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Sprachbar

Hundstage

Hundsgemein, hundemüde, Hundewetter – das wahrscheinlich älteste Haustier der Deutschen ist im Sprachgebrauch eher negativ behaftet. Bei Hundstagen hingegen gehen die Meinungen auseinander.

Audio anhören 06:16

Hundstage – die Folge als MP3

Etwa sieben Millionen Hunde gehören mittlerweile als Haustiere zu Familien, Paaren oder Singles in Deutschland. Hier ist die Rolle des Tieres als „treuer Begleiter“ klar definiert. In der Sprache bleibt sie zwiespältig. Heißgeliebtes Haustier oder untergeordnete Kreatur? Gehen wir mal der Bedeutung des Hundes nach …

Bester Freund des Menschen …

Ein Junge sitzt im Park mit einem Golden Retriever. Der Junge legt seinen Arm um den Hund. Man sieht die beiden von hinten.

Der Hund, dein bester Freund!

Bei den Indogermanen galt er schon als Diener des Menschen, Helfer bei der Jagd sowie Bewacher und Schützer der Herden und des Eigentums. Heutzutage werden Hunde in den unterschiedlichsten Bereichen ausgebildet und als Helfer eingesetzt: So begleiten beispielsweise Blindenhunde sehbehinderte Menschen durch ihren Alltag. In Skigebieten unterstützen Lawinenhunde die Rettungsteams bei der Suche nach verschütteten Personen. Polizeihunde kommen beim Aufspüren von Drogen, Sprengstoff oder Personen zum Einsatz. Der wohl bekannteste unter ihnen, Rex, ist als Star der österreichischen Krimiserie „Kommissar Rex“ bekannt wie ein bunter Hund.

Im privaten Bereich nennt man ihn liebevoll den besten Freund des Menschen und betrachtet den eigenen Hund nicht selten als vollwertiges Familienmitglied. Dem ein oder der anderen dient er womöglich auch als Kindersatz. Man könnte sogar sagen: Er oder sie ist auf den Hund gekommen. Klingt soweit ganz gut …

… oder geprügelter Hund?

Ein Hund liegt traurig auf zeitungen, die auf dem Boden ausgebreitet sind

Es möchte kein Hund so länger leben ...

Aber ist jemand redensartlich auf den Hund gekommen, bedeutet das nicht immer, dass sich diese Person einen Hund angeschafft hat. Es kann auch heißen, dass sie verarmt ist, es ihr nicht gut geht. Noch dramatischer ist es, wenn diese Person vor die Hunde geht, das heißt vollkommen verwahrlost oder sogar stirbt. Auch bei Goethe beklagt sich der unglückliche Faust: „Es möchte kein Hund so länger leben!“

Wie man es auch dreht und wendet, im Sprachgebrauch kommt der Vierbeiner einfach nicht gut weg. „Das ist ja ein dicker Hund!“ werden einige Tierliebhaber sagen und mitnichten von einem übergewichtigen Exemplar sprechen. Der Ausruf ist vielmehr als Zeichen von Empörung über eine große Frechheit zu verstehen.

Da liegt der Hund begraben …

Ein Grab auf einem Hundefriedhof

Hier liegt der Hund im wahrsten Sinne des Wortes begraben

Weitere Redewendungen und Begriffe unterstreichen weniger die dem Hund zugeschriebene Treue und Schutzfunktion, sondern vielmehr dessen gehorsames bis unterwürfiges Verhalten und sein Dasein als – im Vergleich zum Menschen – niedere Kreatur. Ach so! Da liegt der Hund begraben!

Verdient jemand sehr wenig Geld, spricht man von einem Hundelohn, ein schlechter Mensch wird als Hundesohn bezeichnet, und so manch unglücklicher Mensch beklagt sich über sein Hundeleben. Man ist hundemüde, fühlt sich hundeelend und draußen ist es hundekalt – so findet man sich in einer wirklich unerfreulichen Situation wieder. Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Keine Angst, hier wird kein Vierbeiner gebraten. Mit dieser Aussage wird eher großes Erstaunen über etwas geäußert.

Eine uralte Bauernregel

Apropos, braten. Hundewetter lädt nicht unbedingt zu einem Picknick im Freien ein. An Hundstagen sieht das schon anders aus. Aber Vorsicht: Der Begriff Hundstage führt in die Irre. Man könnte meinen, damit seien Tage gemeint, die ganz nach Murphys Gesetz ablaufen: Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen. Aber nein, ganz im Gegenteil! Die Vierbeiner haben auch nur indirekt etwas damit zu tun.

Ein Thermometer steckt im Sand, der Strand ist leer

An Hundstagen will kaum jemand so gern an den Strand!

Immerhin ist es aber ein positiver „Hunde-Begriff“ zwischen den unzähligen negativen. Hundstage nennt man nämlich umgangssprachlich in Europa die heißesten Tage im Hochsommer, genauer gesagt in der Zeit vom 24. Juli bis zum 23. August. Entstanden ist der Ausdruck aus einem meteorologischen Zufall: Im alten Ägypten war der Stern Sirius im Sternbild „Canis Major“ („großer Hund“) erstmals Mitte Juli wieder in der Morgendämmerung zu sehen. Daher glaubte man in der Antike, dass dieser Stern zusätzliche Hitze bringt. Der heutzutage geläufige Begriff Hundstage ist eine Lehnübersetzung vom lateinischen dies caniculares („Tage des Hundssterns“).

Die Hundstage – ein meteorologischer Zufall

Zwischen dem ersten Auftauchen des Sirius und dem Erscheinen des vollständigen Sternbildes vergeht etwa ein Monat. So lässt sich die Dauer der Hundstage erklären. Dass der Stern Sirius jedoch für die Hitze verantwortlich sein soll, ist ein Irrglaube.

Die Zeit der Hundstage hat sich im Laufe der Jahrhunderte etwas verlagert, das Sternbild „Canis Major“ ist beispielsweise in Deutschland frühestens ab dem 30. August zu sehen. Aufgrund der Tradition werden aber weiterhin die heißesten Wochen des Jahres als Hundstage bezeichnet.

Bittere Enttäuschung

Allerdings können Urlauber, die während der Hundstage in Deutschland unterwegs sind, bitter enttäuscht werden. Es kann nämlich durchaus auch mal sein, dass selbst während der Hundstage ein echtes Hundewetter herrscht.



Arbeitsauftrag
Ergänze die Lücken mit Begriffen aus dem Text. Bilde eigene Sätze.

Ich habe heute Nacht nur drei Stunden geschlafen. Ich bin ____________.

Was für ein ____________! Es regnet in Strömen und es ist ______kalt.

Was für eine unglaubliche Geschichte – da wird ja ______________________ verrückt.

Jeder in der Stadt kennt ihn. Er ist _____________________ Hund.

Keiner mag diesen Kerl. Er lügt und ist _____gemein. Ein echter _____________!

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