. Einige nationale Rundfunkanstalten wollten einmal etwas Gemeinsames unternehmen, das Medium Fernsehen bekannter machen und nebenbei ein bisschen die europäische Identität fördern. Sieben Länder nahmen am ersten Grand Prix Eurovision de la Chanson teil. Drei weitere, England, Dänemark und Österreich, hatten schlicht die Bewerbungsfrist verpasst. Den ersten Wettbewerb, bei dem nur Solokünstler auftreten durften und kein Lied länger sein sollte als dreieinhalb Minuten, gewann die Schweizerin Lys Assia.

Auf der Suche nach dem Massengeschmack

Mit der Zeit wurde die Teilnehmerzahl größer und der Grand Prix, wie er heute noch gerne genannt wird, geriet zum Muss für ganze Fernsehnationen. Doch, wie schreibt man ein Lied, das allen gefällt? Der Song Contest entwickelte seine eigene Popkultur jenseits aktueller Trends. Weder Punk, noch Rock noch Rap waren lange Zeit zu hören. Stattdessen hymnische Balladen, die mit großer melodischer Geste Liebe, Frieden und Einheit besangen. Die zeitweilige Auflage, dass jedes Land nur in seiner eigenen Sprache teilnehmen durfte, brachte auch textlich so manche Kuriosität hervor: Titel wie "Boom Bang a Bang", "La La La" oder "Ding-A-Dong", konnte zwar jeder mitsingen, waren aber jenseits jeder lyrischer Ambition.

Symbolbild Gewinner von Grand Prix Eurovision Song Contest Flash-Galerie

Das Wunder aus Schweden

Und dann, am 6. April 1974, die große Ausnahme von der Grand Prix Regel. Grelle Klamotten und ein für Eurovision-Verhältnisse sehr rockiger und zeitgemäßer Song namens Waterloo startete die Weltkarriere einer der erfolgreichsten Popbands überhaupt. Abba gewann in Brighton zwar nur knapp, aber ihr anschließender Welterfolg war gleichzeitig der Startschuss für die Erfolge zahlreicher Bands aus dem nicht englisch sprechenden Europa.

Mr. Eurovision - wenn einer diesen Titel verdient hat, dann der deutsche Komponist Ralf Siegel. Zwischen 1974 und 2009 nahm er mit 19 Liedern am europäischen Gesangswettbewerb teil. Sein größter Erfolg war auch gleichzeitig Deutschlands einzige Nr. Eins bislang. Nicole, damals 17 Jahre alt, gewann 1982 den Wettbewerb mit dem Lied "Ein bisschen Frieden", ein Erfolg, den Deutschland nie wiederholen konnte.

Mehr und mehr Teilnehmer

Der Zusammenbruch des Ostblocks und der Zerfall Jugoslawiens brachte dem ESC zahlreiche neue Teilnehmerländer. Machten vordem die Nationen Westeuropas die Sache unter sich aus, sah man sich jetzt in der Minderheit oder gar von Osteuropa und dem Balkan dominiert. Immerhin kamen durch die zahlreichen neuen Länder auch diverse musikalische Neuerungen wie Ethno-Elemente und der Hang zur extravaganten Bühnenshow in den Wettbewerb. Gleichzeitig wurde zunehmend Kritik am Reglement der Punktevergabe laut. Allein die Anzahl der osteuropäischen Länder, die sich gegenseitig Punkte zuschanzen, heißt es bis heute, macht es für die Westeuropäer unmöglich, überhaupt noch zu gewinnen. 2010 nehmen 39 Staaten teil. So viele, dass - wie auch in den letzten Jahren - zwei Halbfinale nötig sind.

Laut Google-Ranking könnte Lena den Erfolg von 1982 wiederholen (Foto: Google)

Laut Google-Ranking könnte Lena den Erfolg von 1982 wiederholen

Yes! sagen die Buchmacher

Glaubt man den englischen Wettbüros, könnte Deutschland in diesem Jahr den Erfolg von 1982 wiederholen. Lena mit ihrem Lied "Satellite" wird hoch gehandelt und im Vergleich zu den 38 Mitbewerbern, von denen viele nach wie vor auf das gute alte Grand Prix-Pathos setzen, hebt sich ihr Song wohltuend ab von der Masse. Ein bisschen Erfolg täte Deutschland auch gut, denn die letzten Jahre brachten regelmäßig letzte Plätze. Warten wir’s ab, oder wie Lena selbst sagt: "Top Ten wäre schon schön!"

Autor: Matthias Klaus
Redaktion: Rick Fulker


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