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Politik

Hunderte von Opfern bei Bombenserie

Es war der schlimmste Terroranschlag seit dem Sturz des Saddam-Regimes: Mindestens 220 Menschen kamen in Sindschar ums Leben, mindestens 400 wurden verletzt.

Polizisten vor Wrack eines explodierten Autos (Quelle: AP)

Gewalt im Irak: Bei neuen Massakern sterben hunderte Menschen

Ein Krankenhausdirektor in Sindschar nannte dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira sogar 500 Todesopfer. Diese Zahl wurde jedoch von den Behörden zunächst nicht bestätigt. Der Anschlag in zwei Vororten, die von kurdischen Jesiden bewohnt werden, löste in Bagdad und auch international Empörung aus.

Bomben auf die "Teufelsanbeter"

Die Attentate ereigneten sich den Behörden zufolge in den Dörfern El Khatanijah und El Adnanijah. Dabei brachten die Selbstmord-Attentäter in den Dörfern der nordirakischen Provinz Nineve unter anderem einen Tanklastwagen zur Explosion. Viele der Opfer sollen laut örtlichen Medienberichten Mitglieder der Religionsgruppe der Jasidi sein, von denen etwa 350.000 in und um Mossul leben. In letzter Zeit wurde über zunehmende Spannungen zwischen den Jasidi und Muslimen berichtet. Von vielen Muslimen werden die jesidischen Kurden abgelehnt und als "Teufelsanbeter" beschimpft. In der Region rund um die Stadt Mossul war es wiederholt zu Spannungen zwischen den Jesiden und sunnitischen Muslimen gekommen.

Mann greift durch offenes Fenster in ein ausgebranntes Autowrack (Quelle: AP)

Ein irakisches Autowrack nach einem US-Angriff in Sadr-City

Die Krankenhäuser im Nordirak hatten nach offiziellen Angaben Mühe, die große Zahl der Anschlagsopfer zu versorgen. "Dutzende Menschen kommen, um Blut zu spenden, damit die Verletzten überleben", sagte der Bürgermeister. Die Verletzten seien in sieben Kliniken in der Region eingeliefert worden. 70 Häuser seien zerstört worden. Während die Bergungsarbeiten fortgesetzt wurden, verhängten die Behörden der Provinz Ninive eine Ausgangssperre über den Ort. Beim Transport von Verletzten, die in dem überfüllten Krankenhaus von Sindschar nicht behandelt werden konnten, halfen US-Soldaten. Ein Teil der Verletzten wurde nach Dohuk an der Grenze zur Türkei gebracht. Sindschar liegt nahe der syrischen Grenze.

"Schwarzer Terror"

Der irakische Staatspräsident Dschalal Talabani, ein Kurde, erklärte, dieses "verabscheuungswürdige Verbrechen" sei ein weiterer Beweis dafür, dass der "schwarze Terror" derjenigen, die andere zu Ungläubigen erklärten, niemanden im Irak verschone. Auch der sunnitische Rat der Religionsgelehrten verurteilte den Anschlag. Er machte die "Besatzungstruppen und die Regierung" für den Mangel an Sicherheit verantwortlich und erklärte, hinter der Bombenserie steckten Menschen, die versuchten, "die irakische Landkarte neu zu zeichnen" und die demographischen Verhältnisse zu ändern.

Die US-Regierung verurteilte die Anschläge als "heimtückische und herzlose Morde". Die Attacken zeigten erneut, wie weit Extremisten "zu gehen bereit sind, um den Irak daran zu hindern, ein stabiles und sicheres Land zu werden", zitierten US-Medien die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino.

Die Attentatserie zählt zu den folgenschwersten seit dem Einmarsch US-geführter Streitkräfte im Irak 2003. Noch höher war die geschätzte Opferzahl mit mindestens 202 Toten und 256 Verletzten am 23. November 2006 bei den Attentaten von Sadr City. Am 2. März 2004 hatte es mehr als 170 Tote und 550 Verletzte bei Attentaten auf die den Schiiten heilige Stadt von Kerbala und eine Bagdader Moschee gegeben.

Mehr Tote auch in Bagdad

Soldaten vor großen Wrackteilen (Quelle: AP)

Abgestürzt: Ein Chinook-Helikopter der US-Streitkräfte (Archivbild)


Eine weitere Explosion ereignete sich nach Angaben der Agentur Aswat al Irak am gleichen Tag nördlich von Bagdad. Dort wurde durch die Explosion eines mit Sprengstoff beladenen Tankwagens eine wichtige Brücke zerstört. Zehn Zivilisten seien bei der Explosion auf der Brücke in Tadschi ums Leben gekommen. Bei Schießereien in Bagdad starben mindestens elf weitere Menschen. In Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City töteten die US-Truppen am Dienstag nach eigenen Angaben vier mutmaßliche Angehörige der Miliz des radikalen Predigers Muktada al-Sadr.

Irakischer Minister entführt

Nuri el Maliki sitzt vor einer Wand an der Stirnseite eines Konferenztisches, Männer in Anzügen entlang beider Seiten des Tisches (Quelle: AP)

Regierungskrise: Der irakische Premier Nuri el Maliki (mitte) trifft sich mit örtlichen Regierungsmitarbeitern in Bagdad (Archivbild)


Unbekannte bewaffnete Männer hätten den Minister Dschaber al-Wagaa aus einem Bürogebäude verschleppt, teilte die Polizei mit. Al-Wagaa werde an einem unbekannten Ort festgehalten, hieß es weiter. Wer hinter der Entführung steht, war zunächst unklar. (rri/sams)

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