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Aktuell Nahost

Huthi-Rebellen sollen 120 Parteimitglieder entführt haben

Im Jemen geht die schiitische Huthi-Miliz weiter rigoros gegen politische Gegner vor. Die verfeindete sunnitische Islah-Partei teilt mit, in einer nächtlichen Razzia seien 120 ihrer Mitglieder inhaftiert worden.

Führende Vertreter der Islah-Partei bei einer Pressekonferenz im Jemen (Archivfoto: dpa)

Führende Vertreter der Islah-Partei bei einer Pressekonferenz vor zwei Wochen im Jemen

Auf ihrer Homepage erklärte die Islah-Partei, unter den 120 Gefangenen seien auch die beiden ranghohen Politiker Mohammed Kahtan und Hassan al-Jaeri. Bei der Razzia seien die Häuser der Anführer gestürmt und Büros der Partei durchsucht worden. Die Partei ist der jemenitische Ableger der Muslimbruderschaft und spielt traditionell eine wichtige Rolle in der Politik des Landes. Sie unterstützt die Luftangriffe des von Saudi-Arabien angeführten Militärbündnisses gegen die Huthis.

In der südjemenitischen Hafenstadt Aden gingen am Montag die Gefechte zwischen schiitischen Huthi-Rebellen und Unterstützern des Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi weiter. In den Vororten seien Explosionen zu hören, berichteten Einwohner. Ein ausländisches Kriegsschiff habe Huthi-Positionen beschossen. Seit mehreren Tagen toben Straßenkämpfe in der Stadt, der letzten Machtbastion Hadis, der sich nach Saudi-Arabien abgesetzt hat.

Viele Todesopfer in Aden

Bei den jüngsten Kämpfen in der strategisch wichtigen Hafenstadt wurden nach Angaben von Ärzten und Militärs mindestens 53 Menschen getötet, darunter 17 Zivilisten. Zudem seien zehn Mitglieder des Hadi-treuen sogenannten Volkskomitees getötet worden. Aus Militärkreisen verlautete, auf Seiten der Rebellen habe es 26 Tote gegeben. Insbesondere im zentralen Viertel Al-Moalla gab es heftige Kämpfe, da die Rebellen den Hafen einzunehmen versuchten. Dieser wird von den Volkskomitees verteidigt, die von einer arabischen Koalition unter Führung Saudi-Arabiens mit Waffen unterstützt werden.

Auch die seit zwölf Tagen andauernden Luftangriffe der Koalition aus vorwiegend sunnitischen Staaten haben das Vorrücken der Schiiten-Miliz nicht stoppen können, die vom Iran unterstützt wird. Am Sonntag kamen in der umkämpften Stadt Dhale nördlich von Aden mindestens fünf Zivilisten durch die Luftangriffe ums Leben, wie Ärzte vor Ort berichteten. Saudi-Arabien warf den Huthis vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Der UN-Sicherheitsrat schob derweil eine Entscheidung über eine humanitär motivierte Feuerpause im Jemen auf. "Die Ratsmitglieder brauchen noch Zeit, den russischen Vorschlag zu überdenken", sagte die jordanische UN-Botschafterin Dina Kawar nach der mehrstündigen Aussprache im höchsten UN-Gremium. Die Diplomatin führt in diesem Monat den Vorsitz im Gremium. "Wir hoffen, dass wir am Montag etwas vorlegen können", fügte sie hinzu. Russland hatte eine Unterbrechung der Luftangriffe vorgeschlagen, um humanitäre Hilfe in dem Land leisten zu können und Zivilisten und Diplomaten auszufliegen.

Erste Hilfskonvois

Dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gelang es inzwischen, zwei Konvois mit medizinischen Gütern nach Aden zu bringen. Das teilte Robert Mardini, der Leiter der IKRK-Operationen in Nahost, auf Twitter mit. Aden gleiche einer "Geisterstadt", schreibt er. "Einwohner sind nirgends zu sehen. Das Ausmaß der Zerstörung der Stadt wird immer offensichtlicher." Am Sonntag hatte die Organisation mitgeteilt, sie habe die Genehmigung der von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz erhalten, Helfer und Hilfsgüter in das Bürgerkriegsland zu bringen. Vorgesehen sei die Entsendung von zwei Flugzeugen in die Hauptstadt Sanaa. Das IKRK plant zudem, mehrere Chirurgen aus Dschibuti per Boot nach Aden zu bringen. Nach Angaben der Organisation stehen derzeit 48 Tonnen Medikamente und andere medizinische Hilfsgüter bereit, um per Luft, Straße oder Wasser in den Jemen gebracht zu werden. Damit sollen 2000 bis 3000 Menschen versorgt werden.

Indien brachte am Sonntag etwa 800 Bürger auf dem See- und Luftweg außer Landes. Zudem flogen Maschinen aus Pakistan und der Türkei Ausländer aus.

Während der seit zwei Wochen andauernden Kämpfe im Jemen sind den Vereinten Nationen zufolge mehr als 500 Menschen getötet worden. Die Huthi-Miliz erklärte am Sonntag ihre grundsätzliche Bereitschaft zu Friedensgesprächen. Voraussetzung sei aber ein Ende der Luftangriffe durch die sunnitische Militärallianz. Die Friedensgespräche müssten allerdings in Sanaa stattfinden, erklärte ein Mitglied des Huthi-Politbüros.

kle/se (afp, dpa, ape, rtr)