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Kultur

Hungersnot durch zu viel Wasser

Die Überschwemmungen in Nordkorea werden immer bedrohlicher. Die UN spricht von bis zu 300.000 Betroffenen und fordert zu internationaler Hilfe auf. Ein Zehntel der Ernteflächen stünde unter Wasser, berichtet Pjöngjang.

Laternenmast ragt aus dem Wasser. Im Hintergrund städtische Gebäude (Quelle: AP)

Auch die Hauptstadt Pjöngjang versinkt in den Fluten

Die schweren Überschwemmungen in Nordkorea gefährden die Ernte in dem ohnehin verarmten Land. Bis zu 300.000 Menschen seien möglicherweise von den Fluten betroffen, sagte der Regionalsprecher des UN-Welternährungsprogramms, Paul Risley, am Mittwoch (15.8.) in Bangkok der Nachrichtenagentur AFP. "Dies ist eine bedeutende Krise." 30.000 Häuser wurden zerstört. Die Fluten seien die schlimmsten des Jahrzehnts, sagte Terje Lysholm von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC).

Es gebe Anzeichen für große Schäden, sagte Risley. Erforderlich seien eindeutig ein Notfallprogramm zur Nahrungsmittelhilfe und vermutlich auch langfristige Hilfe in diesem Bereich. Mindestens 100.000 Hektar Ackerland seien durch die Fluten völlig zerstört worden, betonte der UN-Experte. Sechs Provinzen seien überschwemmt, am schlimmsten seien die östlichen Provinzen Hamgyong und Kangwon betroffen, sagte IFRC-Delegationsleiter Terje Lysholm. Diplomaten und Hilfsorganisationen sollten nach seinen Angaben noch am Mittwoch durch die überfluteten Regionen geführt werden. Die Schnelligkeit, mit der die Regierung in Pjöngjang diese Reisen organisierte, war nach Angaben Lysholms ein weiterer Hinweis auf die dramatische Lage.

Erhebliche Ernteausfälle

Nach offiziellen Angaben Nordkoreas wurden mehrere hundert Menschen als tot oder vermisst gemeldet. 200 Tankstellen stünden unter Wasser, mehr als 540 Brücken und Teile des Schienennetzes seien zerstört. Die Behörden registrierten zudem mehr als 2000 Dammbrüche an Flüssen und anderen Wasserwegen. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, die 1,1 Millionen Mann umfassende nordkoreanische Armee sei für Wiederaufbauarbeiten im Südwesten des Landes mobilisiert worden.

Menschen arbeiten auf teilweise überflutetem Reisfeld (Quelle: AP)

Pjöngjang: Ein Zehntel der Ackerflächen ist überflutet (Archivbild)

Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichtete, weil die anhaltenden Regenfälle zudem in die Bestäubungszeit fallen, sei keine besondere Ernte zu erwarten. Elf Prozent der Anbauflächen stünden unter Wasser, zitierte die Agentur einen Vertreter des Landwirtschaftsministeriums. Die Schäden seien verheerender als in den vergangenen Jahren, hieß es. In einigen Gegenden des Flusses Taedong sei so viel Regen gefallen wie noch nie seit Beginn der Messungen. Die Agentur berichtete weiter, zwischen dem 7. und dem 11. August seien durchschnittlich 524 Millimeter Regen gefallen. Das seien 52 Millimeter mehr als bei ähnlichen Unwettern vor 40 Jahren.

UN, USA, Südkorea kündigen Hilfen an

Der aus Südkorea stammende UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bot dem stalinistischen Land am Dienstag humanitäre Hilfe an. Er habe die zuständigen Stellen bei den Vereinten Nationen angewiesen, das Ausmaß des Schadens festzustellen, sagte Ban bei einem Treffen mit dem nordkoreanischen UN-Botschafter Pak Gil Yon. Nach Angaben von Bans Sprecherin reiste ein UN-Team bereits nach Nordkorea, um die überschwemmten Gebiete zu besuchen.

Auch die USA und Südkorea kündigten Hilfen an. Der Sprecher des US-Außenamtes, Sean McCormack, sagte, Hilfen Washingtons würden über die UNO koordiniert. Südkoreas Vizeminister für Vereinigung, Seo Sung Woo, sagte, Nordkorea habe bislang noch keine offizielle Anfrage gestellt, doch berieten die Regierungsstellen bereits über eine Entsendung von Hilfen. Bei der Weltgesundheitsorganisation in Genf ging nach Angaben eines Sprechers eine vorläufige Anfrage für Hilfen ein. (rri)

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