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Politik

Hunderttausende geben Benazir Bhutto letztes Geleit

Tiefe Trauer und unbändige Wut: Hunderttausende Pakistaner scharten sich um den Sarg der ermordeten Oppositionsführerin Benazir Bhutto. Viele machen Staatschef Musharraf für ihren Tod verantwortlich.

Tausende Anhänger Bhuttos nahmen an der Beisetzung teil (28.12.2007)

Tausende Anhänger Bhuttos nahmen an der Beisetzung teil

Der lange Trauerzug macht es offenbar: Die Ermordung der pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto ist für ihr Land eine schreckliche Tragödie. Hunderttausende Menschen scharten sich am Freitag (28.12.2007) in dem Ort Ghari Khuda Baksh um den Sarg der ehemaligen Ministerpräsidentin, auf die am Vortag ein Attentäter tödliche Schüsse abgegeben hatte. In einem schlichten Holzsarg wurde der Leichnam der früheren Premierministerin zum Familiengrab rund 200 Kilometer nördlich der Hafenmetropole Karachi gebracht.

Beisetzung Bhuttos in Garhi Khuda Bakhsh (28.12.2007, Quelle: AP)

Bhutto wurde im Mausoleum ihrer Familie beigesetzt

In ihrer Trauer schlugen sich die Menschen vor die Brust und wehklagten, während sie Bhuttos Sarg zum Mausoleum ihrer Familie geleiteten. Der Sarg war mit einer schwarz-rot-grünen Fahne ihrer Pakistanischen Volkspartei PPP bedeckt. Im Mausoleum findet die Politikerin an der Seite ihres Vaters und ihrer zwei Brüder ihre letzte Ruhestätte. Ihr Vater Zulfikar Ali Khan Bhutto, wurde 1977 als Regierungschef vom Militär gestürzt und zwei Jahre danach hingerichtet, auch ihre Brüder kamen gewaltsam ums Leben.

Anhänger machen Musharraf verantwortlich

Zur Beerdigung waren auch Bhuttos Ehemann Asif Ali Zardari und ihre drei Kinder nach Pakistan gereist. In Sprechchören machten Bhuttos Anhänger Präsident Pervez Musharraf für die Ermordung der 54-Jährigen verantwortlich. "Zerstört Musharraf. Er hat unsere Führerin getötet", riefen sie.

Die Sicherheitskräfte in der Provinz Sindh erhielten den Befehl, auf Randalierer zu schießen. In Hyderabad eröffnete die Polizei das Feuer, nachdem Banken, Geschäfte und Autos in Brand gesetzt worden waren. Im Nordosten des Landes kamen vier Menschen ums Leben, als eine Autobombe explodierte.

Ein Polizist feuert mit Tränengas auf Demonstranten (28.12.2007, Quelle: AP)

Unruhen in Rawalpindi am Tag nach dem Attentat

Mehr als zwei Stunden dauerte es, bis der weiße Krankenwagen mit Bhuttos Sarg vom Familiensitz in der Nähe von Naudero durch die Menge ihrer Anhänger zum Familiengrab gelangte. Die Menschen drängten sich an den Wagen, sie wollten Bhutto ganz nah sein. Ihr Engagement für ihr Land hat mit dem Attentat ein tragisches Ende genommen - ihre Anhänger quält die Frage, wer die Lücke schließen soll, die Bhutto hinterlässt.

"Wir sind Waisen"

An dem Mausoleum mit seinen drei weißen Kuppeln wurde Bhuttos Sarg mit lauten Rufen empfangen. Einige Menschen waren auf das Dach der Grabstätte geklettert, um besser sehen zu können. Im Mausoleum sprach ein muslimischer Geistlicher Beerdigungsgebete für die Politikerin. Draußen machte die Menge mit Parolen wie "Wir sind Waisen" und "Gott sei Dank, dass Benazir unschuldig war" ihrer Wut über die Bluttat Luft.

Die pakistanische Regierung verdächtigt das Terrornetzwerk El Kaida der Drahtzieherschaft des Attentats. Denn Bhutto habe auf einer Todesliste der Organisation gestanden. El Kaida hatte sich laut Medienberichten zu dem Anschlag bekannt. Der Chef des Terrornetzes in Afghanistan, Mustafa Abu al-Yazid, habe den Mord in einem Telefonat als "ersten großen Sieg" gegen die Verbündeten des Westens in Pakistan bezeichnet, schrieb die Zeitung "Asia Times".

Erste Ministerpräsidentin eines islamischen Landes

Trauernde Frauern in Gari Khuda Bux (28.12.2007, Quelle: AP)

Pakistan trauert um Benazir Bhutto

Bhutto war die erste Frau an der Spitze eines islamischen Landes. Sie war zweimal, zuerst zwischen 1988 und 1990 und dann zwischen 1993 und 1996 Ministerpräsidentin. Ihre Regierungen scheiterten jedoch an Korruptionsvorwürfen. Bei der für den 8. Januar angesetzten Parlamentswahl wollte sie erneut antreten. Ihr wurden große Chancen im Rennen gegen Musharrafs Regierungslager eingeräumt. Schließlich war sie immer noch sowohl in den Städten als auch bei der armen Landbevölkerung Pakistans sehr beliebt.

Als Bhuttos Sarg in das Grab hinabgelassen wurde, liefen ihrem Ehemann Asif Zardari Tränen über das Gesicht. Der gemeinsame Sohn Bilawal steht offenbar unter Schock. Bhuttos Mann und ihre drei Kinder hatten den Leichnam der Politikerin auf dem Flug vom Anschlagsort Rawalpindi in ihre Heimatprovinz Sindh begleitet. Erst vor gut zwei Monaten war Bhutto nach achtjährigem Exil nach Pakistan zurückgekehrt, um dort erneut eine führende politische Rolle zu spielen. Wie gefährlich das war, wurde bereits unmittelbar nach ihrer Rückkehr deutlich: Bei einer Willkommensparade in Karachi kamen 139 Menschen durch einen Anschlag ums Leben. Damals entging Bhutto der Bluttat knapp. (mg)

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