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Politik

Hungerhilfe für Angola in Gefahr

Noch vor kurzem begeisterten die "Schwarzen Antilopen" bei der WM durch ihre ungebremste Spielfreude. Ein Notruf des Welternährungsprogramms erinnert jetzt an die Schattenseite Angolas: hunderttausende Hungerleidende.

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Das World Food Programme (WFP) verteilt Lebensmittel in Angola - nur wie lange noch?

Ausgelassene Angolaner feiern gemeinsam mit Fußball-Fans aus aller Welt die "Underdogs" aus Südwestafrika. Das war vor einem Monat bei der WM 2006 in Deutschland. Im Nachhinein hätte das Welternährungsprogramm (WFP) die damalige Volksfeststimmung und die damit einhergehende mediale Aufmerksamkeit besser nutzen sollen, um auf die katastrophale Ernährungssituation in Angola hinzuweisen. Doch jetzt verhallte der Notruf des WFP, der UN-Hungerhilfe in dem einstigen Bürgerkiegsland drohe ab August das Ende, nahezu ungehört.

WM 2006 - Angola - Fan

Ausgelassener Angola-Fan bei der Fußball-WM 2006

"Bis vor kurzem wussten wir nicht, wie wir die Nahrungsmittellieferungen weiter finanzieren sollten", klagt Sonsoles Ruedas, Country Director des WFP in Angola, im Gespräch mit DW-WORLD.DE. Zwar sei dank der kurzfristigen Bewilligung von Geldern durch die angolanische Regierung die Fortführung des Programms vorerst gesichert - allerdings nur bis Anfang September. "Die internationale Gemeinschaft ist also immer noch gefordert", sagt Ruedas und beziffert die fehlenden Gelder auf rund 12 Millionen Dollar. "Erhielten wir das Geld nicht, wäre das eine humanitäre Katastrophe - vor allem für die Kinder!"

Kinder und Kleinbauern leiden besonders stark

Kinder sind die Hauptzielgruppe des WFP. Im Moment verteilt die Organisation Nahrungsmittel an rund 700.000 Angolaner. Täglich versorgt sie über 150.000 Schulkinder im ganzen Land mit kostenlosen Mahlzeiten. Diese Hilfe wird dringend benötigt, da unter den Folgen des jahrzehntelangen Bürgerkrieges nach Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft 1975 vor allem die Kleinsten leiden. So ist dort die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren die zweithöchste der Welt. Im Human Development Index der UN nimmt das Land einen Platz unter den letzten Zehn ein.

Flüchtlingskind in Angola

Auch dieses Kind ist auf die Lebensmittel vom WFP angewiesen

Die zweite Adressatengruppe des WFP sind Ex-Flüchtlinge, die nach dem Bürgerkrieg in ihr Land zurückkehrt waren und es bisher nicht geschafft haben, sich eine Existenz als Kleinbauern aufzubauen. Dabei sind vor allem die Kleinbauern vom chronischen Hunger betroffen. In der dauerhaften Unterernährung sieht Matin Qaim, Agrarökonom am Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung, denn auch das sehr viel größere Entwicklungsproblem. "Das lässt sich natürlich nicht so fernsehwirksam darstellen wie eine akute Hungersnot - mit ihren Bildern von Kindern mit aufgeblähten Bäuchen - und wird deshalb leider oft vernachlässigt."

"Bauern kommen nicht zum Markt, weil es keine Straßen gibt"

Der Entwicklungsexperte Qaim fordert daher den Aufbau einer vernünftigen Infrastruktur im ländlichen Raum. "Dann könnten landwirtschaftliche Technologien besser adoptiert werden, aber auch Gesundheits- und Bildungsprogramme würden besser greifen."

Auch der vergangene Woche vorgestellte Jahresbericht der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) monierte, dass die Entwicklungshilfe für die am wenigsten entwickelten Länder notwendige Infrastrukturmaßnamen stark vernachlässigt hätte. Zwischen 2002 und 2004 flossen nur 24 Prozent der Gelder in den produktiven Bereich - statt 48 Prozent ein Jahrzehnt zuvor. Michael-Hermann, Co-Autor des Berichts, forderte deshalb eine "neue Balance" zwischen dem sozialen und produktiven Sektor. Denn: "Manche Bauern kommen nicht auf die Märkte, weil es keine Straßen gibt."

Flugzeuge statt "angolanisches Roulette"

Minensuche in Angola

Zwei Minenräumer bei ihrer lebensgefährlichen Arbeit

In Angola wird die Fahrt zum Markt gar zum "angolanischen Roulette": Das südwestafrikanische Land zählt auch vier Jahre nach Kriegsende zu den am meisten verminten Ländern der Welt. Von einer verbesserten Infrastruktur würde deshalb nicht zuletzt auch die Logistik des WFP in Angola profitieren: Wegen der Landminen-Gefahr ist die Hungerhilfe-Organisation im Moment noch bei über der Hälfte ihrer Lebensmittellieferungen auf vier Boeing 727 und zwei Hercules-Flugzeuge angewiesen.

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