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Politik

"Hungerstreik" gegen den Hunger

In Rom beginnt der Welternährungsgipfel - in Zeiten der Wirtschaftskrise vor einem dramatischen Hintergrund. Mittlerweile hungern weltweit mehr als eine Milliarde Menschen.

Kenianer auf Reisfeld (Foto: AP)

Nicht nur in Afrika müssen viele Menschen hungern

In der italienischen Hauptstadt kommen an diesem Montag (16.11.2009) Staats- und Regierungschefs aus aller Welt zusammen, um nach Lösungen im Kampf gegen den Hunger zu suchen. Statistisch gesehen hungert auf der Erde inzwischen jeder sechste bis siebte Mensch. Alle sechs Sekunden stirbt nach Angaben der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) ein Kind an Unterernährung.

Bereits am Eröffnungstag des dreitägigen Gipfels in Rom soll eine Erklärung verabschiedet werden, mit der sich die Unterzeichnerstaaten zu Sofortmaßnahmen gegen den weltweiten Hunger verpflichten. Schrittweise soll ein "Recht auf angemessene Ernährung" durchgesetzt werden. Um das Hungerproblem in den Griff zu bekommen, wären laut FAO-Generaldirektor Jacques Diouf jährlich 30 Milliarden Euro erforderlich.

"Sache des politischen Willens"

Jacques Diouf (Foto: AP)

Fastete 24 Stunden: FAO-Chef Jacques Diouf

Diouf selbst hatte am Wochenende einen 24-stündigen "Hungerstreik" unternommen, um auf die dramatische Lage der Hungernden aufmerksam zu machen. "Wir haben die technischen Mittel und die Ressourcen, den Hunger aus der Welt zu schaffen", erklärte Diouf. "Deshalb ist es nun eine Sache des politischen Willens, und der politische Wille wird von der öffentlichen Meinung beeinflusst", betonte der 71-jährige Senegalese. Aus Solidarität trat am Sonntag auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in einen eintägigen "Hungerstreik", wie eine Sprecherin der Vereinten Nationen in New York bestätigte.

Worte ohne Taten

Bisherige Welthunger-Konferenzen haben ihre selbst gesteckten Zielvorgaben jedenfalls nicht einhalten können, darunter das im Jahr 2000 verkündete "Millenniums-Ziel", die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren. Eine von den Vereinten Nationen geforderte Frist bis 2025, um den Hunger vollständig zu beseitigen, ist im Entwurf für die Gipfelerklärung erst gar nicht aufgeführt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel reist nicht nach Rom - Deutschland wird durch Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner vertreten. Mit Ausnahme des gastgebenden italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi nimmt kein Staats- und Regierungschef der führenden Industrienationen (G8) an der Konferenz teil.

Demonstranten vor erleuchtetem Kolosseum in Rom (Foto: AP)

"STOP HUNGER!" - Aktivisten der Organisation "actionaid" vor dem erleuchteten Kolosseum

Um ein sichtbares Zeichen gegen den Hunger zu setzen, wurde am Vorabend des Gipfels das römische Kolosseum erleuchtet. Die Aktion solle die Aufmerksamkeit auf das Recht jedes Menschen auf eine Ernährung lenken, erklärte die Hilfsorganisation "actionaid". Aktivisten zündeten vor dem antiken Gebäude Kerzen an.

Autor: Christian Walz (kna/afp/ap/dpa)
Redaktion: Rainer Esser

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