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Afrika

Hunderte Tote bei religiösen Unruhen

Der Konflikt zwischen Muslimen und Christen in Nigeria ist erneut eskaliert. Muslimische Nomaden sollen mehrere von Christen bewohnte Dörfer überfallen haben. Hat die Armee zu spät eingegriffen?

Wie zuletzt im Januar kam es in Jos wieder zu Unruhen (Foto: AP)

In der zentralnigerianischen Stadt Jos kommt es häufig zu religiösen Unruhen.

Bei Überfällen auf mehrere Dörfer in Nigeria sind mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen. Das sagte ein Sprecher im zentralen Bundesstaat Plateau. Die Unruhen begannen in der Nacht zum Sonntag (07.03.2010). Laut Behörden überfielen Bewaffnete in der Nacht zeitgleich bis zu drei Dörfer nahe der zentralnigerianischen Stadt Jos. Bei dem Angriff auf das Dorf Dogo Nahawa seien vor allem Frauen und Kinder die Opfer gewesen. Südlich von Jos kam es zu neuen Gewaltausbrüchen mit weiteren Todesopfern. 95 Menschen wurden festgenommen.

Das muslimische Nomadenvolk der Fulani soll für die Attacken auf Angehörige der mehrheitlich christlichen Berom-Volksgruppe verantwortlich sein. Christliche Religionsführer in Zentralnigeria haben Vorwürfe gegen die Armee erhoben. In einer Stellungnahme klagte der Rat christlicher Kirchenführer, die in Jos stationierten Truppen seien benachrichtigt worden, als das christliche Dorf Dogo Nahawa von muslimischen Nomaden belagert wurde. Die Soldaten seien jedoch erst Stunden später in dem fünf Kilometer entfernten Dorf eingetroffen. "Wir haben kein Vertrauen mehr in die Armee wegen ihrer Vorbehalte gegen Christen", kritisierte der Rat.

Mitarbeiter des Roten Kreuz im Einsatz in Nigeria (Foto: AP)

Versorgung von Verletzten bei den Unruhen in Jos im Januar 2010

Letzte Unruhen im Januar

Der Bundesstaat Plateau ist häufig Schauplatz gewaltsamer ethnischer und religiöser Auseinandersetzungen. Erst im Januar war die Region von blutigen Unruhen zwischen Christen und Muslimen erschüttert worden. Dabei kamen bis zu 300 Menschen ums Leben. Auch in früheren Jahren war Plateau Zentrum religiöser Kämpfe mit zum Teil mehr als 1000 Toten. Wirtschaftliche Konkurrenz christlicher und muslimischer Gruppen löste in der Vergangenheit blutige Gewalt zwischen den Gruppen aus.

Wegen der Erkrankung des muslimischen Präsidenten Umaru Yar'Adua übt seit einigen Wochen dessen christlicher Stellvertreter Goodluck Jonathan das Präsidentenamt aus, obwohl erst bei den Präsidentenwahlen im kommenden Jahr ein christliches Staatsoberhaupt gewählt werden könnte.

Armut trotz Ölvorkommen

Goodluck vertritt den erkrankten muslimischen Präsidenten Umaru Yar'Adua (Foto: AP)

Jonathan Goodluck übernahm als christlicher Stellvertreter das Präsidentenamt

Nigeria ist mit mehr als 140 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Trotz reicher Ölvorkommen lebt jeder zweite Nigerianer unterhalb der Armutsgrenze. Christen und Muslime haben in Nigeria jeweils einen Bevölkerungsanteil von etwa 50 Prozent. In der Politik wird traditionell auf ein Gleichgewicht zwischen dem überwiegend islamischen Norden und dem christlichen Süden geachtet. In zwölf nördlichen Bundesstaaten gilt seit 1999 die islamische Rechtsprechung Scharia auch im Strafrecht. Schon bei der Einführung des islamischen Rechts war es zu religiös-ethnischer Gewalt gekommen.

Autor: Stefanie Zießnitz (afp, dpa, rtr)

Redakteur: Dirk Eckert

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