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Nahost

Hunderte Tote bei Unglück in Bagdad

Bei einer Massenpanik auf einer Tigris-Brücke in Bagdad sind am Mittwoch mehr als 900 schiitische Pilger getötet worden. Gerüchte über einen Selbstmordattentäter in der Menge sollen die Ursache gewesen sein.

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Trauer um die Getöteten

Bei der Massenpanik in Bagdad sind mindestens 953 Menschen ums Leben gekommen und 815 weitere verletzt worden, wie das Innenministerium am Donnerstagmorgen (1.9.2005) bekannt gab. Zahlreiche der Verletzten befinden sich in kritischem Zustand. Krankenhausärzte und Augenzeugen berichteten, ein Teil der Menschen sei am Mittwoch im Gedränge erstickt oder zu Tode gequetscht worden. Andere fielen von der Brücke 30 Meter in die Tiefe und ertranken im Tigris.

Unglück über dem Tigris, Bagdad, Irak

Schuhe der Verunglückten

Unklar ist, ob ein Gerücht die Katastrophe auslöste: Es hieß, ein Selbstmordattentäter habe sich unter die Gläubigen gemischt und wolle in ihrer Mitte eine Bombe zünden. Das berichtet zumindest der Fernsehsender Al-Arabija.

Mörsergranaten auf Pilger

Fernsehberichten zufolge strömten insgesamt rund eine Million Pilger zum Heiligtum des Imam Mussa al Kadim im Norden von Bagdad, dessen Todestag alljährlich begangen wird. Zwei Stunden vor der Panik wurde die Pilger mit Mörsern und Raketen beschossen, die sich am Schrein versammelt hatten. Dabei wurden sieben Menschen getötet und mindestens 40 verletzt.

Die US-Armee erklärte, ihre Soldaten hätten von Hubschraubern aus beobachtet, wie Terroristen Granaten abfeuerten, die in der Nähe der Moschee niedergingen, die den Schrein beherbergt. Die Soldaten hätten vom Hubschrauber aus auf die Angreifer gefeuert. Mehr als ein Dutzend Verdächtige seien später festgenommen worden.

Mindestens sechs weitere Menschen sind gestorben, weil sie in der Umgebung der Moschee verdorbene Speisen und Getränke zu sich genommen hatten, berichtete die Polizei.

Massenpanik in Bagdad

Massenpanik in Bagdad

Während die Helfer noch versuchten, Menschen aus dem Fluss zu ziehen, setzte ein Teil der Pilger die religiösen Rituale am Grab des Imams fort. Übergangs-Ministerpräsident Ibrahim al-Dschafari ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Wie viele Ausländer unter den Toten sind, war zunächst unklar. Zu dem religiösen Fest kommen auch schiitische Muslime aus Iran und anderen islamischen Staaten nach Bagdad.

"Terroristen, Saddamisten und radikale Extremisten"

Ranghohe Schiiten haben Anhänger des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein und moslemische Rebellen für die Massenpanik verantwortlich gemacht. Ammar al-Hakim von dem Obersten Rat für die Islamische Revolution im Irak sagte der Nachrichtenagentur Reuters, "Terroristen, Saddamisten und radikale Extremisten" hätten bewusst Gerüchte über einen bevorstehenden Selbstmordanschlag gestreut. Diese hatten die Panik auf einer Brücke ausgelöst. Auch ein Sprecher des radikalen Schiitenführers Moktada al-Sadr machte Aufständische für die Gerüchte verantwortlich. Die Rebellen werden überwiegend den Sunniten zugerechnet. (sams)