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Asien

Hungerstreik gegen Korruption

Der Aktivist Jahangir Akhtar hungert in Pakistan aus Protest gegen Korruption und steigende Militärausgaben. Anders als sein indisches Vorbild Anna Hazare findet Jahangir jedoch keinen Anklang.

Portrait Raja Jahangir Akhta mit Kopfbinde, darauf steht: Sieg oder Tod (Foto: DW)

Raja Jahangir Akhtar (links) kämpft gegen Korruption

Jahangir Akhtar ist in den Hungerstreik getreten. Seit dem 12. September fastet er, wenn nötig, sogar bis zu seinem Tod: "Wenn die Behörden meine Forderungen nicht erfüllen, werde ich zum Märtyrer", sagt er entschlossen. Der 68-jährige Pakistaner kämpft seit vielen Jahren gegen die weit verbreitete Korruption in Pakistan, mehrmals musste er schon ins Gefängnis. Erfolge hat er bei seinen Kampagnen bisher keine gehabt.

Doch als er von der großen Popularität des Anti-Korruptions-Aktivisten Anna Hazare im Nachbarstaat Indien hörte, schöpfte er neuen Mut. Hazare hatte mit seinem Hungerstreik eine Welle von Protesten ausgelöst. Tausende Menschen unterstützen seine Kampagne, die Medien machten ihn zum Tagesthema. "Ich bin durch das, was in Indien vor kurzem geschehen ist, inspiriert worden", erzählt Akhtar. "Dort hat eine vergleichbare Aktion zu einem neuem Anti-Korruptionsgesetz geführt."

"Korruption auf dem Höhepunkt"

Korruption ist auch in Pakistan ein schwerwiegendes Problem. Auf dem internationalen Korruptionsindex steht Pakistan auf Platz 143 (von 178). Sayed Adil Gilani von der internationalen Anti-Korruptions-Organisation "Transparency International" sagt, dass selbst die Spendengelder für die Opfer von Pakistans Flutkatastrophe im vergangenen Jahr veruntreut worden seien.

Ein Junge greift mit verzweifeltem Gesichtsausdruck nach einer Schüssel Reis (Foto:AP)

Korruption: viele Spenden sollen die Opfer der Flutkatastrophe nicht erreicht haben

Die Korruption sei auf einem Höhepunkt in Pakistan, glaubt Gilani: "Die Regierung ist nur daran interessiert, dass Geld in persönliche Konten von hochrangigen Regierungsmitgliedern fließt. Korruption ist der eigentliche Grund für Terrorismus, Armut und Hunger. Korruption erschüttert die Fundamente von Pakistan."

Dieser Zustand müsse sich ändern, sagt Jahangir Akhtar. Er will so lange hungern, bis seine Forderungen von der Regierung erhört werden. Sein Ziel: "Ich möchte einen Gesetzesentwurf, der im Parlament zustande kommt und der von einer Mehrheit der Abgeordneten unterstützt wird. Dieses Gesetz soll dann die Grundlage dafür sein, dass der Korruption in Pakistan endlich ein Ende bereitet wird."

Medien boykottieren die Kampagne

Indiens Aktivist Anna Hazare im offenen Auto, umjubelt von Anhängern mit indischer Flagge(Foto:UNI NEW DELHI)

Vorbild Anna Hazare in Indien: Tausende Anhänger unterstützten seinen Hungerstreik gegen Korruption

Doch wirklich zuversichtlich ist Akhtar nicht. Bisher habe er von den Medien keine Unterstützung bekommen, berichtet er. Die meisten Journalisten haben angeblich nichts von ihm gehört. "Das ist das erste Mal, dass ich diesen Namen höre, obwohl ich in der Medienbranche tätig und Chefredakteur von drei Tageszeitungen bin", sagt auch der Journalist Mohammed Aslam.

Ein Journalist, der anonym bleiben will, vermutet, dass die pakistanischen Medien deshalb nicht über Jahangirs Aktion berichten, weil sie vom pakistanischen Geheimdienst und vom Militär kontrolliert würden. Beide Institutionen sind erklärte Feinde von Akhtar, denn er hat sie wiederholt kritisiert: "Pakistan hat die sechstgrößte Armee der Welt. Das meiste Geld unseres Budgets geht in die Armee.

Aufgrund dieser finanziellen Last sind die pakistanischen Bildungseinrichtungen in einem katastrophalen Zustand."

Außerdem leide die pakistanische Jugend an akuter Arbeitslosigkeit und Kranke hätten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, sagt der 68-jährige Vater von drei erwachsenen Kindern. Pakistan solle weniger für das Militär und mehr für soziale Belange ausgeben. Jahangir Akhtar lächelt. Er trägt ein schwarzes Stirnband auf dem steht: "Victory or Death" - Sieg oder Tod. Er ist für beides bereit.

Autorin: Waslat Hasrat-Nazimi
Redaktion: Ana Lehmann