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Kultur

Humboldts Bildungsideal - ein Exportschlager?

Einheit von Forschung und Lehre, eine Wissenschaft, die unabhängig ist vom Staat, offener Zugang zu Bildung für alle - Wilhelm von Humboldts Ideen haben viele Anhänger in Deutschland. Wie aber sieht es im Ausland aus?

Paul Otto: Wilhelm von Humboldt, 1883, Marmor (Foto: Bernd Prusowski, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Marketing und Fundraising)

Wilhelm von Humboldt

Marilena Thanassoula aus Griechenland arbeitet am Institut für Afrikanistik an der Universität zu Köln. Sie erforscht Sprachen, die nur mündlich überliefert sind und ist deshalb viel an Hochschulen im Ausland unterwegs. Zuletzt war sie für einen Forschungsaufenthalt in Ugandas Hauptstadt Kampala. Sie sprach mit einem Universitätsvertreter und stellte fest: "Was er sich für seine Universität und sein Land wünscht, entspricht genau dem Humboldtschen Ideal."

Humboldt scheitert an den Realitäten

Humboldts Ideen finden in aller Welt Anhänger. In vielen afrikanischen Ländern allerdings ist der Bereich Bildung noch immer stark geprägt durch die Kolonialzeit. In Uganda beispielsweise gilt das britische Universitätsmodell, was nicht immer als positiv empfunden wird, so die Erfahrung von Marilena Thanassoula. Vielmehr wünschten sich die Wissenschaftler auch dort mehr Unabhängigkeit für ihre Forschung.

Harvard Law School auf dem Campus der Harvard University in Cambridge, Massachusetts (Foto: AP)

Die Harvard University, Amerikas Vorzeige-Hochschule

Schon ab dem 19. Jahrhundert hat sich eine ganze Reihe von Ländern für Humboldts Ideen und die neue deutsche Universität interessiert, unter anderem auch die USA. Vieles wurde übernommen, sogar an Amerikas Vorzeige-Hochschule Harvard. Die Idee einer umfassenderen, nicht nur fachorientierten Bildung findet man an US-Elite-Hochschulen durchaus, in einer ganzen Reihe von Studiengängen wird ein Studium Generale erwartet. Aber Humboldts Ideal muss und musste eben immer an die Gegebenheiten angepasst werden. So auch in Marilena Thanassoulas Heimat Griechenland. Das sei verbunden mit den strukturellen Problemen, die die griechischen Universitäten hätten. "Für uns", sagt die Wissenschaftlerin, "wäre es sehr schön, wenn es möglich wäre, Forschen und Lehren zu verbinden, aber meistens gibt es nicht genug Geld für die Forschung, von daher ist es eine Idee, die immer wieder aufgegriffen wird, aber eben schwer umzusetzen ist."

Umstellung der Studiengänge – für Humboldt eine Katastrophe

Das wird nicht zuletzt auch in Deutschland in den letzten Jahren immer deutlicher. Zunehmender Finanz- und Zeitdruck durch die Umstellung von Diplom auf Bachelor- und Masterabschlüsse lassen Humboldt in seiner reinen Form kaum noch zu. Die Hochschulen in Europa müssen immer stärker auf private Geldgeber aus der Wirtschaft setzen, sich immer mehr nach den Wünschen der Unternehmen richten, die sich bestimmte Forschungsergebnisse wünschen. Für Humboldt wäre das ein Gräuel. Zu seinen Zeiten waren diejenigen, die zur Uni gehen konnten, zudem eine kleine Minderheit. Heute brauchen alle Länder hochqualifizierte Fachleute und das in großer Anzahl. Deren Ausbildung verursacht weit höhere Kosten als der Staat alleine aufbringen kann.

Rückkehr zur freien Forschung

Brunnen vor dem Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität in München (Foto: dpa)

Ideale Arbeitsbedingungen locken viele Forscher wieder zurück nach Deutschland

Einzelne Geldgeber, die in Stiftungsuniversitäten oder in einzelnen Studienfächern Humboldts Ideale hochhalten, findet man überall. Humboldts Idee ganzheitlich umgesetzt als staatliche Bildungspolitik dagegen kaum. Doch der zunehmende Wettbewerb in der Welt um die besten Köpfe könnte zumindest den Vorstellungen von einer freien Forschung durchaus wieder Auftrieb geben. Aus den USA etwa, über Jahrzehnte das Mekka auch für deutsche Forscher, kehren zunehmend Deutsche zurück. So wie Dirk Trauner aus Berkeley nach München. Zurückgelockt wurde er von Humboldts Ideal der unabhängigen Forschung. Er hatte das ständige Auf und Ab in den USA leid, "wo sie in guten Zeiten viele Gelder einsammeln können, die dann in schlechten Zeiten einfach verpuffen". In Deutschland sei das besser, sagt der Biochemiker, in München schreibe ihm niemand vor, woran er arbeiten solle, er habe "absolute Forschungsfreiheit." Über diese Aussage wäre Humboldt sicherlich sehr erfreut.

Autorin: Andrea Lueg
Redaktion: Petra Lambeck