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Politik & Gesellschaft

Hunderte Flugausfälle auch in Deutschland

Gut ein Jahr nach dem großen Vulkanasche-Chaos müssen Passagiere erneut Geduld aufbringen. Weil die Asche des isländischen Vulkans Grímsvötn auch Norddeutschland erreicht hat, blieben viele Flieger am Boden.

Flughafenbesucher gehen an der Anzeigetafel vorbei, die Flüge sind alle 'gestrichen' (Foto: dapd)

Der Flugbetrieb im Norden Deutschlands ist beeinträchtigt

"Der Flug ist verlegt oder fällt aus, bitte sprechen Sie mit Ihrer Fluggesellschaft." - dieser Satz betraf und betrifft am Mittwoch (25.05.2011) tausende Passagiere an den Flughäfen Hamburg, Bremen, Lübeck und seit dem späten Vormittag auch in Berlin.

Denn die Deutsche Flugsicherung (DFS) verhängte Flugverbote für Norddeutschland. Damit fielen und fallen rund 700 Starts und Landungen für diesen Tag aus. Teilweise besteht aber noch die Möglichkeit, dass die Flieger verspätet am Nachmittag starten und landen können.

Informationen und Feldbetten

Eine junge Frau sitzt auf einem Stuhl im Wartebereich und schläft (Foto: dapd)

Lange Wartezeiten in Hamburg

"Einige Fluggesellschaften haben ihre Starts auf 13 Uhr oder 17 Uhr verlegt. Andere haben die Flüge annulliert", erklärte beispielsweise die Sprecherin des Flughafen Hamburg, Katja Tempel. Nach dem nächtlichen Flugverbot war der Betrieb am Mittwochmorgen in Hamburg gar nicht erst aufgenommen worden, erklärte Tempel weiter. Das von der Deutschen Flugsicherung (DFS) verhängte Flugverbot ist am Mittag wieder aufgehoben worden.

Der Flughafen hat die ungewöhnliche Situation nach eigenen Angaben gut gemeistert. So sei mehr Personal im Einsatz gewesen, um Passagiere zu informieren. Zudem wurde ein Vorrat an Feldbetten, Decken und Wasser angelegt. Tempel erklärte, dass die Passagiere sich an die Fluggesellschaften wenden mussten, um weitere Informationen zu erlangen. Denn alle Airlines hatten nach Bekanntgabe des Verbots unterschiedlich agiert und teilweise die Flüge nur verschoben.

In Bremen läuft der Flugbetrieb nach sechsstündigem Stillstand wieder. Nach Angaben von Flughafensprecher Florian Kruse fielen zwischen 5 Uhr früh und 11 Uhr vormittags rund 50 Abflüge und Ankünfte aus. Betroffen waren nicht nur innerdeutsche sondern auch europäische Flüge.

Flugverbot in Berlin

Ein Satellitenbild mit Wolke und Aschewolke (Foto: ESA/dapd)

Die Aschewolke zieht weiter

Der Luftraum für die Berliner Flughäfen ist wohl noch bis 14 Uhr gesperrt. Nach Angaben der DFS gibt es seit 11 Uhr keine Start- und Landeerlaubnis mehr. Schuld an dem Flugverbot ist die aktuelle Wetter- und Windsituation. Eigentlich hatte man sich bei der DFS erhofft, dass der Wind die Aschewolke Richtung Nord-Nordost von der Hauptstadt wegdrücken wird. Jetzt ist die Wolke aber doch zu nahe gekommen.

Verschont blieb Hannover. "Die Aschewolke zieht an Hannover vorbei", sagte der Sprecher der DFS, Axel Raab, zur aktuellen Situation für den weiteren Airport in Norddeutschland.

Der größte deutsche Flughafen in Frankfurt war bislang nur mittelbar betroffen. Die Fluggäste mit Ziel Bremen, Lübeck oder Hamburg erhielten als Entschädigung Zugtickets, damit sie ihre Ziele doch noch erreichen konnten.

