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Musik

Humor und Charisma

Der Pianist Alfred Brendel macht als Lehrer Furore. Nachdem er seine aktive Pianisten-Karriere beendet hat, hält er Vorlesungen, veranstaltet Workshops und unterrichtet ausgewählte Meisterschüler.

Der Pianist Alfred Brendel (Quelle: Guido Bergmann)

Der Pianist Alfred Brendel

Alfred Brendel hält Menschen zum Nachdenken über Musik an: Nicht nur seine Schüler, auch die Leser seiner Bücher und Gedichte und die Zuhörer seiner Vorlesungen. Nachdenken – das hat Brendel während seiner fast 60-jährigen Karriere so intensiv getan wie kein anderer. Beschränkt hat er sich dabei auf seine wenigen Favoriten unter den Komponisten: Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert. Im Dezember letzten Jahres hat Brendel seine Karriere beendet. "Für mich waren die Konzerte keine Droge. Ich dachte mir: Ich will jetzt nicht zu lange spielen, bis man die Mühe, die das Konzertieren macht, wenn man älter wird, dann auch bemerkt." Jetzt hat Brendel umso mehr Zeit, auch um sich feiern zu lassen. Das "Klavier-Festival Ruhr" veranstaltet für ihn in diesem Jahr eine einwöchige Hommage. Vier seiner Schüler treten in diesem Rahmen auf.

Mit anderen Ohren hören

Der Pianist Herbert Schuch (Quelle: Jürgen Olczyk)

Der Pianist Herbert Schuch

"Er meinte zu mir: ‚Ja, sie spielen sehr schön Klavier’. Und das war dann auch wirklich alles, was um den heißen Brei herum geredet war. Dann ging’s wirklich zur Sache." Der Pianist Herbert Schuch erinnert sich an die erste Unterrichtsstunde bei Alfred Brendel. Ein prägendes Erlebnis. Gerade hatte er Schubert-Sonaten eingespielt. Nach Brendels Unterricht verwarf er die Aufnahmen und dachte neu nach. "Es geht immer gleich um alles", charakterisiert Schuch Brendels Herangehensweise. "Ich kann nur sagen, seitdem ich da war, höre ich Pianisten mit ganz anderen Ohren."

Arbeit am Detail

Noten Handschrift (Quelle: DW TV)

Noten Handschrift

"Schüler" – dieses Wort klingt zu schwach für die Pianisten, die technisch nichts mehr zu lernen haben, aber von Brendels tiefen Einsichten profitieren. An Herbert Schuch zum Beispiel lobt Brendel vor allem dessen feines Ohr für Klangfarben. In unregelmäßigen Abständen treffen sich die beiden Pianisten in Brendels Londoner Domizil zu Nachmittagen mit eingehender musikalischer Analysearbeit. "Ich habe jungen Pianisten zwischendurch immer wieder geholfen, wann immer ich konnte, und zwar als älterer und erfahrener Kollege, der allerdings manchmal sehr genau ins Detail geht." Dabei begibt sich Brendel mit seinen Schülern vor allem auf die Suche nach dem unveränderlichen Charakter eines jeden Stückes. Die Werkidee sollte möglichst unverzerrt zum Vorschein kommen.

Was man nicht lernen kann

Schimmel-Fluegel (Quelle: AP, Michael Porbst)

Schimmel-Fluegel

In der jungen Pianistengeneration sieht Brendel viele große Talente; aber auch pianistischer Selbstdarsteller, die kaum in der Lage seien, ein vernünftiges Beethovenkonzert zu spielen. Gäbe es etwas, was junge Pianisten unbedingt mitbringen müssen, was man ihnen nicht beibringen kann? "Einen gesunden Rhythmus. Die Fähigkeit, harmonische Vorgänge zu spüren und darauf zu reagieren. Und das Bedürfnis nach Cantabile."

Autor: Markus Bruderreck

Redaktion: Gudrun Stegen

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