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Politik

Humanitäre Krise im Sudan

Der Sudan steht vor einer humanitären Katastrophe: Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerk droht angesichts der dramatischen Zustände in den Flüchtlingslagern im West-Sudan ein Massensterben.

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Sudanesische Flüchtlinge inmitten eines Sandsturms

Besonders die Kinder müssten dringend mit Wasser, lebensrettender Zusatznahrung und Medikamenten versorgt werden. Nach Schätzung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) haben rund 700.000 Menschen seit Wochen keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Wasser. Die hygienischen Bedingungen in zahlreichen improvisierten Lagern verschlechtern sich kontinuierlich, berichtete die Organisation am Freitag (21.5.2004). Besonders für die zahlreichen schlecht ernährten Kindern seien Durchfallerkrankungen eine tödliche Gefahr. UNICEF zufolge ist jedes fünfte Kind in der Bürgerkriegsregion Darfur akut mangelernährt.

Flüchtlinge in Sudan

Besonders betroffen: Kinder

Unterdessen reagierte die sudanesische Regierung auf den zunehmenden internationalen Druck. Ab kommender Woche sollen Hilfsorganisationen ungehinderten Zugang in das Krisengebiet erhalten. Die Organisationen werfen der Regierung seit langem vor, den Transport von Nahrungsmitteln und Medikamenten in das Bürgerkriegsgebiet zu blockieren.

Druck auf Regierung verstärken

Das Entwicklungsministerium betonte, die internationale Gemeinschaft müsse darauf achten, dass die Zusage tatsächlich eingehalten werde. "Deshalb muss sie den Druck auf Khartum verstärken", forderte Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. Die Lage der Menschen sei dramatisch, ergänzte sie: "Es gibt bis zu eine Million Vertriebene, Menschen werden umgebracht, Frauen vergewaltigt, die Gefahr einer Hungersnot steigt." Die Ministerin kündigte eine kurzfristige Aufstockung der Hilfe für die Krisenregion um eine weitere Million Euro an. Damit solle schnellstmöglich humanitäre Hilfe in der Region Darfur und in den Flüchtlingslagern im Tschad geleistet werden. Insgesamt hat die Bundesrepublik nach Angaben von Wieczorek-Zeul inzwischen vier Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe in Darfur und im benachbarten Tschad zur Verfügung gestellt.

Zuvor hatte Wieczorek-Zeul kritisiert, dass die Weltöffentlichkeit zu sehr mit anderen Themen, etwa Irak, beschäftigt sei. "Es darf nicht wieder passieren, dass alle Augen auf andere Konflikte gerichtet werden und Afrika vergessen wird", betonte sie in einem ARD-Interview. Deutschland und die EU sollten aber zunächst versuchen, den Aufbau einer Friedenstruppe der Afrikanischen Union zu finanzieren. Wieczorek-Zeul warnte angesichts der dramatischen Lage in der sudanesischen Bürgerkriegsregion Darfur vor einem erneuten Völkermord in Afrika. "Das Beispiel Ruanda zeigt, dass wir nicht wegsehen dürfen", sagte sie.

Keine Behinderung von Hilfslieferungen und Flügen

Vertreibung in Sudan

Niedergebranntes Haus, vertriebene Bewohner in Darfur

Der sudanesische Außenminister Mustafa Ismail hatte am Donnerstag in Khartum angekündigt, Vertreter von Hilfsorganisationen bräuchten ab kommender Woche keine Sondererlaubnis mehr. Ein sudanesisches Visum, das jede diplomatische Vertretung Sudans im Ausland ausstellen könne, reiche dann aus. US-Außenamtssprecher Richard Boucher bestätigte in Washington, dass Hilfsorganisationen ungehinderten Zugang nach Darfur erhalten sollen. Die Regierung in Khartum habe zudem versichert, dass humanitäre Flüge in die Krisenregion nicht mehr behindert würden. Diese Schritte seien "überfällig", sagte Boucher.

Nach UN-Angaben haben die seit Monaten anhaltenden Kämpfe im Westen Sudans haben rund eine Million Menschen zu Flüchtlingen gemacht, von denen mehr als 100.000 die Grenze nach Tschad überschritten haben. In der Darfur-Region tobt seit Februar 2003 ein Konflikt, bei dem mindestens 10.000 Menschen getötet und eine Million vertrieben wurden. Arabische Milizen gehen mit Unterstützung der Armee gegen die schwarzafrikanische Bevölkerung vor. (mik)

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