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Asien

Hunderttausende fliehen aus Kirgisistan

Bei den Unruhen in Kirgisistan sollen mehrere hundert Menschen getötet worden sein. Zudem gibt es Anzeichen, dass die Auseinandersetzungen gezielt geschürt wurden. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht.

Weinende kirgisische Frau hinter Stacheldrahtzaun (Foto: AP)

Trauer über Tote und Vermisste

In Usbekistan ist eine erste internationale Hilfslieferung für Zehntausende Flüchtlinge aus Kirgisistan eingetroffen. Ein Flugzeug mit 800 Zelten des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sei am Mittwoch (16.06.2010) in der ostusbekischen Stadt Andischan gelandet, sagten örtliche Vertreter des Katastrophenschutzministeriums. Im Laufe des Tages sollten zwei weitere Hilfsflüge des UNHCR eintreffen.

Der Besuch in der Leichenhalle in Osch am Dienstag: Für die Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) war es ein Besuch der Trauer, des Schreckens und der Gewissheit, dass deutlich mehr Menschen seit Beginn der Unruhen in Südkirgisistan ums Leben gekommen sind, als zunächst vermutet. Bislang haben die Behörden den Tod von 178 Menschen bestätigt.

Weinende Frau hält zwei Fotos mit den Bildern ihrer vermissten Enkel in die Höhe (Foto: AP)

Diese Frau vermisst ihre Enkelkinder, von denen sie auf der Flucht nach Usbekistan getrennt wurde

Bis zu 700 Tote?

Einsatzkräfte des IKRK hätten vor Ort festgestellt, dass die Opferzahl wesentlich höher sein müsse als bisher angegeben, sagte IKRK-Sprecher Christian Cardon in Genf. Teilweise würden die Leichen in dem zentralasiatischen Land aus traditionellen Gründen sofort bestattet werden und daher nicht registriert. Die usbekische Minderheit spricht sogar von bis zu 700 Toten. Nach Schätzungen des Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sind insgesamt 275.000 Menschen auf der Flucht vor der Gewalt.

Kurmanbek Bakijew (Foto: DW)

Ex-Präsident Bakijew dementierte im Exil die Vorwürfe

Ex-Präsident soll mitverantwortlich sein

Angesichts des Flüchtlingsstroms hat das Nachbarland Usbekistan seine Grenze geschlossen, nur schwerverletzte Menschen dürften einreisen.

Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Kirgisen und Angehörigen der usbekischen Minderheit hatten am Donnerstag vergangener Woche in den südlichen Städten Osch und Dschalalabad begonnen. Die Hinweise verdichten sich, dass der vor zwei Monaten gestürzte Präsident Kurmanbek Bakijew hinter den Auseinandersetzungen steckt. "Niemand bezweifelt, dass er beteiligt ist", sagte Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa.

Rosa Otunbajewa (Foto: AP)

Übergangspräsidentin Otunbajewa hofft auf ein Ende der Unruhen

Unruhen gezielt geschürt

Der stellvertretende kirgisische Sicherheitschef Kubat Baibalow berichtete, dass eine ausgebildete Gruppe von bewaffneten Männern aus dem angrenzenden Tadschikistan vergangene Woche aus einem Auto mit getönten Fensterscheiben das Feuer auf Usbeken und Kirgisen eröffneten, um beide Gruppen gegeneinander aufzuwiegeln. "Ihre Auftraggeber stehen der Familie Bakijews nahe", sagte Baibalow.

Zuvor hatte die kirgisische Regierung mitgeteilt, dass Verdächtige aus Tadschikistan, Afghanistan und Kirgisistan bei ihrer Festnahme ausgesagt hätten, im Auftrag von Bakijew-Anhängern die Unruhen geschürt zu haben. Bakijew, der nach seinem Sturz nach Weißrussland geflohen war, wies jegliche Verantwortung für die Ausschreitungen zurück. Die Vereinten Nationen sprachen zuletzt davon, dass die Unruhen Züge ethnischer Säuberungen trügen.

Männer tragen eine Bahre mit einem Verletzten (Foto: AP)

Nur Schwerverletzte können noch über die Grenze

Volksabstimmung soll stattfinden

Trotz aktueller Berichte über Feuergefechte zwischen Kirgisen und Angehörigen der usbekischen Minderheit spricht Otunbajewa von einer Verbesserung der Lage in der Konfliktregion. In der Nacht hatten sich die verfeindeten Lager mit Granaten beschossen, teilte die Interimsregierung in der Hauptstadt Bischkek am Mittwoch mit. Eine Bitte um internationale Friedenstruppen nahm die Übergangspräsidentin wieder zurück. "Wir hoffen, mit der Situation mit unseren eigenen Kräften fertig zu werden", erklärte sie. An der geplanten Volksabstimmung über eine neue Verfassung am 27. Juni soll festhalten werden.

Der UN-Vertreter in Bischkek, Miroslav Jenca, forderte zudem, dass neben der Volksabstimmung auch die für Oktober geplante Parlamentswahl stattfinden müsse. Er wurde in seinem Anliegen vom deutschen Botschafter in Kirgisistan unterstützt. Die EU teile diese Position, sagte Holger Green. Die Europäische Union stellte fünf Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung.

Karte von Kirgisistan (Foto: Dw-Grafik)

Die Unruhen zwischen Kirgisen und der usbekischen Minderheit dauern seit fast einer Woche an

USA schicken Diplomaten

Die USA wollen mit Robert Blake einen hochrangigen Diplomaten in das zentralasiatische Land schicken. Blake ist im US-Außenministerium für Süd- und Zentralasien zuständig und werde am Freitag in die Hauptstadt Bischkek reisen. Dort wolle er mit kirgisischen Vertretern über die Lage beraten, kündigte ein Sprecher des US-Außenministeriums an. Die USA hätten erkannt, dass vor Ort kurzfristig dramatische humanitäre Bedürfnisse entstünden. Es soll über Hilfsmaßnahmen gesprochen werden. Blake habe bereits mit Otunbajewa telefoniert. Er werde auch in das usbekische Fergana-Tal reisen, wo die meisten Flüchtlinge aus Kirgisistan ausharren.

Autorin: Marion Linnenbrink (afp, apn)
Redaktion: Annamaria Sigrist

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