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Welt

Humanitäre Lage in Gaza "verheerend"

Hunderte Tote und Verletzte, dazu kein Strom und wenig Wasser: Die Lage für die Menschen in Gaza ist katastrophal. Und sie wird dadurch verschärft, dass die internationalen Helfer selbst in die Schusslinie geraten.

Mehr als 400 Menschen sind nach palästinensischen Angaben seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Gaza-Streifen getötet worden. Der bislang schlimmste Angriff, auf Sadschaija, einen Vorort von Gaza-Stadt, forderte am Wochenende dutzende Todesopfer, hunderte Menschen wurden verletzt. Dort, in Sadschaija, sollte es am Sonntag eine zweistündige Feuerpause geben, damit die Helfer Tote bergen und sich um Schwerverletzte kümmern können. Doch nicht einmal diese kurze Waffenruhe hielt.

Ohne Feuerpause können die Hilfsorganisationen aber ihre Arbeit nicht machen. Seit dem Beginn der Kämpfe haben viele von ihnen ihre Mitarbeiter aus der Kampfzone herausgeholt, denn auch die Rettungskräfte geraten immer wieder in die Schusslinie.

Kaum Wasser, kein Strom

Hilfe wäre dringend nötig, die Situation in Gaza sei verheerend, sagt der Nothilfekoordinator der Hilfsorganisation Care, Theo Alexopoulos. Sauberes Wasser werde knapp, es gebe keinen Strom, das Kommunikationsnetz funktioniere nicht richtig. Die Verletzten - unter ihnen viele Frauen und Kinder - könnten nicht richtig versorgt werden, überall seien Gebäude zerstört, "auf den Straßen herrscht Panik", sagt Alexopoulos. "Die medizinische Infrastruktur ist komplett überlastet und steht vor dem Zusammenbruch."

Panzer der israelischen Armee feuern in Gazastreifen (Foto: AFP/Getty Images)

Gaza steht unter massivem Beschuss durch die israelische Armee

Rettungswagen kämen häufig nicht zu den Verletzten durch - wegen gesperrter Straßen oder weil die Retter nicht selbst durch den Bombenhagel fahren möchten. Viele Verwundete schleppen sich selbst in die Krankenhäuser. Ein Arzt des Schifa-Krankenhauses im Zentrum von Gaza-Stadt sagte der Nachrichtenagentur AFP über die Situation: "Das ist das Schlimmste, was ich je gesehen habe."

Die Hilfsorganisation Care

hat in Gaza derzeit zwölf Mitarbeiter. Wie bei anderen Hilfsorganisationen stünden mehr Leute bereit, wenn es eine längere Waffenruhe geben würde. Gehen sie nach Gaza hinein, geraten sie selbst in Lebensgefahr, andererseits kommen die Bewohner von Gaza nicht hinaus. "Sie sind gefangen in Gaza", sagt Theo Alexopoulos. Viele von ihnen haben nicht einmal mehr ein Zuhause. Nach UN-Angaben wurden inzwischen 1370 Wohnungen in Gaza zerstört, 20.000 Menschen vertrieben. Sie müssen versuchen, bei Verwandten oder Freunden unterzukommen. Einer der Care-Mitarbeiter, erzählt Alexopoulos, lebe in seinem Haus derzeit mit 60 anderen Menschen zusammen.

Feuerpause gebrochen

Die Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Nadia Didsy, findet es erschreckend, in welchem Ausmaß Zivilisten und lebenswichtige Infrastruktur zum Ziel werden. "Unsere Helfer in Gaza berichten davon, dass viele Gebiete unter immensem Beschuss sind, die Bodenoffensive bedroht das Leben zehntausender Zivilisten", sagt sie. Die Helferteams des Roten Kreuzes arbeiteten rund um die Uhr, kümmerten sich vor allem um die Versorgung der zahllosen Verwundeten. "Aber es ist schwierig, wegen diverser Sicherheitsbeschränkungen und wegen der andauernden Kämpfe", sagt Didsy.

Palästina Gaza Stadt unter massiven Beschuss durch Israel 20.07.2014

Der Krieg in Gaza hat schon hunderte Menschen das Leben gekostet, tausende haben ihr Zuhause verloren

Die Feuerpause vom Sonntag war vom

Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK)

vermittelt worden und sollte von 12:30 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) an zwei Stunden dauern. Eine Stunde nach ihrer offiziellen Verkündung wurde die Waffenruhe aber nach Angaben der israelischen Streitkräfte bereits wieder

gebrochen

. Die Armee habe "auf Beschuss der Hamas" reagiert und "zurückgeschossen", sagte ein israelischer Militärsprecher. Für Theo Alexopoulos ist aber ohnehin fraglich, was innerhalb von zwei Stunden auszurichten gewesen wäre. "Das ist ein sehr, sehr enges Zeitfenster", sagt er. "In zwei Stunden kann nicht viel getan werden."

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