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Leben unter Plastikplanen

25. Mai 2015

Einen Monat nach dem verheerenden Erdbeben kämpfen viele Nepalesen noch immer mit großen Problemen. Es fehlt an richtigen Unterkünften, der Monsun steht bevor und aus dem Ausland kommt weniger Geld als erwartet.

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Erdbebenopfer in ihrem Zelt in der Hauptstadt Kathmandu (Foto: Kyodo)
Bild: picture alliance/dpa/MAXPPP

Mehr als 8700 Menschen sind bei dem großen Himalaya-Beben vor einem Monat gestorben, etwa eine halbe Million Häuser wurden zerstört. Deshalb müssen noch immer Hunderttausende in provisorischen Konstruktionen aus Bambus und Plastikplanen leben. Die Übergangslösung könnte schon bald zu einem Problem werden, denn in zwei bis drei Wochen beginnt der Monsun und dafür sind die Provisorien nicht ausgelegt.

Viele Hilfsorganisationen seien dazu übergegangen, Wellblech-Stücke an die Hilfsbedürftigen zu verteilen, erklärt Johanna Mitscherlich von "Care". Sie könnten auch nach der Regenzeit beim Bau der Häuser verwendet werden. "Normalerweise wird in Nepal mit Ziegeln und Lehm gebaut, aber das wollen die Menschen nicht mehr, sie suchen nach Alternativen", so Mitscherlich. Die Bevölkerung befürchtet, bei einem erneuten Beben wieder Familienmitglieder zu verlieren. Die internationale Gemeinschaft müsse die Überlebenden deshalb darüber aufklären, wie sie erdbebensicherer bauen können, fordert Mitscherlich.

Bürokratie bremst Wiederaufbau

Den Helfern machen vor allem die vielen kleinen Nachbeben zu schaffen. Zuletzt zitterte die Erde am Montagmorgen wieder mit der Stärke 5,0. Und am Wochenende blockierte ein Erdrutsch den Fluss Kali Gandaki, worauf sich ein rund zwei Kilometer langer Stausee bildete. Nach Behördenangaben flohen mehr als 15.000 Menschen aus Angst vor einer drohenden Flutwelle aus ihren Dörfern. Inzwischen fließe das Wasser aber wieder normal.

Völlig zerstörte Häuser im östlich von Kathmandu gelegenen Distrikt Dolakha (Foto: DW)
Völlig zerstörte Häuser im östlich von Kathmandu gelegenen Distrikt DolakhaBild: DW/A. Francis

Und auch die zähe nepalesische Bürokratie und Korruption im benachbarten Indien bremsen die Hilfsmaßnahmen aus. Von dort werden die meisten Hilfsgüter importiert. "Es hat zwei Wochen gedauert, bis die ersten LKW aus Indien hier waren", erklärt Thomas Hoerz, ein deutscher Caritas-Mitarbeiter vor Ort. Zudem sei der für die Helfer wichtige Flughafen von Kathmandu völlig überlastet.

Große Solidaritätswelle

Auch die Nepalesen selbst sind frustriert über die schleppende Erdbebenhilfe ihrer Regierung. Seit Ende des Bürgerkriegs 2007 steckt das Land in einer politischen Krise. Die ohnehin schwachen staatlichen Institutionen sind angesichts der großen Aufgaben völlig überfordert. Doch das große Erbeben hat die Bevölkerung zusammengeschweißt. Die Solidarität ist enorm. Selbst Auslandsnepalesen kommen in die alte Heimat, um zu helfen.

UN kritisiert Geberländer

Unterstützung beim Wiederaufbau kommt auch aus Hollywood. Die Schauspielerin Susan Sarandon besuchte am Sonntag das Dorf Ramkot im Kathmandu-Tal, um sich selbst ein Bild von der Katastrophe zu machen. Bei ihrem Besuch sprach sie mit den Einwohnern und versprach, sie beim Bau neuer Unterkünfte zu unterstützen. Außerdem will sie zeigen, dass Touristen noch immer Nepal besuchen können. Der Tourismus ist die zweitgrößte Einnahmequelle des bitterarmen Landes, das dringend viel Geld benötigt.

Aus dem Ausland wurde zwar finanzielle Unterstützung angekündigt, doch nach Angaben der Vereinten Nationen reicht das Geld bei weitem nicht aus. Bis zum Wochenende seien von den Geberländern lediglich 92,4 Millionen US-Dollar zugesagt worden, heißt es aus dem UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten. Benötigt würden aber mehr als 420 Millionen.

djo/stu (afp, dpa, kna)