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Deutschland

Hurra, wir arbeiten jetzt für uns!

Experten und Politiker hassen ihn, die Bürger sehnen ihn herbei: Den inoffiziellen "Steuerzahler-Gedenktag" zur Jahresmitte. Denn erst ab dann arbeiten Beschäftigte tatsächlich für die eigene Tasche.

Gartenzwerg mit riesieger Ein-Euro-Münze

Alle Jahre wieder sorgt in Deutschland ein eigentlich überhaupt nicht existierender Gedenktag für Verdruss bei Experten und gemischte Gefühle beim Volk: Der so genannte "Steuerzahler-Gedenktag". An jenem Tag mehr oder weniger kurz nach der Jahresmitte haben die Steuer- und Abgabenpflichtigen rein rechnerisch alle Zahlungsverpflichtungen an den Fiskus und die Sozialkassen erfüllt. Erst dann arbeiten sie tatsächlich für sich selbst.

Schatten des deutschen Bundesadlers über Euro-Scheinen (Foto: picture-alliance)

Der Tag gehört trotz seiner Nichtanerkennung durch Politiker und Experten zu den beweglichen Festen. In diesem Jahr wird die feine Linie zwischen Arbeit für den Staat und Arbeit für sich selbst am Sonntag (04.07.2010) gezogen. Rechnerisch und statistisch sind die jährlichen Abgaben hundertprozentig bezahlt. Kein sauer verdienter Euro landet mehr beim Fiskus, bis auf den letzten müden Cent bleibt alles Geld in der eigenen Tasche.

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr mussten die Deutschen sogar bis zum 14. Juli für den Staat arbeiten, erst danach wanderte das Geld in die eigenen Taschen. Kein Wunder, dass Politiker und Experten versuchen, die Freude der rechnerisch für den Rest des Jahres von der Steuer- und Abgabenlast Befreiten zu verderben. Zu den beliebtesten Tricks gehört der Hinweis der Politiker auf staatliche Leistungen etwa in den Bereichen Bildung, Kinderbetreuung, Sicherheit oder Straßenbau, von denen doch jeder Einzahler profitiere. Dumm nur, dass die zahlenden Bürgerinnen und Bürger über genau diese Bereiche regelmäßig maulen…

Cent und Prozent

Karl Heinz Däke, der Präsident des Bundes der Steuerzahler (Foto: Heiner Kiesel)

Karl Heinz Däke

Pünktlich zum Gedenktag, den die Verantwortlichen entweder ignorieren oder schnell wegreden wollen, hat der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Karl Heinz Däke, nun in einem Zeitungsinterview vorgerechnet: Von jedem Euro, der in diesem Jahr verdient wurde und noch wird, entfallen knapp 30 Cent auf Steuern, hinzu kommen 20,6 Cent für Sozialabgaben. Damit bleiben Arbeitnehmern von einem Euro im Durchschnitt des Jahres ganze 49,2 Cent. Das sind zwar zwei Cent mehr als im vergangenen Jahr, doch Freude kommt auch darüber nicht so recht auf.

Denn genau die 49,2 Cent, die vom besagten Arbeitnehmer-Euro bleiben, entsprechen ja exakt 49,2 Prozent der jährlichen Einnahmen. Nicht mal 50 Prozent des Jahreseinkommens also – und deshalb beginnt der statistische Arbeitnehmer in Deutschland eben nicht schon am ersten, sondern erst am vierten Juli damit, Euro und Cent für seine eigene Tasche zu verdienen.

Autor: Hartmut Lüning (mit apn, dpa)
Redaktion: Ursula Kissel