Hungerkrisen: Alarm schlagen, bevor es zu spät ist | Afrika | DW | 14.12.2016
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Katastrophen

Hungerkrisen: Alarm schlagen, bevor es zu spät ist

Das UN-Kinderhilfswerk warnt: Fast eine halbe Million Kinder in Nordnigeria werden bald hungern. Bei Krisen versuchen Hilfsorganisationen einzugreifen, bevor es Tote gibt. Doch wie funktioniert ihr Frühwarnsystem?

Die Lage ist dramatisch: Fast 400.000 Kinder in Nordnigeria hungern, warnt das UN-Kinderhilfswerk UNICEF. Und es könnte noch schlimmer werden: "Wenn sie nicht die Hilfe bekommen, die sie brauchen, wird eines von fünf Kindern sterben," warnt UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake.

Auch die Hilfsorganisation Save the Children hat kürzlich auf die dramatische Lage im Nordosten Nigerias hingewiesen. Grund dafür sind nicht Wetterphänomene oder Umweltkatastrophen. Im Norden Nigerias treibt die Terrormiliz Boko Haram die Menschen zu Tausenden in die Flucht.

"Es kommt darauf an, ob die Bevölkerung an einem Ort bleiben, ihre Felder dort bestellen und die Ernte einholen kann", sagt Fiona McSheehy von Save the Children. "Wenn der Regen ausbleibt oder die Menschen vertrieben werden, ist das nicht der Fall. Das Ergebnis ist dasselbe: Sie können sich nicht mehr selbst ernähren."

Ein hungerndes Kind wird von Ärzten versorgt

Vor allem Kinder sind in Nordnigeria vom Hunger bedroht.

"Humanitäre Krise" im Süden Äthiopiens

Sorge auch in Äthiopien: Auf den Märkten steigt der Preis für Getreide, viele Wasserstellen sind völlig ausgetrocknet, Menschen und Tiere haben nicht genug zu essen und zu trinken. Die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen (FAO) warnt vor einer "humanitären Krise" im Süden Äthiopiens. Schon jetzt brauchen nach Angaben der FAO fast zehn Millionen Menschen Lebensmittelhilfen. Es könnten noch viel mehr werden, wenn weiter so wenig Regen fällt und die Dürre kommt.

"Wir versuchen, so früh wie möglich zu warnen und nicht erst, wenn eine Hungersnot unmittelbar bevorsteht. Denn dann ist es meistens zu spät, um noch etwas zu unternehmen", erklärt Neil Marsland von der FAO in Rom. Dafür beobachtet seine Organisation die Lage in den betroffenen Ländern ganz genau, zum Beispiel die Preisentwicklung auf den Märkten oder Gefahren wie Heuschrecken-Plagen und Tierkrankheiten.

Warnen allein reicht nicht

Dazu kommt ein Alarmsystem mit fünf Stufen, das von den meisten internationalen Hilfsorganisationen genutzt wird. Die höchste Stufe: Hungersnot. Sie ist erreicht, wenn 30 Prozent der Bevölkerung akut unterernährt sind, ein großer Teil keine Lebensgrundlage mehr hat und pro Tag mindestens zwei von 10.000 Menschen sterben, weil sie nichts zu essen haben.

Aktuell herrscht zwar nach Angaben der FAO in keinem Land der Welt eine Hungersnot. "Trotzdem ist es für uns sehr wichtig zu beobachten, ob sich die Bevölkerung eines Landes von einer Stufe zur nächsten bewegt. Daran sehen wir, ob sich die Lebensmittelsituation verschlechtert und wir können etwas unternehmen, bevor es zu einer Hungersnot kommt", so Marsland.

Eine Afrikanerin mit 2 Kindern in einem Tragetuch trägt einen großen weißen Sack mit Lebensmittelhilfen auf ihrem Kopf aus einem Lager.

Nicht immer können Hilfsorganisationen die nötigen Hilfsgüter bezahlen (Archiv)

Dann richtet die FAO Warnungen an die Regierungen der betroffenen Länder, an internationale Partner und potenzielle Geldgeber. Aber nicht immer folgen auf die Worte auch Taten. "Bei der Hungersnot in Somalia 2011 kamen die Warnungen sehr früh und sehr deutlich. Aber es ist nichts passiert. Es wurde viel zu spät gehandelt", sagt Marsland. 260.000 Menschen starben damals, schätzt die FAO.

Manche Warnungen verhallten ungehört

Deshalb verbindet die Organisation ihre Warnungen inzwischen mit konkreten Handlungsempfehlungen. Zum Beispiel dieses Jahr, als das Wetterphänomen El Nino auch Somalia heimsuchte: "Wir hatten früh Informationen, dass der Fluss Shebelle über die Ufer treten könnte. Deshalb haben wir den Gemeinden geholfen, die Ufer zu verstärken und die Auswirkungen der Flut in Grenzen zu halten", sagt Marsland.

Aber manchmal, sagt Fiona McSheehy von Save the Children, helfen auch rechtzeitige Warnungen nicht - oder sie werden überhört. "Regierungen und Geldgeber warten mit ihren Reaktionen oft lieber ab, bis die Bevölkerung richtig leidet. Das ist Hinhalte-Taktik."

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