Erste Flugausfälle am Dienstag

Mann sitzt auf einem Sitz im Flughafen-Wartebereich und wartet (Foto: AP)

In Edinburgh saßen die Fluggäste fest

Schuld an den Flugausfällen ist wieder einmal Vulkanasche aus dem Norden. Seit dem Ausbruch des isländischen Grimsvötn am Samstag zieht eine Aschewolke Richtung Westeuropa. Bereits am Dienstag wurden nach Angaben der europäischen Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol europaweit 500 Flüge wegen zu hoher Aschekonzentration in der Atmosphäre gestrichen. Zumeist handelte es sich um Flüge von oder nach Schottland oder Nordengland.

Für die betroffenen Fluggäste ist und war die Situation ärgerlich. Aber angesichts von täglich rund 29.000 Starts und Landungen in Europa waren die Auswirkungen noch eher gering. Und schon für den Mittwoch rechnet die britische Flugaufsicht Nats mit einer Normalisierung des Flugbetriebs. Die Asche werde weitergeweht, die Konzentration im britischen Luftraum hätte bis dahin nachgelassen.

Blick auf den Vulkan Eyjafjallajokull in Island, aus dessen Krater eine riesige Aschewolke quillt (Foto: dapd)

Die Aschewolke des Eyjafjallajokulls legte tagelang den Flugverkehr lahm

Neue Grenzwerte

In Deutschland darf bei einer Aschekonzentration von mehr als 2,0 Milligramm pro Kubikmeter Luft nicht mehr geflogen werden. Diese Grenzwerte wurden im letzten Jahr für Deutschland vom Bundesverkehrsministerium festgelegt, nachdem im April 2010 die Aschewolke des Vulkan Eyjafjallajökulls in Island dazu führte, dass der Flugverkehr über Europa tagelang gestoppt war. Etwa 100.000 Flüge fielen damals aus, mehr als zehn Millionen Passagiere konnten nicht reisen.

Denn damals im April 2010 Jahr herrschte in den europäischen Ländern große Unsicherheit im Hinblick auf den Umgang mit Vulkanasche. Es fehlten Richtwerte und Erkenntnisse über die Schädlichkeit von Aschekonzentrationen in der Luft. Zwar ist bekannt, dass Vulkanasche in der Luft bei Flugzeugen schwere Schäden in den Triebwerken verursachen und im Extremfall zum Absturz führen kann, aber noch testen die Experten, welche Konzentrationen tatsächlich diese Folgen hätten.

Keine europaweite Regelung

Anzeigetafel mit gecancelten Flügen (Foto: AP)

Hunderte Flugausfälle in Nordeuropa

Inzwischen wurden für die Grenzwerte für die Aschekonzentration drei Zonen festgelegt - und das Fliegen in Arealen mit geringer Konzentration ist erlaubt. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer zeigte sich am Mittwoch zufrieden mit der Umsetzung. Im ARD-Morgenmagazin sagte der CSU-Politiker, dass durch das "verfeinerte Regelwerk" besser reagiert werden könne, als noch vor einem Jahr. "Wir sind sehr viel besser als vor einem Jahr in der Lage so eine Situation zu beherrschen."

Dagegen beklagen die Fluggesellschaften, dass es nach wie vor keinen einheitlichen Grenzwert gibt, bei dem alle Flugzeuge am Boden bleiben müssen. Trotzdem sei die aktuelle Situation nach Ansicht des Flughafenverbands ADV wichtig. Denn nun können alle Beteiligten beweisen, "dass sie es besser können als vor einem Jahr". Der Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen, Ralph Beisel, bemängelte, dass es bislang nur nationale Regelungen gibt. "Im Rahmen eines Single-Sky-Gedankens sollte zügig eine europaweit einheitliche Regelung gefunden werden", sagte er.

Nur noch Dampf über dem Grimsvötn

Ob die Aschewolke des Grimsvötn auch in den nächsten Tagen den Ablauf des Luftverkehrs bestimmt, ist fraglich. Denn der Vulkan ist seit Mittwoch nicht mehr aktiv. Die Eruptionen hätten aufgehört, aus dem Vulkan steige nur noch Dampf, teilte der britische Wetterdienst mit. Hoffnung für alle Flugreisenden, dass die Flugbeeinträchtigung auch bald beendet sind.

Autorin: Marion Linnenbrink (dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Annamaria Sigrist

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