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Nahost

Hunderte Opfer nach Massenpanik im Irak

Bei einer Massenpanik unter schiitischen Pilgern sind in Bagdad mehr als 700 Menschen gestorben. Auslöser der Katastrophe waren Gerüchte über einen Selbstmordattentäter in der Menschenmenge.

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Schuhe der Opfer am Ufer des Tigris'

Die Opfer wurden auf einer Tigris-Brücke erdrückt, zu Tode getrampelt oder ertranken im Fluss, in den sie in ihrer Verzweiflung gesprungen waren. Das

Gesundheitsministerium meldete am Mittwochabend (31.8.2005) mindestens 769 Tote und 307 Verletzte, überwiegend Frauen, Kinder und alte Menschen.

Gezielte Gerüchte?

Die Menschen waren auf dem Weg zu einem Fest in einer Moschee im Norden der Stadt, als Gerüchte aufkamen, es habe sich ein Selbstmordattentäter unter die Menge gemischt. Viele Opfer wurden auf einer Brücke zu Tode getrampelt. Zahlreiche Pilger versuchten sich durch einen Sprung in den Tigris zu retten und ertranken. Die Regierung und ranghohe Schiiten lasteten das Unglück irakischen Rebellen an, die gezielt die Gerüchte und damit die Panik verbreitet hätten. Nach dem Vorfall droht eine Eskalation der ohnehin großen Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten im Irak. Die meisten Aufständischen sind Sunniten.

Pilger im Irak

Der schiitische Pilgerzug vor der Massenpanik

Der Augenzeuge Fadhel Ali berichtete, wie auf der Brücke Panik ausbrach: "Alle fingen an zu schreien. Da sprang ich von der Brücke in den Fluss, schwamm und erreichte das Ufer. Ich sah, wie nach mir Frauen, Kinder und alte Männer ins Wasser fielen." In ersten Berichten hatte es geheißen, das Brückengeländer sei weggebrochen. Auf Fernsehbildern war später jedoch zu sehen, dass es intakt geblieben war.

Jährlicher Pilgerzug

Am Mittwochmorgen waren hunderttausende Gläubige zur Grabmoschee des Imams Mussa al Kadim gepilgert, dessen Todestag im Jahre 799 alljährlich begangen wird. Die Lage war äußerst gespannt, weil die Umgebung des Heiligtums kurz zuvor mit Mörsern und Raketen beschossen worden war. Dabei wurden mindestens sieben Menschen getötet und etwa 40 verletzt. Amerikanische Kampfhubschrauber feuerten auf die Angreifer, wie die US-Streitkräfte mitteilten.

Unglück auf einer Brücke über dem Tigris, Pilger kommen um

Eine Frau trauert um ihre Mutter.

Der irakische Ministerpräsident Ibrahim al Dschaafari, selbst ein Schiit, ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. In der Vergangenheit wurden schiitische Feste im Irak mehrfach von sunnitischen Extremisten angegriffen. Der bislang schwerste Zwischenfall ereignete sich am 2. März 2004: Bei Bombenanschlägen auf schiitische Moscheen in Kerbela und Bagdad kamen an einem Tag mindestens 181 Menschen ums Leben. Nach der Katastrophe vom Mittwoch sagte der führende sunnitische Geistliche Haith al Dhari dem Fernsehsender Al Dschasira, der Irak sei von einer weitere Tragödie heimgesucht worden. Er spreche allen davon Betroffenen sein Mitgefühl aus. (mik)

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