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Kultur

Humor für Herz und Hirn

Sie schwappte aus den USA nach Europa: Comedy ist die Komik unserer Zeit. Dabei verbirgt sich hinter dem Begriff in Deutschland eigentlich nichts anderes als das gute alte Kabarett, allerdings mit anderen Themen.

Siegerehrung beim Hamburger Comedy Pokal (Foto: Jay Evers)

Witz gewinnt: Siegerehrung beim Hamburger Comedy Pokal

"Ich lache eigentlich ziemlich wenig", sagt einer, der sein Geld mit dem Lachen verdient. Wolfgang Masin steht seit knapp drei Jahren als Komiker auf der Bühne. Da heißt er El Mago Masin, "weil sich das besser anhört als Wolfgang". Der Mann mit dem rollenden R ist von Nürnberg nach Hamburg gekommen, um beim Hamburger Comedy Pokal 2012 anzutreten. Bis ins Finale hat er es schon geschafft.

Der Liedermacher El Mago Masin während seines Aufrittes im Finale des Hamburger Comedy Pokals 2012 (Foto: Jay Evers)

Lustige Lieder: El Mago Mansin

Als er durch den dunklen Vorhang die Bühne betritt, hat der 31 Jahre alte Künstler eine Gitarre in der Hand. Eigentlich wollte er Liedermacher werden, nach einer Ausbildung zum Zahntechniker und einem nicht abgeschlossenen Musikstudium. "Doch dann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich immer lustige Lieder schreibe, dass die Leute viel lachen", erinnert sich Masin. Meist geht es in den Liedern um Geschichten, die aus dem Leben gegriffen sind.

Damit reiht er sich ein in eine Art Humor, die man derzeit in vielen Facetten auf deutschen Bühnen findet. Auch in Schmidt's Tivoli auf der Hamburger Reeperbahn, wo der Comedy Pokal stattfindet: Das vermeintlich peinliche Bekenntnis, Fan von Bayern München zu sein, die Erfahrungen einer Mutter unter alles besser wissenden Öko-Akademiker-Eltern oder der schlichte Gang zur Post, wenn man ein Paket aufgeben will. All das wird hier durch den Kakao gezogen. "Das sind Themen, bei denen die Leute denken: 'So geht mir auch, das kenne ich, mein Nachbar ist genauso‘. Dann öffnen sich die Herzen zum Künstler und zum Publikum“, erklärt Peter Rautenberg, Organisator des Hamburger Comedy Pokals, erfolgreiche Komik. Dabei sei wichtig, dass man auch über sich selbst lachen könne.

Humor ist Geschmacksache

Fragt man das Publikum, was ihm gefällt, sagen viele, dass sie sich angesprochen fühlen wollen. Trotzdem gehen die Meinungen beim Humor weit auseinander. Für eine Dame mit Apfelsaftschorle in der Hand darf es auf keinen Fall unter die Gürtellinie gehen - wohingegen ein jüngerer Mann gerade das gut findet.

NDR-Redakteur Markus Pingel ist Jury-Mitglied beim Hamburger Comedy Pokal 2012 (Foto: Janine Albrecht)

Kürt die Witzigen: Jury-Mitglied Markus Pingel

Humor ist eben Geschmacksache. Das sieht auch Jury-Mitglied Markus Pingel so. Eigentlich könne man Humor deshalb gar nicht bewerten. Doch genau das ist an diesem Abend seine Aufgabe, und auch sonst muss der Redakteur des Norddeutschen Rundfunks das Können von Komikern beurteilen, wenn er Künstler für Fernsehsendungen auswählt. Wichtig sei für ihn vor allem, dass "etwas von der Bühne runterkommt und mein Herz und Hirn erreicht".

So aus dem Gefühl heraus kann sich Wulf Mey die Auftritte nicht mehr anschauen. Seit zehn Jahren hat er eine Comedy-Agentur. Doch auch für ihn ist der Bezug zum Publikum am wichtigsten. Ein noch so guter Text könne in der stillen Kammer vielleicht gut wirken, doch erst in Kontakt mit dem Publikum sehe man, ob die Gags wirklich funktionieren. "Je mehr ein Comedian auftritt und je mehr er sich in diese Situation begibt, desto mehr Probensituationen hat er", sagt Mey.

Dabei können dann auch sehr unangenehme Situationen entstehen. Etwa, wenn niemand lacht. "Das kommt ständig vor", gibt Mia Pittroff zu. Die Kabarettistin, die von einem Fan mit dem frühen Kabarettisten Gerhard Polt verglichen wurde, erzählt auch gerne Geschichten aus dem Alltag. Etwa, wie sie sich über ihren selbstverlegten Laminatboden ärgert. "Mal lachen die Leute über die Geschichte, mal nicht. Ich versuche, das dann zu übergehen."

Grenze zwischen Comedy und Kabarett

Kabarettistin Mia Pittroff während ihres Auftrittes beim Finale des Hamburger Comedy Pokals 2012 (Foto: Jay Evers)

Erzählt Geschichten aus dem Alltag: Kabarettistin Mia Pittroff

Als Pittroff in biederem Etui-Kleid auf der Bühne steht, stellt sie sich kurz vor, sagt, woher sie kommt: "Aus einer Stadt, die viel in den Medien war, weil man dort wissenschaftliche Abschlussarbeiten verfassen lassen kann." Klar, der Witz spielt auf die Plagiatsaffäre von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg an. Politisch wird es dann allerdings nicht. Auch nicht bei ihren anderen Kollegen. Kleine Anspielungen reichen offenbar. Mehr gibt's zur aktuellen Politik nicht zu lachen. Das politische Kabarett scheint von deutschen Bühnen immer mehr zu verschwinden.

"Es gibt noch einige, die machen das sehr konzentriert und sehr erfolgreich. Aber das ist ein bisschen weniger geworden", sagt Organisator Rautenberg. Auch bei den Bewerbungsvideos für den Hamburger Comedy Pokal falle ihm auf, dass immer weniger Politisches dabei sei. Trotzdem sei für ihn vieles, was in der Gesellschaft passiert und dann auf der Bühne karikiert werde, durchaus politisch. Nur das traditionelle Parteien-Kabarett sei weniger geworden. Das sieht Jury-Mitglied Pingel jedoch anders: "Ich finde gerade, bei den Jüngeren kommt das Politische wieder mehr durch." Auf der Kulturbörse in Freiburg, eine der größten Messen in Deutschland, auf der Comedians und Kabarettisten auftreten, habe er sehr viele 20- bis 25-Jährige gesehen, die tolle politische, gesellschaftspolitische Geschichten gebracht hätten. "Ich war echt erstaunt", sagt Pingel.

Zudem scheint die Grenze zwischen Comedy und Kabarett immer mehr zu verschwimmen. "Das Label 'Comedy' gibt es so gar nicht. Es wird jetzt aber vielfach eingesetzt - auch von Kabarettisten, um tatsächlich die Masse anzusprechen", sagt Rautenberg. Schließlich wollen Kabarett und Comedy vor allem eins: Menschen zum Lachen bringen.

Autorin: Janine Albrecht
Redaktion: Gudrun Stegen