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Politik

Hussein am Ende?

Die jüngsten Luftschläge gegen nordirakische Stellungen heizen die Spekulationen um einen bevorstehenden Krieg neu an. Grund zu fragen: Wie viel Macht hat Saddam Hussein noch im eigenen Land?

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US-Kampfjets - schwerste Luftschläge gegen Irak seit vier Jahren

Es waren die heftigsten Luftschläge seit vier Jahren, die 100 US-amerikanische und britische Kampfjets am 5. September 2002 gegen irakische Stützpunkte im Norden flogen, schreibt der 'Daily Telegraph'. Die britische Zeitung vermutet hinter dem Einsatz gar erste Vorbereitungen für den Krieg gegen den Irak.

Geschwächte Führung

Der Gegner, auf den die Allianz westlicher Staaten treffen könnte, ist aber kaum der gleiche wie noch 1991. "Saddam ist derzeit im eigenen Land viel schwächer als vor elf Jahren", sagt Ferhad Ibrahim von der Arbeitsstelle Politik des Vorderen Orients an der Freien Universität Berlin im Gespräch mit DW-WORLD. Er vertritt die Meinung, dass weite Teile der irakischen Bevölkerung Saddam Hussein lieber heute als morgen als Staatschef abgesetzt sehen wollen.

Vor allem die irakischen Kurden und Schiiten, die zusammen 75 Prozent des irakischen Volkes stellen, hegen diesen Wunsch. Von der sunnitisch geprägten Führungselite drohen ihnen häufig Folter und Terror. Gegenüber DW-WORLD wollten weder das Auswärtige Amt, noch der Bundesnachrichtendienst (BND) aufgrund der momentan heiklen Lage zur Situation im Irak Stellung nehmen.

Sollte es tatsächlich zu einem Krieg kommen, ist sich Ferhad Ibrahim "nahezu 100-prozentig sicher", dass in der irakischen Bevölkerung ein Aufstand gegen Saddam Hussein ausbrechen wird. Weiterhin glaubt Ibrahim, dass viele irakische Offiziere nur auf einen Krieg warten, um sich dann mit der im Untergrund operierenden Opposition zu solidarisieren.

Wie viel Einfluss hat die Opposition?

"Wo Saddam die Kontrolle ausübt, gibt es keine Opposition", sagt Ferhad Ibrahim. Wer nur in Verdacht gerät, er könne einer oppositionellen Gruppe angehören, werde gefoltert und ohne Prozess hingerichtet, bestätigt auch Ruth Jüttner, Irakexpertin von Amnesty International im Gespräch mit DW-WORLD. Der Zentralirak ist fest in der Hand von Saddam Husseins Geheimdiensten. In der überwiegend schiitisch bevölkerten südlichen Flugverbotszone gäbe es zwar eine Opposition im Untergrund, sie habe jedoch keine eigene Verwaltung und sei nur unzureichend bewaffnet.

Widerstand aus der nördlichen Flugverbotszone?

In der nördlichen Flugverbotszone, die ein Drittel des Staatsterritoriums des Irak umfasst und auf die Saddam Husseins Regierung de facto keinen Einfluss hat, speist sich die Opposition aus den beiden kurdischen Parteien KDP und PUK. Durch die UN-Resolution 688 aus dem Jahr 1991 ist die kurdische Bevölkerung dort weitgehend sicher vor irakischem Staatsterror. Eine wirkliche Opposition, von der zur Zeit eine echte Bedrohung für die Regierung in Bagdad ausgeht, will Ferhad Ibrahim aber auch dort nicht ausmachen.

Immerhin gebe es dort eine eigene Verwaltung und bewaffnete Milizen gibt. Der eher pro-westlich orientierten Bevölkerung gehe es im Moment unter dem Schutz der UN-Resolution relativ gut. Die Bereitschaft gegen Saddam Hussein vorzugehen, sei daher sehr gering.

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